Dissecdead – Swamp of Suffering
Ich habe mich mal ein wenig im elektronischen Blätterwald umgesehen und festgestellt, dass die Reaktionen auf den dritten Release der Berliner Todesfabrik nicht unterschiedlicher hätten ausfallen können. Während Rudi von Hotel666 dem Trio nicht nur „spielerisches Können“ sondern auch „Spielfreude, Ideenreichtum und absoluten Hingabe“ attestiert und vor Glück sein ganzes Review mit Smiles ausstattet, scheint Metal.de Fabian kurz vor dem musikalischen Dornröschenschlaf gestanden zu haben. Dies führte dazu, dass er DISSECDEAD quasi also Kopie der Kopie von Bands wie ENTOMBED, GRAVE & Co einsortiert und die Existenzberechtigung in Frage stellt. Tatsächlich hat er natürlich Recht, dass hier täglich etwa 20 neue Death/Death-Black/Death-Thrash Metal Alben auf den Tisch flattern. Obwohl der kreative Kreis mittlerweile bis nach Asien, in die arabischen Länder und Südamerika reicht, handelt es sich doch bei vielen dieser Veröffentlichungen bestenfalls um Demostandard, also um Bands, die man sich im kleinen Club der Heimatstadt ruhig mal anschauen würde. Mehr aber auch nicht.
DISSECDEAD legen da schon mehr Wert auf Qualität und Details. Angefangen beim Bandnamen, über die Songtitel bis hin zum Coverartwork passt hier alles zusammen. Und, da hat Fabian von Metal.de Recht, man weiß bereits was einen erwartet wenn man die CD in den Händen hält. Allerdings haben die drei Herren aus Berlin auch in Sachen Songwriting und Sound ganze Arbeit geleistet und Songs wie „Mutant Terror“ oder vor allem „Zombie“ können durchaus gefallen. Knarzige Gitarrensounds der Marke DISMEMBER und REVEL IN FLESH dröhnen durch die Boxen und Marco kann sowohl abgrundtief grunzen als auch fies keifen, wobei mir das Gegrunze grundsätzlich besser gefällt. DISSECDEAD achten darauf nicht nur in stupides Geknüppele zu verfallen und variieren das Tempo, bauen akustische und melodische Parts, ja sogar weiblichen Gasthintergrundgesang in ihre Songs ein. Einem Song wie „Tears OF Darkness“ bloße Abkupferei vorzuwerfen wird den Songwritingqualitäten der Band jedenfalls nicht gerecht, denn hier wird eine coole böse Atmosphäre erzeugt und mit brutaler Härte verbunden. Für mich, neben „Zombie“ und „Massacre Mankind“, der stärkste Song der Scheibe.
DISSECDEAD werden natürlich auch mit „Swamp of Suffering“ keinen Originalitätspreis gewinnen und sie kommen über die Gesamtspielzeit auch nicht an die Qualität von REVEL IN FLESH, DISMEMBER & Co heran. Dennoch ist das in Heimarbeit aufgenommene neue Werk der Berliner für Freunde des traditionellen schwedischen Death Metal durchaus empfehlenswert. Für meine Begriffe haben die Jungs bisher alles richtig gemacht und offensichtlich einfach die Scheibe aufgenommen, auf die sie selber Bock hatten. Das sollte doch bereits Rechtfertigung genug für ein weiteres, vermeindlich überflüssiges, Death Metal Album sein.