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Interviews

Interview mit Julez und Chili von Sintage

Promo Sintage

Ich denke, der DDR-Rockgedanke wird unterbewusst immer einen großen Teil von uns als Band formen, zumal diese Musik und vor allem das Auftreten damals um einiges umstrittener und gefährlicher war als heute.
Julez über die Verbindung zum Ost-Metal der 80er Jahre.

Interview mit Julez und Chili von Sintage

SINTAGE: Der Neologismus soll auf die musikalischen Wurzeln der Band verweisen und setzt sich aus „Sin“ und „Vintage“ zusammen. Ihre Inspiration ziehen die vier Leipziger aus klassischem Heavy Metal und Hard Rock der Marke JUDAS PRIEST oder IRON MAIDEN. Mit „Unbound Triumph“ hat die Truppe jüngst ein ausgesprochen beeindruckendes Zweitwerk abgeliefert. Die Gitarristen Julez und Chili nahmen sich Zeit, um uns einige Fragen zu beantworten.

Zunächst einmal Glückwunsch zum gelungenen Album und danke, dass ihr euch Zeit nehmt, um ein paar Fragen zu beantworten. „Unbound Triumph“ ist ein kraftvolles Metal Album geworden, enthält aber auch ruhigere Töne, wie in „Silent Tears“. Wo verläuft für euch bei einer solchen Nummer, die mir übrigens gut gefällt, die Grenze zwischen Kitsch und cooler Power Ballade?

Julez: Vielen Dank für die Interview-Anfrage und das Feedback zur Platte, freut uns mächtigst!
Was die Ballade angeht, war es uns vor allem wichtig die Emotion, die Randy (Sänger) vermitteln wollte, um den Verlust seines Vaters zu verarbeiten, richtig einzufangen. Mit den Lyrics und seiner gesanglichen Performance hat er das auch perfekt hinbekommen, womit wir alle sehr zufrieden sind. Dass die Nummer nicht im Kitsch verlaufen ist, liegt an den musikalischen Arrangements, die zum einen zum Support von Randys Vision zum Song ausgearbeitet wurden, zum anderen aber auch gezielt so geschrieben wurden, dass es sich trotz des sehr sentimentalen Themas nach einer Heavy Band mit Biss anhört.

Mein Favorit auf dem Album ist allerdings nicht „Silent Tears“, sondern „Beyond the Thundedome“, gefolgt von „Electric Walls“. Beide Songs sind sehr druckvoll, nicht überladen und absolut eingängig und auf der Bühne dürften sie sehr gut ankommen. Welche Songs würdet ihr besonders hervorheben wollen, um jemanden für „Unbound Triumph“ zu begeistern?

Chili: Mit den beiden Songs hast du es schon ziemlich gut auf den Punkt gebracht. In den letzten paar Wochen nach Album-Release, haben sich aber vor allem „Cutting the Stars“, „Ramming Speed“ und „Prisoned by the Dark“ als Publikumslieblinge herauskristallisiert. Reinhören lohnt sich.

Ihr habt für meinen Geschmack hinsichtlich des Sounds im Vergleich zum Vorgänger nicht grundsätzlich etwas verändert, aber die Stellschrauben doch so gedreht, dass „Unbound Triumph“ eine ganze Ecke druckvoller klingt. Welche Stellschrauben waren das?

Chili: Ich denke vor allem die zweite Gitarre und Randys Gesang haben viele neue Möglichkeiten eröffnet, Dinge zu probieren und zu experimentieren. Dadurch waren unter anderem Songs wie „Silent Tears“ oder „Electric Walls“ überhaupt erst möglich.

Julez: Was den reinen Sound der Platte angeht, wurde im Grunde genommen nicht viel verändert. Wir haben wieder bei unserem Kumpel Titus in Dresden aufgenommen und als Referenzen einige Platten aus den 80ern genannt, deren Produktionen uns zugesagt haben (Priests “Defenders of the Faith”, Dokkens “Under Lock and Key”,...).

Auch in Sachen Label hat es keine Veränderung gegeben. Doch High Roller sind nicht nur ein ausgezeichneter Mailorder mit fairen Preisen und unschlagbar schnellem Versand, Steffen Böhm ist zudem selbst Fan. Welche Rolle spielt das Label HRR für die Band SINTAGE?

Julez: HRR machen als Label einen verdammt guten Job. Noch bevor das fertige Produkt quasi im Laden steht, geht jeder Mitarbeiter perfekt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Band ein. Das fängt bei Layout- und Soundthemen beim Mastering an und geht über die Organisation bis hin zur Promo, wo wir im Endeffekt immer Mitspracherecht hatten, um den Release zu 100 Prozent nach unserem Gefühl zu gestalten. Man merkt natürlich auch, dass jeder bei High Roller Maniac mit Dunst von der Mucke ist. Die Zusammenarbeit bedeutet uns eine Menge und wird auf jeden Fall auch für die Zukunft halten.

