Marduk - Frontschwein
Und um es vorweg zu nehmen, der Silberling schafft dies mit Bravur.
"Wartheland" wurde als erste Song losgelöst vom Album als Teaster präenstiert und zeigt auf perfekte Art, dass nicht immer die HighSpeed Keule ausgepackt werden muss. In einer nervenzerfetzenden Midtempo Manier fräst sich der Song 4Minuten 16Sekunden durch die Gehörgänge und Mortuus charakteristischer Gesang zermahlt dabei alles, was noch zuckt.
Auf dem Silberling eröffnet der Titeltrack "Frontschwein". Zu Anfang ruhig und bedächtig ist es wie ein heranrollen der Schweden: seichte Gitarren und ein zurückhaltendes Drum münden alsbald in eine breite Walze aus typischem Marduk Sound: einschneidende Gitarren des Mastermind Morgan kombiniert mit dem kompromisslosen Drum und der übermächtigen Mortuus Stimme.
Darauf folgt der wohl ungewöhnlichste Song: Mit "The Blond Beast" grooven die Schweden dermaßen fein, dass man sich schon wundert, ob es sich hierbei tatsächlich um Marduk handelt. Ich kann mir "The Blond Beast" sehr gut als Opener für Live Auftritte vorstellen, beim Rotieren wippt der Fuß schon fast automatisch mit. Ein hervorragendes Beispiel für den Facettenreichtum des Albums.
"Afrika" folgt auf dem Fuße und ist schon wieder deutlich schneller gestrickt, wobei vor allem das Drum wahnsinnig nach vorne prescht.
"Rope of Regret" eröffnet mit einem Kugelhagel. Kurz drauf stürmt die MARDUK-Maschinerie erbarmungslos nach vorne und lässt kein Grashalm mehr stehen. Eine würdige Fortsetzung der "Panzer Division Marduk" ist zu verspüren.
"Between The Wolf-Packs" ist ein weiterer Favorit für eine Liveshow. Mit jedem Hören gefällt dieser Track mehr und wechselt zwischen Mid Tempo und Blast Elementen fröhlich hin und her.
Mit "Nebelwerfer" schafft es ein zweiter deutscher Titel aufs Album und es gelint ähnlich wie bei "Wartheland" mit einem zersägenden Mid Tempo eine Spannung aufzubauen, die sich über 6 Minuten lang hält und wie eine Zeitlupe den Hörer durch den 'Schützengraben' schleift.
"Falaise: Cauldron of Blood" setzt dort nahtlos an, zeigt dann aber eine Reise von groovigen Elementen über Blast Parts bis hin zu melodischen Elementen.
Diesen Stilmix führen MARDUK eindrucksvoll in "Doomsday Elite" fort. Untergemischte Funksprüche verstärken die Wirkung. Der Track spielt mit den verschiedenen Elementen und walzt dabei unerbittlich über den Hörer her. Mit 8 Minuten 11Sekunden bildet er zugleich den längsten Track.
"503" bildet den Nachfolger von "502" aus dem "Panzer Division Marduk" und sägt sich abermals in Slowmotion in die Gehörgänge. Wie im Wahn zieht sich der Song 5 Minuten lang und zeigt abermals, dass es nicht immer die Tempo Keule sein muss, die einen Track großartig machen.
"Thousand-Fold Death" schließt das Album ab. Und das mit einem lauten Knall. Ich weiss nicht, welche Peitschenhiebe so schnell sien können, um die Schweden dermaßen nach vorne zu treiben. Aus allen Rohren wird geschossen, als ob es kein Morgen gäbe. In herrlicher eintracht verschmelzen die einzelnen Instrumente zu einer einzigen, brachialen Faust, die den Hörer auf den letzten Metern nochmal ordentlich umhaut.
Kurze Atempause, sacken lassen. MARDUK präsentieren mit "Frontschweine" einen würdigen Nachfolger in der langen Discografie. Es ist die Abwechslung und der Überraschungseffekt, die dieses Album nie langweilig erscheinen lassen. MARDUK entwickeln sich weiter, und bleiben sich dennoch treu. Tradition und dennoch Vielseitigkeit. Aggresiivität, Schnelligkeit, Präzision.
Black Metal auf ganz hohem Niveau: Kompromisslos und alles vernichtend, was sich ihm in den Weg stellt. Insgesamt kann ich das Album nicht nur jedem MARDUK Fanatiker empfehlen, sondern auch allen Black Metal Sympathisanten. Bands wie ENDSTILLE können sich an derlei Präzision gern noch ein Stück abgucken.