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Interviews

Interview mit Ralf Hauber von Heads For The Dead, Rotpit und Revel In Flesh


DEATH METAL ist für mich eine Spielform, bei welcher Echtheit eine große Rolle spielt.
Ralf Hauber - Heads For The Dead

Interview mit Ralf Hauber von Heads For The Dead, Rotpit und Revel In Flesh

Eines der Flaggschiffe des Horror-Death-Metal sind zweifellos HEADS FOR THE DEAD, die mit „Never Ending Nights Of Terror“ jüngst wieder ein gelungenes Werk abgeliefert haben. Sänger Ralf Hauber nahm sich die Zeit, um mit dem TWILIGHT MAGAZIN über das neue Album, Zukunftspläne, Künstliche Intelligenz, aber auch über seine anderen Bands, ROTPIT und die wiederauferstandenen REVEL IN FLESH, zu sprechen.

Erst einmal Glückwunsch zum aktuellen Album. Welche Reaktionen haben dich denn bisher besonders gefreut? Gab es auch überraschende oder ärgerliche Rückmeldungen?

Moin Thorsten und werte Twilight Magazin-Leserschaft. Es gab von der Presse für NEVER ENDING NIGHT OF TERROR fast durchweg positiven Zuspruch und auch einige Interviewanfragen. Mittlerweile ist der Release Markt nahezu in jedem Monat super am Limit und nach der Festival Saison feuern gefühlt alle Labels nochmals. So gesehen denke ich, dass wir in der Masse schon als eine Death Metal Platte mit Eigenständigkeit wahrgenommen wurden. Sehr positiv finde ich, dass das Album von vielen mehr als Horror Soundtrack und nicht als die nächste 08/15 Old School DM Platte bezeichnet wurde. Klar machen wir DEATH METAL, aber das gesamte Spektrum im HEADS FOR THE DEAD Soundgewand bietet mehr. Das Album ist in all seinen Richtungen extrem. Der visuelle Aspekt ist mir ebenfalls sehr wichtig und ich denke, dass wir mit Solo Macello (Pentagram, Zakk Sabbath etc.) auch einen Künstler mit dazugenommen haben, welcher im Death Metal nicht zu abgenutzt ist! Wir haben definitiv ein paar Stellrädchen gut justiert!
HFTD Cover

Jonny und du seid die beiden Pfeiler bei H.F.T.D. – Habt ihr euch denn mittlerweile auch mal persönlich getroffen oder kommuniziert ihr über Telefon und Internet?

Wir haben uns schon mehrmals persönlich getroffen. Zuletzt haben wir Ende Juli und Anfang August gemeinsam im schwedischen Sundsvall (Jonnys Heimat) für die Sommer Shows von ROTPIT geprobt. Man braucht heute den romantisierten Gedanken von einer Band, welche sich 1x wöchentlich zum Proben trifft, nicht mehr. Es gibt viele Möglichkeiten, zu kommunizieren und um zusammen an Musik zu schreiben. Die Technik macht es möglich! Wenn die Chemie und der Einsatz stimmen, dann spiegelt sich das auch im Output als geschlossenes Werk wider.

Beschreibe mal kurz deinen Einfluss auf das Songwriting von H.F.T.D.

Bei HEADS FOR THE DEAD geht es grob gesagt um das „Horror Worshipping“. Bei NEVER ENDING NIGHT OF TERROR gab mir Jonny die Filme vor, welche ihn zum jeweiligen Track im Songwriting Prozess inspiriert haben. Ich habe dann grob das Konzept des Filmes aufgegriffen, eigene Interpretationen gemacht und daraus sind dann die Lyrics entstanden. Ich baue mir dann entsprechend nach Bauchgefühl meine Gesangslinien zusammen. Wir „matchen“ im Prozess des Schreibens gut zusammen, d.h., ich kann in den Strukturen gut erkennen, was sich als Strophe etc. eignen könnte. Ich nehme beim Gesang dann entsprechend in Zusammenarbeit mit einem Studio meine Vocals auf. Im Vorfeld gleichen wir natürlich die Ideen ungefähr ab. Prinzipiell sieht es jedoch so aus, dass jeder die Arbeit des anderen wertschätzend behandelt. Der Gesang hilft schlussendlich auch viel dabei, ein Songgerüst zu verknüpfen, Atmosphäre aufzubauen etc. – sprich: ein entscheidender Baustein!

