Callisto - Secret Youth
Die seit der Jahrtausendwende bestehende Band aus Finnland hat schon ein ordentliches Oeuvre vorzuweisen, das die interessierten Hörer entweder restlos begeistert oder nur müdes Gähnen hervorruft. Dazwischen scheint es nichts zu geben. Doch dadurch lässt man sich natürlich nicht entmutigen.
Im noch jungen Jahr 2015 erscheint nun der vierte Longplayer „Secret Youth“ und sie machen einiges richtig. Natürlich gibt es die Postcore-typischen Bestandteile und CULT OF LUNA trieft aus jeder Ecke. Aber zum einen lässt die Band sich nicht dazu hinreißen, unendlich lange Stücke zu schreiben und Atmosphäre nur um der Atmosphäre willen zu erzeugen (die hat man in zwei kurze Zwischenstücke namens „The Dead Layer“ und „Old Souls“ ausgelagert), zum anderen geht man doch um einiges erdiger zu Werke als die zahlreichen Genrekollegen. Das ganze Album klingt nicht klinisch, sondern durchaus handgemacht, manchmal sogar etwas dumpf.
Vor allem der Gesang von Jani hebt sich vom Post-Rock-Einerlei ab und klingt zurückhaltend und getragen, so ähnlich wie man es etwa auch bei ISOLE hört (etwa auf „Lost Prayer“). Andererseits gibt es auch ordentliche Growls, die gut mit der Musik harmonieren (perfekt zu hören auf „Backbone“). Manchmal wird es dann allerdings richtig „poppig“ und es gibt laid-back Post-Rock, der mit Metal nichts zu tun hat. Richtig heftig wird es dann noch mal mit „Ghost Written“, bevor ein sehr gutes „Dam’s Lair Road“ das Album abschließt. Dieser Song ist quasi die Quintessenz des Albums in einem Stück in dem man sowohl die ruhigen, atmosphärischen Parts als auch Gitarrenwände findet ohne zu sehr in eine der Richtungen auszuschlagen.
Insgesamt vermeiden es CALLISTO auf der Platte in die Extreme zu gehen. Würde man den Durchschnitt aller Postcore-Scheiben der letzten Jahre übereinander legen, käme CALLISTO dabei raus. Keine Experimente, aber auch keine negativen Schnitzer. Gut anzuhören, aber sicherlich kein stilprägender Klassiker.