Apropos Zukunft: KI in der Musik ist momentan ein heiß diskutiertes Thema. In Deutschland hatten vor allem GRAVE DIGGER Schelte für ihr letztes Cover bekommen. Wenn man ehrlich ist, sind technische Hilfsmittel aber schon länger im Heavy Metal angekommen. Welche Chancen und Grenzen bringt KI für SINTAGE?Sintage Cover

Chili: Ich denke, ich spreche für uns alle, dass wir dieses Thema jetzt und auch in Zukunft weitläufig umfahren werden, um der Sache, die wir tun, immer einen gerechten und auch emotionalen Wert zu geben.
Beispielsweise hat der wunderbare Didier Normand das Cover zu „Unbound Triumph“ als Ölgemälde für uns gemalt. Allein dadurch haben wir einen tollen Künstler kennengelernt und ein echtes Stück Kunst in unser Album eingebaut, was der ganzen Arbeit, die wir ins Album gesteckt haben, ein gerechtes Bild gibt. 

Wenden wir den Blick der Vergangenheit zu: Ihr hab die Szene in der DDR und die DDR selber ja, glaube ich, nicht mehr selber miterlebt. Habt ihr dennoch eine Beziehung zu bzw. ein Interesse am ehemaligen Ost-Metal und an Ostalgie im Allgemeinen?

Julez: Stimmt, zu DDR-Zeiten waren wir zwar alle noch flüssig, können uns jedoch trotzdem gut mit Teilen des ganzen Lifestyles und dieser gewissen Romantik der Heavys in der Zone identifizieren. Vor allem Randy, dessen Eltern fester Bestandteil der Dresdner Szene waren, hat einen sehr guten Draht zu eben dieser. Es ist auch immer interessant, von Leuten die alten Geschichten zu hören, in Büchern dazu zu lesen oder einfach nur die ganzen starken Platten aus dieser Zeit (PRINZIP, MCB, BIEST, FORMEL 1,...) zu hören. Ich denke, der DDR-Rockgedanke wird unterbewusst immer einen großen Teil von uns als Band formen, zumal diese Musik und vor allem das Auftreten damals um einiges umstrittener und gefährlicher war als heute. Sehr faszinierend und gleichzeitig prägend.

Doch während der Aktionsradius der DDR-Metalbands begrenzt war, spielen SINTAGE an den verschiedensten Orten Deutschlands und Europas. Welche Unterschiede hinsichtlich des Publikums gibt es, wenn ihr z. B. in Leipzig, Hamburg oder München spielt?

Julez: Oft ist es tatsächlich so, dass man, obwohl man in der gesamten Republik verstreut Gigs zockt, dieselben Gesichter von Rockern sieht, die einfach überall hinfahren (auch einen schöner Bezug zur Zone!). Ansonsten läuft es glücklicherweise immer gleich ab, wir haben ein Grinsen in der Gusche und geben rund 40 Minuten auf der Bühne alles was wir irgendwie hergeben können und das Publikum steht dem in nichts nach. Dieser Ausbruch aus dem normalen, fordernden Alltag, in der Musik aufzugehen, abgelenkt zu sein, die scheiß Faust in die Luft zu heben, Texte mitsingen (oder es zumindest zu versuchen, haha), das passiert eigentlich überall in gleichem Maß. Wir schätzen uns natürlich absolut glücklich, diese Zeit miterleben und den Leuten da draußen dieses Gefühl vermitteln zu können.

Um genau diese Dinge ging es natürlich auch den Fans in den 80er Jahren. Wenn ihr ein Billing für das Monsters of Rock in den 80er zusammenstellen könntet, welche fünf Bands hättet ihr gebucht?

Julez: Absolut schwierig! Wahrscheinlich wären bei mir AC/DC, IRON MAIDEN, BLACK SABBATH (Special Set mit Ozzy, Dio und Tony Martin!) HEAVY LOAD und DANZIG mit Samhain Special Set dabei.

Und vielleicht stehen SINTAG ja mal auf der Bühne, falls das Monsters of Rock neu aufgelegt wird. Welche Türen haben sich für SINTAGE nach der VÖ von „Unbound Triumph“ für die nächste Zeit bzw. das nächste Jahr geöffnet? Was ist in Planung?

Julez: Auf jeden Fall kamen überstarke Giganfragen für Festivals wie das KIT (Legions), Black Silesia in Polen, das Metaleros und das Hell over Hammaburg rein. Vorher war an diese Größenordnung noch nicht zu denken. Das macht uns natürlich stolz, da wir immer noch dieselben kaputten Rocker sind, die einfach nur eine geile Zeit haben wollen und die Musik spielen wollen, auf die wir Bock haben. Mit der Platte im Nacken planen wir derzeit auch die erste richtige Tour, mehr Infos dazu kommen bald!
Bis dahin: Veranstalter schreibt uns! Wir sind heiß und wollen überall zocken!
Sintage - Blood Upon The Stage (Official Visualizer)
Sintage - Unbound Triumph (2025)
 
Line Up
Randy – Vocals
Julez – Guitars
Chili – Guitars
Marcus – Bass
Andre – Drums
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