Ihr habt nun erstmals zwei Alben mit demselben Line-up eingespielt. Hat sich das irgendwie bei der Entstehung von „Never Ending Night…“ bemerkbar gemacht?

Ganz streng genommen hat Matt von SENTIENT HORROR sogar schon auf dem ersten HEADS FOR THE DEAD Album „Serpent’s Curse“ (2018) ein Gastsolo platziert. Seine Passagen für Solos/ Leads sind mit jeder Album Produktion gewachsen und schon seit „The great Conjuration“ (2022) ist sein Part enorm wichtig, um den Songs ein gewisses „Topping“ zu geben.
Weil es naheliegend war, haben wir für das neue Album Evan (auch SENTIENT HORROR) als Drummer eingeladen. Er hat quasi die Studio Drums anhand der Vorgaben von Jonny eingespielt. Jon Rudin hatte seine Drums auf einem E-Drum aufgenommen, während Evan ein Akustik Set aufgenommen hat. Klangtechnisch hat sich das beim Mix des Albums schon bemerkbar gemacht!

Wird es H.F.T.D. jemals auf der Bühne geben?

Ich mag den Gedanken, mit HEADS FOR THE DEAD eine Form von Death Metal zu machen, welche mehr soundtracktauglich ist, d. h. Mucke, welche man gerne auch mit Kopfhörern oder in entsprechender Stimmung abspielt. Es soll vom Erleben her mehr ein Horror Film als ein Konzert sein.
Die Live-Umsetzung würde viele Samples etc. erfordern und ich denke, dass wir aktuell als Studioband mehr Wirksamkeit erzielen können. Ich mag Livebands, welche Dynamik und Rock’n’Roll in der Performance haben – keine Klick-Drum-Geschichten. Momentan sehe ich HEADS FOR THE DEAD nicht auf der Bühne, aber gänzlich ausschließen würde ich es nicht!

Vor einem Jahr hast du bekanntgegeben, dass das Line-up von REVEL IN FLESH das „zwischenmenschliche und kreative Ende gefunden“ habe. Damals war nicht sicher, wie oder ob es mit der Band überhaupt weitergehen würde. Hat damals die Tatsache, dass du noch bei H.O.T.D. und ROTPIT aktiv bist, irgendeine Rolle gespielt?

Nope! Das hat andere Ursachen! Ich habe bei REVEL IN FLESH von Merchandise bis Management einen Löwenanteil der Background-Geschichten gestemmt. Im Prinzip wurde aufgrund von zwischenmenschlichen, kreativen, organisatorischen und geschäftlichen Unstimmigkeiten die GbR aufgelöst, welche mich mit den ehemaligen Gitarristen und dem Drummer verbunden hat. Die Namensrechte liegen bei mir und ich habe mich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen ein neues Kapitel aufzuschlagen. Es geht am Ende um Musik – Musik soll verbinden und nicht teilen! Nahezu in jedem Interview, bei jedem Konzertbesuch etc. werde ich zu dem Verbleib von REVEL IN FLESH befragt. In dem Sinne: Ich habe die Herausforderung angenommen und wir werden sehen, wo es hinführt!

Mittlerweile ist zu lesen, dass REVEL IN FLESH gerade elf neue Songs aufnehmen. Wie kam es nun doch so relativ schnell zu der Entscheidung, die Band fortzuführen?

