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Darkseed - Poison awaits

VÖ: 15. Juli 2010   •   Label:  Massacre Records
15. Juli 2010

Für "Poison awaits" wurde der ehemalige Drummer und Gründungsmitglied Nr 2, Harald Winkler, reaktiviert, diesmal allerding für den Einsatz hinterm Mikro. Die sich zweifellos aufdrängende Frage, ob sich der Level des überragenden 2005er Albums Ultimate Darkness, zumal nach einem solchen Umbruch, erneut erreichen werden kann, lässt sich recht klar beantworten: nein - und die Tatsache, es erst gar nicht versucht zu haben, zeichnet die Band und damit "Poison awaits" in höchstem Maße aus. Statt sich vergeblich zu bemühen, ein absolutes Ausnahmealbum zu toppen, machte man sich auf die Suche nach neuen Pfaden, ohne dabei zu verleugnen, wo die Reise ihren Ursprung nahm. Dennoch: für langjährige Fans der Jungs ist es natürlich von Belang, wie sich die Scheibe im Vergleich zur selbstverfassten Referenz schlägt. Auf "Poison awaits", soviel sei bereits zur Beruhigung gesagt, finden sich viele Elemente, welche die Releases der Truppe in der Vergangenheit auszeichneten: eingängige, oft synthlastige Melodien zwischen Melancholie und Aggresivität, variantenreiche Vocals vom sonoren Spechgesang über gedoppelte Clean Vocals bis zu Growls, virtuose, nach und nach zusammenlaufende Gitarren- und Keyboardsoli (Anspieltipp: Track 2, "Incinerate"!), abwechslungsreiches Riffing, überraschende Breaks. Im Gegensatz zu "Ultimate Darkness" allerdings nicht virtuos komprimiert in einzelnen Titeln, sondern gut verteilt über das gesamte Album. Die Folge: dem Resultat fehlt ein Teil der Komplexität des Vorgängers. Wenn man allerdings den von Massacre Records angekündigten Promotionfeldzug mit einbezieht, darf man zu dem Schluss kommen, dass dahinter Methode steckt. Die Reise geht in Richtung Mainstream, weg aus der Undergroundecke. Das bedeutet auch: weniger Aggresivität (sowas mag die moderne Kuschelgesellschaft nicht), mehr düstere Romantik (immerhin eine Kernkompetenz der Jungs). Allgemein drängt sich oft das Gefühl auf, "das doch irgendwoher zu kennen". Das Besondere: man braucht teilweise verdammt lange und einige aufeinanderfolgende Durchläufe, um darauf zu kommen, woher. "Poison awaits" lässt sich vage beschreiben als einer Mischung aus CENTURY (dem softigen Sideproject von CREMATORY), PARADISE LOST zu "One second"-Zeiten, den elektronischen Spielereien der Marke THE ERTERNAL AFFLICT und einem Schuss PAIN. Vage deshalb, weil durch die Bank weg das Kreativ-Eigenständige überwiegt. Ob die Scheibe alte Fans vollends begeistern kann, lässt sich schwer abschätzen; ein wenig Toleranz der Hörerschaft vorrausgesetzt, stehen die Chancen nicht schlecht. Die Zielgruppe dürfte ohnehin eine andere sein: jüngere Semester, denen The Rasmus und HIM mittlerweile zu soft, Rammstein zu krank und zu deutsch (die deutschsprachigen - und genialen! - Einschübe fallen leider komplett weg) sowie Paradise Lost zu alt sind und die mit "dem komischen Geschrei" von Sonic Syndicate and the like (noch) nichts anfangen können. Insoweit könnten DARKSEED durchaus eine Nische zwischen Radiokompatibilität, Anspruch und Härte besetzen, die in dieser Form bisher nur spärlich ausgefüllt worden ist. Vielleicht kann sich ja Fronter Harald, der bereits als Gymnasiallehrer für die musikalische Bildung der Jugend Sorge trug, schon bald im Radioprogramm als "Musiklehrer der Nation" beweisen - gutes Gelingen!

(Kurzfassung: "Poison awaits" bietet eingängige Melodien, stellenweise kreatives Songwriting und viel dunkle Melancholie, darf aber aufgrund geänderter Stoßrichtung nicht am Vorgänger gemessen werden.)

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