Danger Danger - Revolve
Mit dem 89iger Debüt und vor allem mit „Screw it!“ hatte die Band um Sänger Ted Poley unglaublich vorgelegt und nach dem Sängerwechsel konnten die Jungs nie wieder an diese Leistungen anschließen. Paul Lane ist zwar kein schlechter Sänger und hat auch durchaus gelungene Soloscheiben veröffentlicht, doch mit Danger Danger wollte es nie so wirklich zünden. Nachdem auch Ted Poley jüngst eine Soloscheibe vorgelegt hat und dort ziemlich weichgespülten, mehr oder weniger zwingenden Hardrock präsentiert hatte, war ich auf die neue Chemie der Band gespannt.
Der Titel des Album legt nahe, dass man sich „erneuern“ möchte, zurückkehren zu den Hardrockwurzeln der Anfangstage. Als „Revolve“ nun die ersten zwei, drei Male im Player rotierte machte sich zunächst Ernüchterung breit – der Hitcharakter von Songs wie „Bang Bang“, „Don’t Blame it on Love“ oder „Everybody Wants Some“ oder auch „Horny S.O.B.“ schien der Scheibe zu fehlen. Stattdessen bot sich lediglich gutklassiger Hardrock. Na ja, schließlich hab ich die Scheibe auf den Ipod gezogen und plötzlich ließen mich einige Songs, die der Zufallsmodus hervorzauberte, aufhorchen - ein Blick aufs Display: Danger Danger.
Und heute sitze ich hier und horche mit Begeisterung, was Danger Danger anno 2009 auf CD gebannt haben: das getragene und doch supereingängige „F.U.$“, das treibende „Keep on keepin’ on“, das kratzige „Ghost of Love“ oder der druckvolle Opener „That’s what I am talking about“. Ein Kollege der amerikanischen Presse beschreibt die neue Scheibe als Melange aus den schlüpfrigen Haarsprayrockern der späten 80igern und den deutlich gereiften Hardrockveteranen des Jahres 2009. Und mit dieser Beschreibung liegt er sicherlich nicht so weit daneben. Danger Danger klingen bodenständiger und erfahrenen, was stellenweise zu Lasten der unbekümmerten Leichtigkeit á la „Don’t Blame It On Love“ geht, und haben ihren Songs dafür deutlich mehr Tiefe verpasst, so dass sich einige Melodien eben erst nach mehrmaligem Genuss voll entfalten und dann aber auch richtig krachen. Insgesamt muss man wohl sagen, dass die Scheibe etwas melancholischer und langsamer geworden ist als die ersten Alben mit Poley am Mikro – hier dürften sich dafür aber die Freunde der Laine Era zuhause fühlen.
„Dirty Mind“ errinnert zwar mit dem Hauptriff sehr an Sinners „Knife in My Heart“, kann aber durch einen guten Refrain entschädigen, mit „Fugitive“ ist den Herren wieder mal eine Vorzeigeballade gelungen, die ans Hardrockherz geht. Die Powerballade „Killin Love“ und die Mittemponummer „Beautiful Regret“ sind schließlich genau der passende Soundtrack für einen Frühherbsttag an dem die dicken Tropfen an die Scheibe klopfen und man die Welt am besten einfach mal an sich vorüberziehen lässt.