Zum Hauptinhalt springen
Interviews

Blast From The Past - Rückblick auf das NO COMPROMISE 1995


Blast From The Past - Rückblick auf das NO COMPROMISE 1995

Der etwas andere Jahresrückblick! Vor 30 Jahren erschienen die ersten vier Ausgaben des NO COMPROMISE Fanzines. Grund genug, für eine kleine Werkschau!

Komisch eigentlich. Mit dem Mauerfall und dem Zusammenbruch der UdSSR hatte der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama „Das Ende der Geschichte“ verkündet. Viele Menschen (in der westlichen Welt) glaubten an einen Aufbruch in bessere und dauerhaft friedliche Zeiten. Und gerade in diese eigentlich positiv geprägte, bunte Zeit fällt die Geburtsstunde des Grunge, aber auch des Death und Black Metal oder auch des melancholischen Gothic-Death-Doom Metal. Unsere musikalische Sozialisierung fand ebenfalls in diesen letzten Jahren bzw. dem Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende statt.
Erstaunlich ist zudem, wie anders die Welt vor 35 Jahren auch hinsichtlich der Fanzine-Szene war. Neben den professionellen Platzhirschen Metal Hammer und RockHard gab es eine Handvoll mehr oder weniger regelmäßig erscheinender Fanzines – nicht wie anno 2025 eine unüberschaubare Masse an Online-Zines. Und so waren auch die Anfänge des NO COMPROMISE-Fanzines, welches 1995 erstmals erschien, eher zufälliger Natur. Als wir 1993 am Gymnasium eine neue Schülerzeitung mit dem provokanten Titel „Lost Generation Magazin“ gründeten, dessen erstes Titelbild für Aufsehen und Kontroversen in der Schulöffentlichkeit sorgte (zu sehen war ein Gräberfeld in Verdun, versehen mit der Überschrift „Recycling lebt vom Mitmachen!“), etablierten wir darin auch einen Musikteil. Nach einem Tipp des lokalen Plattenhändlers schrieben wir Labels wie Century Media, Steamhammer oder Massacre an und erhielten kurze Zeit später tatsächlich die ersten Muster: damals noch meist auf MC. Zwei Jahre später wollten wir dann ein richtiges Musikmagazin herausbringen: ganz nach unseren Vorstellungen. Das war dann die Geburtsstunde des NO COMPROMISE, aus dem sich nach einiger Zeit das Fegefeuer-Fanzine abspaltete, so wie in gewisser Weise auch das Twilight-Magazin hervorging.
Mittlerweile sind 30 Jahre seit der ersten Ausgabe des NO COMPROMISE vergangen, welches zeitlebens kostenlos erhältlich war und immer in einer Auflage von etwa 500 Exemplaren gedruckt wurde. An der ersten Ausgabe, die im Frühjahr 1995 erschien, arbeiteten etwa 10 Personen mit. Einige verließen im Laufe des Jahres oder der nächsten Jahre das Schiff, andere übernahmen mehr Aufgaben und traten in den festen Stamm der Mitarbeiter über und natürlich kamen auch immer wieder frische Schreiberlinge dazu. Im Jahr 1995 schafften wir es immerhin auf vier Ausgaben – alle mit ziemlich bescheuerten Titelbildern, wie man rückblickend zugeben darf. Inhaltlich hatten die Hefte jedoch viele hochkarätige und gute Themen zu bieten, wobei wir immer versucht haben, den Spagat zwischen angesagten, großen Bands und dem Untergrund zu schaffen. Immerhin war die Wahl auf den Titel NO COMPROMISE gefallen, weil wir uns nicht musikalisch beschränken lassen wollten. Und diesem Konzept sind wir auch bis zum Ende des Fanzines Ende der 90er treu geblieben.

