So geschehen mit Juho Kauppinen, seines Zeichens Akkordeon-Hengst bei Korpiklaani und nun Sänger und Gitarrist seines eigenen Ladens – Falchion. Und die starten mit „Legacy of Heathens“ vielleicht sogar in eine ebenso glorreiche Zukunft. „Folk/Viking Metal“ heißt die Marschrichtung. Wer nun allerdings viel Gefiedel auf Geigen, Hörnern, Keyboards und weiß der Waldschrat was noch erwartet, hat in der finnischen Tundra die falsche Abzweigung genommen. Denn bei Falchion geht es, was das betrifft, um einiges rustikaler zu: Mit einer Lead- und einer Rhytmusgitarre, Bass und Schlagzeug sieht man sich ausreichend ausgerüstet, und überlässt es den Texten, nordisch-mythologisches Folk-Flair aufkommen zu lassen.
Das einzige, was sie beim einigermaßen des Englischen mächtigen Leser hinterlassen, ist jedoch blankes Entsetzen. So, wie da die englische Grammatik vergewaltigt wird, wundert es kaum, dass die Normannen einst England erstürmen konnten. Das tut ja weh! Setzen! Sechs! Zurück in die (Baum-)Schule! Nicht nur für die Band eine Blamage erster Ordnung, sondern vor allem für’s Label, das sich offensichtlich einen feuchten Kehricht um ein vernünftiges Co-Lektorat geschert hat. So machen nicht nur die Fehler, sondern auch die Ausdrucksweise die Ideen zunichte, die wohl ursprünglich einmal hinter den Texten standen. Die Versuche, hier neues „Heldensagen und Legenden“-Flair aufkommen zu lassen, fallen dadurch bestenfalls kindlich aus.
Ein Glück, dass man von alledem während des Hörens wenig bis nichts versteht – dafür sorgt Kauppinens raue Stimme, welche sich in acht der neun Kompositionen durch recht passable Black Metal Vocals hervortut (allerdings ohne Gekreische). Fans von einschlägigen Viking-Bands à la Ensiferum dürfen sich hier auf ähnlich schicke Gitarrenarbeit freuen: Falchion warten mit anspruchsvollen, teils hymnischen, meist stolz voranschreitenden und fast durchweg im Midtempo-Bereich befindlichen Battlesongs auf. Dann und wann gesellen sich kurze Akustik-Parts hinzu, ansonsten wird auf angenehm technisch hohem Niveau gerödelt, und für alles entschädigt, was man noch im Booklet versaut hatte. Musikalisch eine wirklich tolle Platte, die viel Potential hat! Nur die Texte muss man sich wegdenken...
Der Musik wegen noch 11 Punkte.