Gestarted mit "Hallucinations" als klassische Death Metal-Band wurde man in den Neunzigern einer der Vorreiter in Sachen Metal und deutscher Sprache. Schon nach dem Zweitwerk "Todessehnsucht" sprengte man das stilistische Korsett erstmals und brach mit einem eigenwilligen Mix aus Death-/Thrash- und Hardcore integriert in ein mystisches Vampirkonzept, wie es der Black Metal seiner Zeit nicht besser hätte inszenieren können, in blutige Gefilde auf.
Hernach folgten Ausflüge in Ethno-, Folk- und Weltmusiksphären mit Yasmin Krull und mit DAS ICH experimentierte man zwischen Metal- und EBM-/Gothic Welten.
Aus diesen Erfahrungen resultierte schließlich ein klinischer und brettharter Metal-Bastard namens "Willenskraft" um der Szene schließlich Ende des Jahrtausends die Metal-Kompatibilität des Achtzigerjahre-Pops nahe zu bringen. Letzteres war genauso umstritten wie erfolgreich. Genauer gesagt, so erfolgreich, dass man den "Werk 80"-Jüngern eine Dekade später eine Fortsetzung bescherte. Und auch die Liaison mit Frau Krull erlebte eine vielbeachtete Neuauflage.
Dazwischen und danach widmeten sich ATROCITY bombastischen Gothic Metal mit ebenso opulenten Konzepten. Im letzten Jahr beschenkte man die Fans und sich selbst mit der umfassenden Live-/Doku-DVD "Die gottlosen Jahre" zum 25jährigen Bandjubileum.
Solche Experimentierfreude, der Erfolg sowie die Perfektion und mitunter auch die Divenhaftigkeit und der Pomp, mit dem man die eigene Musik mitunter zelebrierte und präsentierte ruft in der Regel neben zu Recht erhaltenem Ruhm, Respekt und Anerkennung grundsätzlich auch den Neid und die Misgunst selbsternannter konservativer Szenewächter auf den Plan.
Auch wenn das ATROCITY in ihrer Entwicklung nie wirklich gehemmt hat sollte man sich stets darüber im Klaren sein, dass die Ludwigsburger Formation Eigenschaften verkörpert, die den Auswürfen vieler junger Bands der Metal-Marketing-Maschinerie viel zu oft fehlen:
Eigensinn, Charakter, Ecken-, Kanten und Wiedererkennungwert.
"Okkult" ist nun der beachtliche Auftakt zu einer Album-Trilogie, mit der ATROCITY ihr Schaffen scheinbar krönen wollen. Es vereint die heftigen Death Metal-Wurzeln mit der Eigenwilligkeit von "Blut" und "Willenskraft", dem orchestralen Bombast der Gothic Metal-Phase, wobei die EBM- und Ethno-Experimente zwar nicht vordergründig herauszuhören sind, jedoch im vielfältigen Sound der Scheibe immer mitschwingen.
Und dabei klingen ATROCITY unerwartet frisch und vor allem wütend.