NO COMPROMISE Nr. 1

Der Blick aufs Titelbild der ersten Ausgabe, deren Seiten noch von Hand nummeriert waren, verrät bereits, dass den damaligen Leser eine tolle Auswahl aus verschiedenen Genres erwartete: MACHINE HEAD, HATE SQUAD, PRETTY MAIDS, THUNDERHEAD, BENEDICTION, ANNIHILATOR, SENTENCED und nicht zuletzt Dave Lombardos (ex-Slayer) neue Band GRIP INC. NoCo 1small
In der News-Abteilung war nicht nur zu lesen, dass man auf der PRETTY MAIDS-Scheibe „Scream“ vergessen hatte „When it all comes down“ zu erwähnen, sondern auch, dass AMORPHIS` Tomi Koivusaari eine Nacht hinter schwedischen Gardinen verbringen musste, nachdem er in Österreich ein Hotelzimmer verwüstet und den Fernseher durchs geschlossene Fenster geworfen hatte. Da erfreut es doch eher, dass LEMMY ankündigte, sich sehr aktiv für die Deutsche Aids-Hilfe engagieren zu wollen.
Interessantes hatte auch GRIP INC.-Gitarrist Waldemar Sorychata zu verkünden: „Für uns ist Toleranz selbstverständlich. Damit wollen wir nicht „Peace“ verkünden und lassen uns dann Bärte wachsen und gehen mit Sandalen auf die Bühne.“ Stattdessen wurde lieber die ehemalige Managerin gefeuert, da „sie nur Geld in Dave sah“. Für solche Leute war kein Platz bei GRIP INC., weshalb auch ex-Overkill-Klampfer Bobby Gustafson kein dauerhaftes Mitglied in der Band wurde. Schließlich waren GRIP INC. mehr als ein Projekt: „Es ist, als ob man unsere Seele auf eine CD gepresst hätte. Grip Inc. ist unser A-Z.“ Kein Wunder also, dass Dave das Gefühl hatte, „zu etwas zu gebrauchen zu sein“.
Nicht ganz so harmonisch ging es auf der US-Tour von BOLT THROWER zu. Diese hatten sich so zerstritten, dass sie die Tour schließlich abbrachen und mit Sack und Pack nach Europa zurückkehrten. Zurück blieben BENEDICTION, die sich vor Ort erstmal Verstärker kaufen mussten, um die Tour alleine fortsetzen zu können. NUCLEAR BLAST gaben daraufhin eine Vermisstenanzeige auf, da sie nicht wussten, wo BENEDICTION geblieben waren.
Mit modernem Zeug wie MACHINE HEAD können die BENEDICTON-Jungs seinerzeit zwar nichts anfangen. Doch Rob Flynn ist’s wurscht, denn der ist „im Moment sehr zufrieden mit dem, was wir machen.“ Und er erklärt das Erfolgsrezept der Truppe folgendermaßen: „Wir mixen [Metal, Hip-Hop und Industrial] kräftig durch und das gibt unserer Band dann die gewisse Frische und das, was eine gute Band halt ausmacht.“ Mit EXHORDER will er hingegen nicht in einen Topf geworfen werden: „Das ist ein furchtbarer Vergleich.“ Noch schlechter kommen THE OFFSPRING und CANDLEBOX weg: „Die finde ich richtig scheiße und die haben es, wenn’s nach mir ginge, auch nicht verdient, so berühmt zu werden. Die wollen sich doch nur wichtigmachen.“ Ähnlich sieht es mit dem norwegischen Black Metal aus: „Ich halte dieses ganze Zeug für dämlich. Was bringt es, wenn ich in einem Song andauernd Blut, Blut kreische? Außerdem wollen die meisten von denen doch nur cool sein. Sie kommen sich geil vor, wenn sie Kirchen niederbrennen. Für mich bedeutet das nur, dass die `ne Klatsche haben.“ Stimmt irgendwie.
Der Kollege Axel B. empfiehlt den Lesern kurzerhand, doch einfach mal nach Paris zu fahren, um sich dort HATE SQUAD anzusehen. Die Hannoveraner schwammen nach der Veröffentlichung ihres Debüts „Theater of Hate“ gerade auf einer ungeahnten Welle des Erfolgs, weshalb Jens, Marc und ich die Truppe in ihrem Proberaum in Burgdorf aufsuchten. Und Frontmann Burkhard erklärte auch prompt das Geheimnis ihres Erfolgs: „Ich denke auch, wir haben vielen Bands voraus, dass wir unsere Proben nicht mit einem Saufgelage beginnen.“ Und auch auf der Bühne gelten bei HATE SQUAD strenge Regeln: „Wir haben ein ungeschriebenes Gesetz, dass keiner von uns vor einem Auftritt Alkohol anrührt.“ Und dabei kann Burkhard nach drei Bieren sogar noch Auto fahren. Dies ist in den Texten aber ebenso wenig Thema wie Religion: „In den Songs behandele ich auch teilweise meine generelle Einstellung zum Leben, da mir das sinnvoller erscheint, als nur „Ave Satanas“ zu grunzen.“ Denn mit der einen oder anderen Black Metal Band gibt es ohnehin Schwierigkeiten im HATE SQUAD-Kosmos: „Ich habe mir vor Jahren eine BEHERIT-LP gekauft und weiß bis heute nicht, ob ich die bei 33 oder 45Upm abspielen soll“, gesteht der Frontmann schulterzuckend, während Drummer Helge vermutet, dass BEHERIT echte Tiere an den Instrumenten sind „und es nur so schnell aufgenommen ist, dass man es nicht hört.“ Möglich…