Ich habe über 12 Jahre lang nahezu täglich in irgendeiner Form für den Namen REVEL IN FLESH gearbeitet. Hinter den Kulissen gehört zu einer Band so viel mehr als nur ein Gitarrenriff. Ich habe es als unheimliche Befreiung empfunden, endlich die Ausrichtung und das Songmaterial mit meiner Vision zu justieren. Ohne endlose Debatten und ohne eine Verwässerung der ursprünglichen Formel! Ich habe nach langer Zeit wieder selbst die Gitarre in die Hand genommen und Basics gemacht, aus welchen nach und nach in gutem Umfeld und in produktiver Zusammenarbeit mehr wurde. Es ging mir nie um das Profilieren mit Musikerkrempel, sondern alles, was ich mache, hat eine Art Bauchgefühl und die Denkweise eines Metal-Fans.
Der Spirit ist für mich gefühlt zurück und alles andere wird sich zeigen bzw. soll auch nicht erzwungen werden!
REVEL IN FLESH haben ein hart erarbeitetes Following und die Underground Metal Welt ist größer als die lokale Bubble! Ich habe die deutsche Szene seit Ende 2023 gut beobachtet und ich vermisse Bands, welche eine geschlossene Trademark von Musik, Gesang, Lyrics und dem Artwork Aspekt haben und eine in sich geschlossene Diskografie bieten. So let’s find out!

Und wer sind deine neuen Mitstreiter?

Das neue REVEL IN FLESH Line – Up wird im Laufe von 2026 bekannt gegeben. Aktuell denke ich, dass es in erster Linie um die Musik gehen muss und hierbei geht es mir vor allem darum, für die Supporter ein Album zu schaffen, welches die bisherige Diskografie würdig ergänzt!

Gemeinsam mit Jonny hast du auch noch die Band ROTPIT und ihr habt 2024 ein Album veröffentlicht. 2025 kam noch eine Split-Single. Für Außenstehende sind alle deine Bands erst einmal Death Metal. Wie würdest du denn die Unterschiede beschreiben?

Der Teufel liegt im Detail. Ganz einfach gehalten:
ROTPIT = It’s all about the ROT! Modriger Death Metal – roh, derb, direkt aus der Kanalisation. Da sind auch viele Doom-Elemente mit drin. Ebenso sind Style, Layout und Konzept mit anderen Künstlern ausgelegt als bei den anderen beiden Bands. In Sachen Vocals ist ROTPIT sehr tiefenlastig. Auch das Gitarren Tuning ist tiefer als bei HEADS oder REVEL.
HEADS FOR THE DEAD = Horror Metal of Death. Das Ganze hat mehr einen Movie Soundtrack Touch vermengt mit Death Metal Elementen. Das Spektrum ist größer und die Möglichkeiten für Experimente innerhalb des Rahmens sind gegeben. Die Vocals sind vielschichtiger als bei den anderen beiden Bands.
REVEL IN FLESH wurde als Old School Schweden Death Metal “Worshipping” Band gegründet und nach ein paar melodischeren Geschichten wird das neue Material auch wieder mehr Back to the Roots gehen. REVEL war schon immer über Catchiness definiert. Songs mit nachvollziehbaren Riffs, griffigen Chorus-Geschichten und auch die Artworks von Juanjo Castellano bilden eine Trademark. Die Vocals sind „klarer“ als bei ROTPIT. Thematisch geht es um die im Konzept geschaffene „Deathkult“ Geschichte.
Für mich haben also alle 3 Bands ihre Eigenheiten und Berechtigung!

Wirst du mit allen drei Bands aktiv bleiben? Oder besteht die Gefahr, dass du dich da irgendwann zu sehr verzettelst und übernimmst?

Ich kann mich persönlich gut planen und organisieren. Solange die Inspiration da ist und ich Leute an meiner Seite habe, welche mir helfen, das Rad zu drehen, sehe ich kein Problem darin. Das Eisen muss man schmieden, solange es heiß ist. Das Leben kann Dir schneller einen Strich durch die Rechnung machen, als dir lieb ist! Wir arbeiten mit guter Vorlaufzeit und oft erscheinen Releases, deren Entstehungsprozess bereits einige Monate zurückliegen. Wir haben für ROTPIT bereits im Sommer angefangen, neue Songs zu schreiben und sind bereits im Flow. Auch für HEADS FOR THE DEAD stehen erste neue Ideen bereits in den Kinderschuhen. Es ist auch so, dass nicht alle Bands gleichzeitig aktiv sind, so dass man sich quasi immer gezielt und dann aber auch intensiv mit einer Sache auseinandersetzen kann. Bisher habe ich mit jedem Release und mit jeder neuen Zusammenarbeit dazugelernt und eine Entwicklung für mich erkannt. Solange es zu keinem Stillstand kommt, mache ich mir keine Gedanken!

