Wer ALCEST live kennt, kennt auch das breite Spektrum, mit dem die Band immer wieder zu begeistern weiß. Besondere Überraschungen, wie das komplett gespielte „ecailles de lune“ auf dem Prophecy Fest untermauern die Brillianz der Band. Auf der einen Seite schaffen sie Post/Gaze Metal mit unheimlicher Tiefe und Atmophäre, um im nächsten Augenblick mit progressivem Black Metal um die Ecke zu kommen. Ein Spannungsfeld, indem sich das Duo austobt und immer wieder weiter entwickelt. Der Titeltrack „Kodama“ wurde bereits vorab vorgestellt. In meinen Augen aber lediglich ein kleiner Appetithappen. Ein 9-minütiger Epos und auch gleich der längste Titel des Albums. Von der Stimmung her bewegt sich Neige damit eher im Gaze. Man muss sich ganz klar auf den Sound einlassen können. Doch ist man einmal dazu bereit, ziehen einen ALCEST förmlich in Ihren Bann. Eine 9-minütige Brücke, die den Hörer immer tiefer in die ganz eigene kleine „Kodama“ Welt führt. „Eclosion“ knüpft perfekt an den Titeltrack an, vermischt im Verlauf jedoch auch härtere Klänge. Die Blackmetal Wurzel der Franzosen wird hier deutlich spürbar. Und auch Neige zeigt sich gesanglich in Höchstform. Es ist der musikalische Spagat, der das Album leben lässt und den Hörer umschlingt. Das Muster von ruhigen, flächigen Passagen gekontert von rauher, schneller Black Metal Manier zieht sich durch den gesamten Silberling.
ALCEST erfinden sich mit dem Album keineswegs neu. Aber das brauchen sie auch gar nicht. Mit „Kodama“ (tree spirit) gelingt Ihnen erneut ein hervorragendes Album. Allerdings ist es auchkeine leichte Kost. Man muss sich mit dem Silberling intensiv beschäftigen und mehrfach durchhören. Doch das ist den bestehenden Fans ja längst kein Geheimnis mehr. Die Franzosen haben jedenfalls alles richtig gemacht und liefern als Duo erneut ein einmaliges Werk ab.
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