BEHERIT mussten sich Ken und Ronnie von den PRETTY MAIDS bei unserem ersten „Hörsturz“ im Irish Pub in Hannover zwar nicht anhören, doch dafür eine bunte Mischung aktueller Songs. Während Ken bei AMORPHIS etwa die Melodien mag, jedoch nicht versteht, was die singen, mutmaßt Ronnie: „Vielleicht bin ich zu alt für diese Musik!“. Da kommen MORGANA LEFAY und ELEVEN PICTURES deutlich besser weg. TIAMATs „Gaia“ hätte laut Ken auch auf „Red, Hot and Heavy“ sein können und das Intro zu DR. BUTCHERs „The Altar“ trägt ebenfalls eine deutliche PRETTY MAIDS Handschrift. Diesem Verdacht setzen sich MUCKY PUP mit „Hippies Hate Water“ abschließend jedenfalls nicht aus („Der Song ist wirklich ungewöhnlich, er klingt wie Marschmusik.“).
Marschmusik möchte THUNDERHEADs Henny Wolters zwar nicht machen, aber vielleicht mal „was richtig Rock’n’Rolliges und Bluesiges“, dann allerdings nicht unter dem THUNDERHEAD-Banner. Denn die Fans sollen sich sicher sein: „Es steht Thunderhead drauf und es ist auch Thunderhead drin.“ Und dennoch können wir rückblickend festhalten, dass sich eine Hoffnung bislang nicht erfüllt hat: „… und irgendwann wird es der Band auch gedankt werden, dass sie immer stumpf ihr Ding durchgezogen hat.“ Vielleicht erfährt die Band ja in den kommenden Jahren doch noch eine späte Wertschätzung. Es wäre zu hoffen.
Jeff Waters war schon 1995 klar, dass es sich bei ANNIHILATOR eigentlich um ein Solo-Projekt handelt, dass es im Fernsehen nur Dreck gibt, Alkohol und Drogen schlecht für ihn sind und sich die Fans mehr Gedanken über seine Texte machen, wenn er sie nicht im Booklet erklärt. Gitarre spielt der sympathische Kanadier übrigens nur deshalb, weil seinen Eltern ein Schlagzeug zu laut war. Mit dem Singen hätte er hingegen schon zehn Jahre zuvor anfangen sollen, findet er. Tja, hinterher ist man vielleicht immer schlauer. Oder auch nicht.
Die PRETTY MAIDS hingegen hatten auch vor 35 Jahren kein Problem damit, dass Leute ihre Musik veraltet finden könnten. Da man sich Bob Rock nicht leisten konnte, entschied man sich bei „Scream“ erneut für Flemming Rasmussen als Produzenten.
Da backen die jungen SENTENCED noch deutlich kleinere Brötchen. Dennoch hält sich Taneli Jarva, den Jens in Hamburg vors Mikro zerrte, nicht für den richtigen Menschen, um über den finnischen Untergrund zu sprechen – oder den eigenen Stil zu beschreiben. Und während es in den Texten viel um Emotionen wie Hass, Aggressionen oder Depressionen geht, hält sich das Verständnis für die neuesten Trends in der Black Metal Szene in Grenzen: „Der neue Weg der Black Metal Bands mit Kirchenverbrennen, gefällt mir überhaupt nicht.“
Ob dieses „Hobby“ auch beim Trio von LOST IN THE SUPERMARKET angesagt ist, lässt die Band bei der Beantwortung der Frage, ob ein Konzept hinter der Band stecke, offen: „Spaß haben, sich ausleben.“
Redakteur „Black“ Mark“ orakelt in der „BretterControl“-Rubrik über die neueste AMORPHIS EP: „Lied drei und vier bilden eine Einheit, da es in zwei Parts aufgeteilt ist.“ „Shorty“ Johannes wird von SUNs „XXXX“ nicht vom Hocker gehauen, Axel B. findet PAINTING OVER PICASSO „nicht sonderlich aufregend“, während Jens für NADAs „Celmetra“ die Höchstnote zückt: „Für diese Genialität und Virtuosität bleibt mir nichts anderes übrig, als die Höchstnote zu vergeben.“ Ganz so begeistert ist er von INCANTATIONs „Mortal Throne of Nazarene“ nicht und wundert sich, „dass sich INCANTATION trauen, sowas zu veröffentlichen.“ Fast prophetisch muten „Black“ Marcs Schlussworte zum NEVERMORE-Debüt an: „Ich bin mir sicher, dass wir in nächster Zeit noch einiges von NEVERMORE hören werden.“ Und wo er gerade in Fahrt ist, zückt er für TIAMATs „Gaia“ die 101%, während Jens Geldschneiderei wittert und nicht mehr als 50% geben mag. Und weil er schon mal dabei ist, beschwert sich Jens auch gleich noch über den nervigen „Normal-Gesang“ auf THERIONs „The Beauty in Black“. Aufgrund der stilistischen Neuausrichtung bei PINK CREAM 69 kann ich mich nicht auf eine Note festlegen und zücke daher sowohl die 10% als auch die 85%. Derartige stilistische Schwankungen sind bei BOLT THROWER nicht zu befürchten, weshalb „Black“ Marc für „For Victory“ verdientermaßen die 100% vergibt. „Shorty“ ist sich bei der neuen GIGANTOR-Scheibe etwas unsicher: „Nachdem ich Thorsten noch einmal nach seinem Urteil befragt habe, ist dies dabei herausgekommen: 99%“. Tja…
Im Demo-Bereich kamen in dieser Ausgabe mit DEAF ROAX, T42 und EMBRYO STORE gleich drei Hildesheimer Newcomer auf den Behandlungstisch. Und auch an der Konzert-Front war alles in Ordnung, nur die fehlenden Zugaben beim MARDUK-Konzert verärgerten Jens.