Du bist mit allen Bands bei Untergrund-Labels unter Vertrag, die auch alle vor allem auf Death Metal spezialisiert sind. Ist das eine bewusste Entscheidung oder würdest du auch zu einem größeren Label gehen, welches dann vielleicht auch die entsprechenden Booking-Kontakte mitbringt, um deine Bands z. B. auf die Festival-Bühnen zu bringen?

Meine Erfahrung ist, dass, egal ob Labels oder Leute aus dem Booking-Sektor, sobald Geld involviert ist, die Sache speziell wird. Gebrochene Verträge, lückenhafte Verkaufsabrechnungen, Zahlungsunfähigkeit, Mahnungen, nicht ausbezahlte Künstler, fragwürdige Geschäftstaktiken, Kandidaten, welche für ihre Prozente auf alles scheißen – man lernt mit jedem Jahr dazu.
Hinzu kommt in der Regel auch, dass man in den eigenen Reihen auch den einen oder anderen Rohrkrepierer mitziehen oder ertragen muss. All dies kostet Energie!
Ich will auch gar nicht wissen, wie es sich für Kandidaten anfühlt, welche sich professionell als Hauptbeschäftigung in dieser Branche halten wollen.
Mit meiner ersten Band haben wir 1999 die erste CD veröffentlicht und mittlerweile habe ich eine kleine Diskografie mit meinem Anteil darauf verbucht. Man muss das alles wirklich wollen und die Passion hierfür haben, ansonsten ist das alles eine unnötige Shit-Show.
Ich bin mit den aktuellen Geschäftspartnern sehr zufrieden. PULVERISED Records haben in der Vergangenheit Knaller Underground Werke geliefert. Sie haben einen Vertrieb in den USA, Europa und Ihren Sitz selbst in Asien. Das Setting ist gut und die Kommunikation ist gut.
WAR ANTHEM Records mit Ihrem Back Up aus CUDGEL-Vertrieb und Party.San-Festival haben in Europa eine tolle Credibility und entwickeln sich auch ständig weiter. Wir pflegen eine gute Kommunikation und ein freundschaftliches Geschäftsverhältnis.
Alle meine Bands sind im Underground verwurzelt und mir ist es wichtig, dass diese Musik die echten Genrefans erreicht und eben auch in den Formaten Vinyl, MC und CD existiert.
Ich sehe mich persönlich auch als METAL-Fan und nicht als Musiker!

Und abschließend: Spielt KI im Death Metal heutzutage eine Rolle? Oder wird sie zukünftig eine größere Rolle spielen? Wo würdest du da die Grenzen ziehen?

DEATH METAL ist für mich eine Spielform, bei welcher Echtheit eine große Rolle spielt. Das sollte im Prinzip für Musik/Kunst etc. generell gelten. Stilelemente, Bausteine und Herangehensweise sind jedoch immer in Bewegung. Beim Thema Coverartwork war und ist ja KI schon ein großer Streitpunkt. Streng genommen ist es allerdings so: Niemand kann Entwicklungen stoppen. Am Ende entscheiden die Fans und echte Genre-Fans wissen, was sie tolerieren und was nicht! Anfang der 2000er waren Photoshop-Artworks der große Renner, dann ging es wieder zu klassischen gezeichneten Artworks wie in den späten 80ern oder frühen 90ern. Da ist immer Bewegung im Spiel und die Geister werden sich scheiden. Persönlich ist es mir immer wichtig, dass Musik mit meiner Beteiligung auch immer meine Trademark hat. Alles andere soll der Hörer entscheiden!

Vielen Dank für das ausführliche Interview. Ich bin gespannt auf Neuigkeiten aus dem REVEL IN FLESH-Lager.

Danke Thorsten für Euren Support! Evil never dies, d. h. der Metal wird weiter fließen. Check die Bandcamp Seiten von HEADS FOR THE DEAD und ROTPIT für aktuellen Merchandise etc.! Cheerz!
HEADS FOR THE DEAD - To The Very Last
 
Line Up
Jonny Pettersson - Guitars, Bass, Keyboards, Effects
Ralf Hauber - Vocals, Lyrics
Matt Moliti - Guitars
Evan Daniele - Drums
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