NO COMPROMISE Nr. 2

Die zweite Ausgabe des NO COMPROMISE war noch breiter aufgestellt als das Debüt und neben PINK CREAM 69, SKYCLAD, ICED EARTH, TIAMAT und BLOOD kamen auch GIGANTOR, THERION, DEINE LAKAIEN, VOODOOCULT, CHOLANE aus Hannover und die deutsch-irische Folkband NORLAND WIND zu Wort.NoCo 2small
Neben der Nachricht über den Suizid von HELLOWEEN-Trommler Ingo Schwichtenberg gab es zu vermelden, dass RUMBLE MILITIA-Frontmann Staffi in einem Lokal von einem Messerstecher angegriffen worden war und C.O.C. in einer Hannoveraner Bar in eine Schlägerei mit dem örtlichen Football-Team gerieten. Dafür schafften es nicht nur SUN und BLACKEYED BLONDE in die Charts, sondern auch PRETTY MAIDS und GRAVE DIGGER. Morbid Records dagegen setzten auf Ungewöhnliches und signten eine japanische Techno – Grind – Band namens CLOTTED SYMMETRIC SEXUAL ORGAN. Was ist aus denen eigentlich geworden?
Manche Dinge haben sich seit 1995 übrigens nicht verändert, denn die Berliner 18th DYE würden sich wünschen, dass möglichst viele Leute zu ihren Konzerten kommen, um sich die
Band einfach mal anzuschauen. Das ist aber nicht unbedingt etwas für Veganer, zumindest wenn man weiß, wie die Songs entstehen: „Es gibt Sachen, die starten mit herkömmlichen Harmonien und werden dann völlig zerpflügt, wie so ein Tier, das von Piranhas zerlegt wird, bis nur noch die Knochen übrig sind, und dann schaust du, was du findest, und klatschst das dann alles wieder auf die Knochen drauf…“. Guten Appetit.
Die Karlsruher PINK CREAM 69 standen hingegen vor ganz anderen Problemen und mussten sich nach dem Weggang von Sänger Andi Deris 400 – 500 Tapes reinziehen, bevor endlich die Bewerbung des Engländers David Readman, der mittlerweile in einem schönen Dorf bei Hildesheim eine neue Heimat gefunden hat, im Briefkasten lag. Die musikalische Hinwendung zum eher grungigen Sound sieht Gitarrist Koffl seinerzeit eher positiv: „Ich muss auch kein schlechtes Gewissen haben, dass wir irgendwelchen Trends hinterherrennen oder auf einen Zug aufgesprungen sind.“ Glücklicherweise fuhr der Zug einige Jahre später aber wieder in eine andere musikalische Richtung…
TIAMATs Johnny Hagel (Bass, heute bei SORCERER aktiv) diktierte dem etwas schreibfaulen Kollegen Stoffregen ins Mikro, dass er noch nie mit einer Band aus Norwegen gesprochen habe, er Black Metal gar nicht möge und stattdessen lieber das Phantom der Oper oder Mozart höre.
Im SKYCLAD-Kosmos zeigt Frontmann Martin Walkier einige Ungereimtheiten auf: „Wir haben uns deshalb auch gegen dieses sexistische Image der Metal-Szene ausgesprochen. Das ist natürlich etwas seltsam, wenn man im Vorprogramm von Manowar spielt.“ Das damals aktuelle Album „The Silent Whales of Lunar Sea“ bedeutete eigentlich „The Silent Cries of Madness“ und in „Jeopardy“ geht es um geheime Atomwaffenversuche und mit „Desperanto (A Song for Europe)“ waren SKYCLAD damals so aktuell wie heute: „Es wäre gut, wenn England in die EU eintreten würde…“. Der Song „Art-Nazi“ war dem einstigen Label NOISE gewidmet: „Für Noise waren wir immer eine Art Freak-Show, die wissen nicht so genau, was sie eigentlich mit uns machen sollen. Unsere eigene Plattenfirma dachte drei Jahre, wir wären eine Fantasy-Band…“.
Und als wäre das nicht schon hart genug, hält PHILLIP BOA besagten Song im „Hörsturz“ für eine Nummer der Toten Hosen, weil Walkier angeblich wie Campino klänge. Vielleicht tröstet es da etwas, dass IRON MAIDEN auch nicht so Mr. Boas Ding sind, er mit NIGHTINGALE wenig anfangen konnte („So Gothic – Indie – Wave. Das habe ich noch nie so gut gefunden.“), THERION auch TIAMAT sein könnten („Finde ich gut, aber SLAYER und SEPULTURA sind besser.“) und er BLIND GUARDIAN für eine schottische Folk-Band hielt. Noch was, Herr Boa? „Saxon sind o.k.“ Gott sei Dank. „Die neue MOTÖRHEAD fand ich besser.“ Na dann…
Während es für GIGANTOR in Japan seinerzeit recht gut lief, plagte Frontmann Gagu die Angst vor den Gesetzeshütern: „Jens schrubbt irgendwelche Akkorde, und ich singe dann irgendwas dazu, und wenn es klappt, Bingo, neuer Song. Das nehmen wir dann auf und plötzlich denkt man: Wow, sind da viele Melodien drauf, da kommt gleich die Punk-Polizei, tatütata.“
GIGANTOR trauten sich zwar nicht mit den NY-Hardcore-Kampfhunden von PITTBULL auf Tour, einige Gemeinsamkeiten lassen sich aber doch ausmachen. Immerhin tritt GIGANTORs Jens als Gene Simmons in einer KISS-Coverband auf. Und bei PITTBULL sind die Verbindungen zu den geschminkten Mega-Sellern noch enger: „Wir haben uns 1973 gegründet, damals hießen wir noch KISS. Dann 1988 haben wir uns PITTBULL genannt, weil dort noch eine andere Band war, die sich KISS nannte.“  Und während THERIONs Christopher Johnsson schon mal den Hass der örtlichen Black Metal Fraktion zu spüren bekommt („Es war kein so großes Problem, einige Leute machten daraus ein Problem. Und das Feuer, das ein schwedisches Mädchen gelegt hatte, ging von selber wieder aus.“), distanzieren sich PITTBULL energisch vom Begriff „Hatecore“: „Hass ist sehr leicht, aber Liebe ist hart, Liebe ist sehr hart, Liebe treibt dich zum Selbstmord, Liebe macht euch so, dass ihr euch schlagen wollt. Hass ist leicht. […] Pittbull ist nicht Gewalt, und wir sind nicht so, dass wir sagen, wir sind gut im Bett.“
Vielleicht hätte sich ICED EARTH-Mastermind Jon Schaffer besser beim Matratzen-Sport ausgetobt, dann wäre uns allen vielleicht seine peinliche Teilnahme am Sturm auf das Capitol erspart geblieben. Rückblickend klingen seine damaligen Worte schon fast prophetisch: „Ich würde wohl ein Wikinger sein, der Dörfer niederbrennt und ausplündert. Wenn ich keine Musik machen würde, würde ich wahrscheinlich auf der Straße sitzen und rumrandalieren.“ Dafür musste er letztlich gar nicht ins Mittelalter reisen, wie wir heute wissen.
Ganz anders läuft es bei DEINE LAKAIEN, die nach eigenen Angaben zwar Fans haben, die „manchmal ein bisschen intolerant“ sind, dafür aber im Kinosaal so leise sind, dass Ernst Horn in Hamburg „so leise spielen [konnte] wie noch nie.“ Dementsprechend fällt der Job als Tanzmeister im Bierzelt weg: „Da habe ich keine Lust, mich dahinzustellen, die Leute zu animieren, so, jetzt alle, weiter, weiter, hyper und so…“.
Was verbindet VOODOOCULT und BLOOD? Richtig: BURZUM. Während VOODOOCULT-Mastermind Boa die Band kurzum in Borsum umbenennt, geht es den Jungs von BLOOD bei BURZUM einfach viel zu langsam und melodiös zu. Ähnlich wie bei NAPALM DEATH: „Nach der zweiten LP waren NAPALM DEATH tot. Das ist jetzt nur noch der Name, die Musik ist eine andere.“ Dass CREMATORY bei BLOOD total durchfallen, ist verständlich, denn die BLOOD-Jungs haben ihr ganz eigenes inhaltliches Konzept: „Ja, das Leitthema sind Träume und Albträume und zwischendurch mal so Folter und Pein. Gemischt mit so’n bisschen Blutbädern und Gemetzel und so.“
Die Hannoveraner CHOLANE haben ihre Musik nach einem deutlich bodenständigeren Rezept gekocht, was womöglich der Grund dafür war, dass sich die Truppe vergeblich um einen Plattenvertrag bemühte. Wir machten uns gemeinsam mit den Jungs auf Ursachenforschung. Rückblickend scheint eins klar: Die Jugend hatte einfach zu wenig Geld, der Hammer berichtete lieber über FAITH NO MORE und Wettbewerbe gewann man, weil man irgendwelche Sozialpädagogen begeistern konnte. Doch eine Frage bleibt bis heute unbeantwortet: „Wie kann eine Band wie Guns ‘N‘ Roses so viele Platten verkaufen, wenn es so wenig Kuttenträger gibt?“
Auf den Demo-Seiten legt Hellmut den Lesern dann folgerichtig das Tape von CHOLANE ans Herz, während Evil Mike den Gesang von Jens Albert als Schwachstelle der Thrasher SURGICAL STRIKE ausmacht. Daneben gibt es Neues von CRACK UP, EYE SEE BLACK, den Engländern DEARLY BEHEADED und den Amis von TAUNTED.
In der „BretterControl“ fordert Kollege Stoffregen die Leser mit einer besonderen Matheaufgabe zu DISMEMBERs „Casket Garden“ heraus: „Doch wie soll man nun diese Maxi bewerten? Dabei kam folgende Rechnung heraus: 30% für Lied 1+2 und 85% für Song 3. 30% x 1 = 30 und 85% x 3 = 255, macht 285:4 = 71%“. Von wegen Rezensionen sind subjektiv. Wissenschaft, Leute, Wissenschaft!
Und sonst noch? Anathema liefern mit „Pentecost III“ laut Jens eine in „allen Belangen perfekte EP“, MONSTER VOODOO MACHINE „ist jeglichem Green Day- und Rage Against The Machine-Scheiß vorzuziehen.“ und HAGGARDs „Geniestreich“ „Have You Ever Seen…“ gab es seinerzeit noch für 5 DM bei der Band zu bestellen. Ach ja, und Phillip Boa stellte noch schnell klar, dass Voodoo viel mit Meditation zu tun habe, aber „nichts mit geschlachteten Hühnern oder Puppen.“ Aktuelle Lieblingsscheiben: SLAYER – „Reign In Blood“, SEPULTURA – „Chaos A.D.“ und MINISTRY – „Psalm 69“.

NO COMPROMISE Nr. 3

Inzwischen haben wir nicht nur das DYNAMO OPEN AIR hinter uns gebracht, sondern uns auch an einer sehr positiven Besprechung des NO COMPROMISE Nr. 2 im Rock Hard erfreut. Dementsprechend motiviert ging es an Heft 3, welches dann im Spätsommer 1995 erschienen ist und auf dessen Cover Mikes Hintern mit Dynamo `95 Schriftzug leidlich zu erkennen ist.NoCo 3small
Die FOO FIGHTERS verkauften bereits die ersten Shows in London aus, obwohl noch gar keine Musik erschienen war. TANKARD mussten ohne Axel Katzmann weitermachen und BON JOVI standen ohne Basser Alec John Such da. Und auch bei SAVATAGE und PRO PAIN drehte sich das Besetzungskarussell.
Anders als sein langjähriger Kumpel Jon Schaffer (ICED EARTH) sähe sich BLIND GUARDIAN-Frontmann Hansi Kürsch im Mittelalter eher als Bauer, hält diese Zeit aber für nicht so besonders angenehm. Und auch die USA stehen bei BLIND GUARDIAN momentan nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. FEAR FACTORYs Burton C. Bell scheint diese Vorbehalte zu bestätigen: „MTV USA sucks – I hate it! Wir haben unser Video gedreht mit der Absicht, dass sie es nie spielen werden. Wahrscheinlich machen sie uns einen Strich durch die Rechnung und spielen es doch.“ Und zum Stichwort „USA“ befragt, antwortet er: „… ich bin nicht besonders stolz auf dieses Land und es entwickelt sich immer mehr zu einem Anlaufhafen für kaputte Existenzen und dumme Menschen.“ Word!
Die Anreise zum Dynamo 1995 ging, abgesehen von einem platten Reifen und kleinen Flammen aus der Lüftung eines Golf GTI, recht geordnet ab. Kollege Stoffregen hatte unter Protest seine Dosen mit „Feinen Erbsen und Möhrchen“ sowie den „Cocktail-Früchten“ zuhause lassen müssen und schaffte es während des gesamten Festivals zu ungefähr drei Bands, darunter DUB WAR und DOWNSET. Der Rest von uns sah viele der seinerzeit aufstrebenden neuen Kapellen wie HATE SQUAD, NEVERMORE, NAILBOMB, MACHINE HEAD oder GRIP INC. Aber natürlich auch TYPE O NEGATIVE, BIOHAZARD, MY DYING BRIDE oder SKYCLAD.
In der „BretterControl“ waren die Reviews erstmals nach Anfangsbuchstaben sortiert, was für etwas mehr Übersichtlichkeit sorgte. Aber ansonsten blieb alles wie bisher: Haarstrich meckerte über BOBBY FRISS, die sich seiner Meinung nach bestenfalls als Hintergrundmusik im Supermarkt eigneten und für die man „keine Höchstnoten vergeben“ könne. Genau dies tat Evil Mike aber für DISMEMBERs „Massive Killing Machine“: „Trotz PARADISE LOST vielleicht das beste (Death) Metal Album des Jahres.“ Angesichts dieser steilen These zog Kollege Stoffregen seine Kritik zu LACRIMOSAs „Inferno“ aus dem Schlüpper und stellte die Leserschaft vor wahrlich große Fragen: „Musikalische Lebensphilosophie oder einfach „nur“ ein geniales Meisterwerk…?“ Im Verlauf seiner Kritik epischen Ausmaßes unterstreicht Marc, dass Melancholie großgeschrieben werde, und erkennt, dass die „depressiven Klänge … Gefühle wie Trauer, Einsamkeit und inneren Schmerz …“ hervorriefen. Entsprechend verspürte der Rezensent beim Hören des Albums einen gewissen Hang zum „Depressiven und zu Selbstmitleid“. Doch wie lautete denn nun das Urteil? Die Stichworte „Spinnennetz“, „Kulturbereicherung“ und „kultureller Höchstgenuss“ ließen am Ende nur eine Bewertung zu: 100%. Allerdings unter Vorbehalt: Suizidgefährdete sollten sich nämlich lieber von der Musik fernhalten.
Und auch Jens meint, einen Kandidaten für das beste Album des Jahres 1995 entdeckt zu haben: MY DYING BRIDEs „The Angel and the Dark River“. „Ich kann mir diese Musik nicht sehr lange anhören.“ befand Mike – bezog sich dabei allerdings gar nicht auf MY DYING BRIDE, sondern auf EISENVATER. Dafür zog Johannes die 100% für die Pariser TAUDI SYMPHONY, deren Mix verschiedener Stile er „einzigartig“ fand. Axel B. hält gleich mit zwei 100ern dagegen: LAIBACHs „War“-Single und SEVEN DAY DIARYs „Skin and Blister“, „bei dem man eigentlich nicht weiß, wo man mit dem Hören beginnen soll.“ Seltsam, denn immerhin hatte er die CD „heute schon 4x gehört“. Na dann…
Die zweite Hälfte des Heftes begann mit einem weiteren HATE SQUAD-Interview. Quintessenz: HATE SQUAD „klingen nicht wie die hunderttausendste Kopie von irgendeiner anderen Band.“ In Köln gastierte man mit ATROCITY in einer 2000er-Halle „und es waren gerade mal 86 Leute da.“ Zu allem Überfluss wurde Burkhard auf der Tour auch noch von vielen CREMATORY-Fans angesprochen, war aber letztlich doch glücklich, dass man fürs DYNAMO gebucht worden war.
Glücklich waren auch HAGGARD, die gerade eine Tour mit AMORPHIS und DESULTORY absolviert hatten. Da wird man durch Songtitel, in denen einem Kinderschänder „der Schniedel abgeschnitten wird“ doch schnell wieder geerdet. Hinsichtlich seiner Zukunftsvisionen lag Mastermind Asis Nasseri dann aber doch nur so halb richtig: „Hardcore dürfte wohl noch immer halbwegs aktuell sein. Ich denke, dass auch der Speed und Thrash Metal wiederkommen, nur in einer anderen Form. Für den Standard-Death sehe ich keine große Zukunft, bis auf ein paar große Bands. Atmosphärischer bzw. origineller Death Metal wird bleiben.“
Um die Zukunft drehte es sich auch im Gespräch mit den Schweden von BUCKSHOT O.D.: „Ich versuche, den Leuten vor Augen zu halten, was sie aus der Welt machen wollen, und frage gleichzeitig, ob sie wirklich so eine Welt haben wollen.“ Ich glaube, lieber nicht…
GRAVE DIGGERs Tommi Göttlich wusste ziemlich genau, was er wollte, beziehungsweise was er nicht wollte: „Wir wollen aber weder neu, witzig oder interessant sein …. Wir gehören in die Schublade Heavy Metal und da wollen wir auch bleiben.“ Insofern gilt wohl auch heute noch: „Kein Klischee zu haben ist jetzt quasi das Klischee und wir haben Klischees und sind deswegen quasi, haben eigentlich keine Klischees…, ich find’s einfach geil…!!“ Yo.
Über die Frage, was „in“ ist und was nicht, hatte sich auch RAGEs Peavy Gedanken gemacht: „Für den Metal sehe ich langfristig gute Chancen, wieder „in“ zu werden.“
Da hatten COALMINER’S BEAT doch ganz andere Probleme: „Sony ist ein Riesenapparat, bei dem es ewig dauert, bis man mal den richtigen Partner an der Strippe hat und bis irgendwer seinen Arsch hochkriegt…“. Na, da wusste Gitarrist Stefan Meissel aber noch nicht, wie es ist, wenn man 2025 mal bei der Bahn oder der Sparkasse anruft.
Unter den besprochenen Demos befand sich neben HAGGARD, SICK OF SOCIETY und PASSION auch das Demo einer gewissen Band aus dem Stuttgarter Raum: Die FARMER BOYS sollten es in den nächsten Jahren zu einem gewissen Ruhm bringen.
Und in der Konzert-Rubrik brachte Kollege Marc es schließlich wieder alles treffend auf den Punkt: „WARRIOR SOUL boten was zum Lachen und VOODOOCULT waren fürs Musikalische zuständig.“

NO COMPROMISE Nr. 4

„Und demnächst gehe ich zu Take That (oder auch nicht!).“ Für die vierte Ausgabe des NO COMPROMISE hatte sich Hellmut in geheimer Mission zum KELLY FAMILY-Konzert nach Hannover begeben: „Ja, ich gestehe, einige der Songs gefallen mir ziemlich gut. Aber hauptsächlich wollte ich schon immer einmal hysterisch schreiende Teenies sehen.“ Und auch für den Besuch des PUKE-Konzertes in Sarstedt gab es gute Gründe: „Ich war schon lange nicht mehr aufeinem Konzert … NoCo 4small1und freute mich ziemlich darauf, endlich mal ein paar alte Bekannte wiederzutreffen.“ Das konnten lediglich DARK AT DAWN toppen, die die Veröffentlichung ihrer „Oceans of Time“-CD in der Festhalle in Dorste feierten: „Außerdem stifteten sie noch 100 Liter Freibier und hielten den Eintrittspreis mit 8,- DM extrem niedrig.“ So wundert es nicht, dass Hellmut zu einem entsprechenden Fazit kam: „Diese Veranstaltung hatte absoluten Vorbildcharakter.“ Dies traf leider auf die Jungs von EIBON, die wenige Tage später ein Konzert für ILLDISPOSED und HAGGARD in Goslar eröffneten, nicht zu: „Eibon spielten Death Metal mit Mundharmonika (!). War ganz interessant, aber irgendwie noch nicht ganz ausgereift …“. Na, immerhin. Da erging es Johannes doch deutlich besser. Der hatte das Konzert von ACEPHALOUS, MATTER OF TASTE und EVIL WEEVEL in Bonn besucht: „Tja, mein erstes Konzert in meiner neuen Heimat hat mich in eine sehr positive Stimmung versetzt. Und ich sehe zuversichtlich in die Zukunft.“ Das hat sich doch mal gelohnt.

Für Starproduzent Harris Johns‘ Space Metal Band CHARN lief es live hingegen weniger gut: „Na ja, die Reaktionen waren nicht ganz so gut, was aber wohl auch daran lag, dass wir direkt nach HATE SQUAD spielen mussten, die ja ein ziemliches Brett fahren.“ Und auch mit dem Album lief es nicht gerade perfekt: „Hier in Deutschland bekamen wir zwar immer Komplimente, aber laut der Marktanalyse kann man solch eine Scheibe hier nicht vermarkten.“ Damit scheinen die Analytiker Recht behalten zu haben, denn aus den versprochenen vier Alben ist meines Wissens nach nichts geworden.
Vielleicht war die Welt einfach noch nicht reif für Space Metal und Harris hätte sich lieber mal bei den Kollegen von DISMEMBER ein paar Ratschläge geholt: „Wir haben immer noch einige Songs, die von Serienkillern, Mord und Totschlag handeln. Andere Songs handeln von Gefühlen und dem Tod. Und wir haben zwei oder drei Songs, die vom Krieg handeln.“ Über derartige Inhalte kann NAKED WHIPPER-Mainman Dominus A.S. nur müde lächeln: „Nicht alles von den Texten hat mit SM zu tun. … Die Grundbegriffe Sodomie, Perversion, Folter, Ritual kommen in den Texten zu tragen, was aber nicht bedeutet, dass das alles so praktiziert wird…“.
Gott sei Dank, denn das nordirische Trio ASH, welches zwar als von TWISTED SISTER und JUDAS PRIEST inspirierte Metal Band gegründet wurde, auf ihrem Debüt „Trailer“ jedoch eher Alternative Rock spielt, hatte gerade erst die Schule beendet und würde bei derartigen Texten wohl rot anlaufen. Insofern ist man sich des eigenen Standings auch noch nicht so ganz sicher: „Ich bin mir nicht sicher, ob die Hardcore-Fans uns akzeptieren werden, da wir ja auch softere Songs haben. Ich hoffe aber, dass sie uns nicht von der Bühne werfen werden…“.
Über derartige Dinge machen sich WEEZER schon lange keine Gedanken mehr. Im Gegenteil, von den Jungs könnten ASH mit Sicherheit noch etwas lernen: „Wenn du als Junge jemals mit einer Rockband touren willst, musst du lernen, in einem fahrenden Bus im Stehen zu pinkeln, ohne dich vollzusauen! Das ist alles!“ Bei DISTRESS gestaltet sich das Thema „live spielen“ sogar noch einfacher: „Wenn irgendjemand will, dass wir spielen, ruft an oder schreibt. Wir spielen für Sprit-Kohle und Bier.“
Viel mehr braucht es bei einem WIZO-Auftritt auch nicht. Die Jungs verzichten sogar auf den Sicherheitsdienst, weshalb es zumindest hier nicht ausgeschlossen wäre, dass die nordirischen Teens von ASH von der Bühne geworfen werden: „Nun, da wir völlig auf Security verzichtet haben, war es etwas chaotisch. Aber wir sind keine Rockstar-Arschlöcher, brauchen diesen Starrummel nicht. Wir spielen für das Publikum, daher keine Security.“ Kein Wunder also, dass es „dann schon mal hysterische Teenager“ gibt, „die uns an den Hosenbeinen zerren.“ Die „nette Verkäuferin“ aus der Bäckerei in der Nachbarschaft gehörte allerdings nicht dazu: „‘Ah, Musik machen Sie, so wie PUR und DIE PRINZEN?‘ Da dachte ich dann, dass ich das richtigstellen sollte, und habe gewusst, dass ich der Frau Deutschpunk nicht erklären kann.“ Weshalb die Dame dann vermutlich auch nicht zur WIZO-Show im UJZ Peine kam: „Ja, dies ist ja das Paradebeispiel für ein versifftes Jugendhaus…“. Und wer sich jetzt fragt, wer oder was WIZO überhaupt sind: „Wir sind nicht kommerziell, käuflich, auch nicht arrogant. Wir sind immer noch WIZO und damit Punkrock und so wird es auch bleiben.“
Ganz so einfach gestalteten sich die Dinge bei KREATOR nicht. Diese waren gerade von NOISE zu G.U.N. gewechselt und hatten mit neuem Line-Up „Cause For Conflict“ eingespielt. Nach dem zwiespältigen „Renewal“-Album ging es nun wieder deutlich aggressiver zu: „Der Grund, weshalb „Renewal“ so anders gewesen ist, ist meiner Meinung nach der, dass wir zu der Zeit immer ziemlich benebelt waren.“ Dafür bekamen die Fans am Ende von „Cause For Conflict“ noch ein wenig Stille geliefert: „Das ist keine Fanverarsche … Es ist aber so, dass wir bei Noise einen Vertrag unterschreiben mussten, dass jede Platte mindestens 45 Minuten Spielzeit hat, sonst hätten sie uns nicht gehen lassen. Wir haben nun wirklich alles versucht, um auf 45 Minuten zu kommen, wollten aber auch keinen B-Song auf die Platte nehmen.“ Nun, ob Stille und ein bisschen Lärm („Daher haben wir eben diese Soundcollage gemacht …“.) besser als ein B-Song waren, darf bezweifelt werden…
Aber vielleicht muss man die „Soundcollage“ auch einfach nur richtig verstehen. SEVEN DAY DIARY wissen jedenfalls, weshalb man ihre Musik hören sollte: „Es ist dieselbe Frage, warum man ins Museum geht. Warum in irgendeiner anderen Weise Erfahrungen machen? Es ist halt eine Art zu kommunizieren. Es ist eine Art menschlicher Erfahrung, das ist unsere Musik, es ist wie in der Kunst.“
Die Italiener von LE STREGHE DELL ONIRICO hatten es da mit weitaus weltlicheren Problemen zu tun: „Auf einem anderen Konzert in der Nähe von Turin konnten wir den Hund unseres Ex-Gitarristen einfach nicht von ihm wegbringen. Während wir spielten, kratzte der Hund an der Bühne herum und der Organisator hatte den ganzen Abend damit zu tun, das Tier vor die Tür zu setzen.“
Apropos Tür: „Die Frau geht durch die Tür und verletzt sich noch an einer Scherbe die Hand. Sie weiß überhaupt nicht, was sie erwartet, und fühlt sich von einer Stimme verfolgt, von der sie nicht weiß, ob sie einem Engel oder Teufel gehört.“ Klingt nach Mille im Drogenrausch? Stammt aber von LIQUID BRAIN. Ihr fragte euch, was das bedeuten soll? „Das werde ich ganz bestimmt nicht preisgeben.“ Der Hellmut nun wieder…
Und auch HAGGARD werden nicht von allen Menschen verstanden, wie Geigerin Vera Hoffmann unserem Hellmut am Rande des Konzerts in Goslar in die Feder diktierte: „Es kam auch schon vor, dass die Leute vor der Bühne gestanden haben, damit nichts anfangen konnten und uns einfach nur groß angeschaut haben.“ Doch auch für solche Fälle ist die Band gerüstet: „Da hat der Asis dann gesagt: „Jetzt kommt ein neuer Song!“ und hat irgendeinen Titel gesagt, den ich noch nie gehört hatte … Dann haben die nur noch rumgebrüllt und rumgegrölt und Lärm gemacht. Und die Leute sind ausgeflippt.“
OBSCURITY könnten wahrscheinlich sowohl mit HAGGARD, ASH und WIZO gemeinsam auf der Bühne stehen: „Wir haben keine Probleme damit, mit Bands zu spielen, die nicht unsere Art von Musik spielen. […] Sollen sie spielen, was sie wollen. Sie spielen ihre Musik, wir spielen unsere.“
Und auch SICK OF SOCIETY sind sich bewusst, dass sie womöglich „anders“ sind: „Vielleicht wirken wir auf andere Leute etwas seltsam, aber das soll nicht unser Problem sein.“ Möglicherweise war das ein Grund, weshalb die Punkrocker Frauen vor allem aus einschlägigen Magazinen kannten: „Vor kurzem fragte mich jemand in einem Brief, ob die beiden Mädels auf dem Cover Freunde von uns wären und ob er ihre Adresse haben könnte. Nein, sie sind keine Freunde von uns und ihre Adressen habe ich leider auch nicht. Die zwei hübschen Mädchen sind lediglich aus einem Magazin heraus…“. Ein Problem, welches NAKED WHIPPER-Mastermind Dominus A.S. ebenfalls kennt: „Frauen: Haben mir bisher kein Glück gebracht!“ Könnte möglicherweise aber auch daran liegen, dass er auf das Stichwort „Sodomie“ folgendes antwortete: „Sehr interessant, da von vielen extrem verabscheut!“ Wem das dann doch zu extrem ist, für den haben DISTRESS eine passende Alternative: „Man kann auch geile Aufkleber von DISTRESS bestellen. Einer kostet 1,- DM.“ Aber letztlich geht es in den hormonell aufgeladenen 90ern dann doch auch bei DISTRESS immer nur um das Eine: „Natürlich wünschen wir uns auch viel Sex.“
Aus dem Alter sind BENEDICTION freilich schon damals längst raus. Dementsprechend kreisen die Gedanken von Frontmann Dave um ganz andere Dinge: „Im Titelstück ‚The Dreams You Dread‘ wird darüber gesprochen, wie schlechte Albträume deinen Schönheitsschlaf stören, weil du dadurch zu sehr belastet bist, und geistige oder seelische Erscheinungen wie Gespenster oder irgendwelche Geister werden dich aus dem Gleichgewicht bringen.“ So geschehen wohl, als Dave Hellmut im Interview für unsere Erstausgabe sagte, dass er gerne mal ANVIL als Support mitnehmen würde: „Wer hat dir denn das erzählt?“ Marc klärt ihn auf und Dave erinnert sich: „Ja, das stimmt. Da war schon einmal jemand da vom No Compromise, der uns interviewt hat. Da hatte ich wohl einen zu viel über den Durst getrunken.“
Das Interview mit LIFE OF AGONY-Klampfer Joey hingegen hatte sich nicht wegen übermäßigen Alkoholgenusses verschoben, sondern wegen eines Spiegeleies. Kein Wunder also, dass die Band in „Lost at 22“ einen eher kritischen Blick auf das Älterwerden wirft: „Genau darum geht es, um die Midlife-Crisis in der Jugend, das wollen wir mit diesem Song ausdrücken.“
Über derartige Befindlichkeiten kann 454 BIG BLOCK-Sänger Nathan nur müde lächeln. Der News-Sektion war zu entnehmen, dass er von zwei Skins angegriffen wurde, die ihm seinen Hund stehlen wollten. Nachdem ihm einer der Skins bereits ein Messer zwischen die Rippen gejagt hatte, gelang es Nathan, die Angreifer durch einige gezielte Handkantenschläge in die Flucht zu treiben. Die Wunde nähte er sich kurzerhand mit Zahnseide selber zu. Sachen gibt’s…
Und sonst noch? HELLOWEEN, OVERKILL, TOKYO BLADE, KINGDOM COME, METALLICA, DEF LEPPARD, DOWNSET, KISS, GOTTHARD, KATAKLYSM und RAMMSTEIN kündigten neue Alben an. DISMEMBER sind auf Platz 85 in die Charts eingestiegen und RANDALICA haben ihren eigenen Fanclub ins Leben gerufen: Anonyme Randalicer!

To be continued in 2026!

 
Wir benutzen Cookies
Für einige Funktionen benützt diese Website Drittanbieter Cookies (YouTube/Google) - Lesen Sie mehr darüber in unseren  
Hinweis

Eine Ablehnung wird die Funktionen der Website beeinträchtigen. Möchten Sie wirklich ablehnen?