Finsterforst - Mach Dich Frei
Zugegeben, die Eckpunkte klingen jetzt ein wenig eigen. Aber ich glaube ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass niemand ein Problem mit deren Nachvollziehbarkeit haben wird, der dem jüngsten FINSTERFORST-Langspieler „Mach Dich Frei“ einen Durchlauf gewährt.
Um mal Butter bei die Fische zu geben: Langspieler passt sogar ganz gut, denn man lässt sich Zeit. Von acht Stücken liegen ganze Fünf jenseits der Sieben-Minuten-Marke, darunter jeweils ein Vierzehn- und ein Vierundzwanzigminüter. Respektabel, würde ich sagen. Aber wer eine Stimmung kreieren möchte muss sich halt diesen Luxus leisten und eben das zahlt sich in diesem Fall aus.
Der Opener „Abfahrt“ lässt in den ersten Sekunden eine kurze Assoziation mit Darkthrones „Kathaarian Life Code“ in mir aufblitzen. Doch bereits wenige Sekunden später geben dezent auftspielende Flöten und düstere Ambient-Sounds den Weg frei für „Schicksals End‘“. Hier zeigen FINSTERFORST in einem ersten fünfzehnmiütigen Abriss was die Scheibe an Facettenreichtum zu bieten hat und im Grunde hat sich (mit Ausnahme des zu Anfang an gepriesenen Refrains) nach diesem Track bereits jeder in der Einleitung erwähnte Punkt bewahrheitet.
Im Anschluss daran ist es „Zeit für Hass“. Ein grandioser Name für einen Song, wie ich finde. Und passend dazu spannen FINSTEFORST hier zum ersten Mal auf dem Album den Bogen zu rasenden Blastbeats um dann allerdings wenig später bereits wieder in Wechseln aus Akkordeon-Passagen und brachialen Blechbläsern zu enden.
Gefolgt wird der Song von einem weiteren Instrumentalzwischenspiel. „Im Auge des Sturms“ bereitet mit allerlei mystischen Flächen und Zupf- und Piano-Klängen den Weg für „Mach Dich Frei!“ und hier passiert es dann: FINSTERFORST streuen einen Refrain ein, der auf diese Weise auch in einem Shanty hätte verbraten werden können. Vermutlich ist es neben der verhältnismäßig kurzen Spielzeit von nur (!) sieben Minuten auch dem Mitsingcharakter der besagten Liedstellen geschuldet, dass man hierzu ein Video gedreht hat.
Mit „Mann gegen Mensch“ gibt es dann zumindest für die Hälfte des Songs nochmal einen ordentlichen Hassklotz vor die Füße geworfen, bevor man dann allerdings wieder begleitet von allerleih Flöten ins Ruhige abrutscht und sich in Folge dessen mit dem Instrumental „Reise zum…“ dem „Finsterforst“ nähert. Hier ziehen die Förster nochmals alle Register und verabschieden sich mit über 23 Minuten, bestehend aus der gesamten Produktpalette aus dicken Drums, epischen Clean-Gesängen, Uptempo-Passagen, Akkordeon-Intermezzos, wuchtigen Bläsern, Streichern, singenden Gitarrensoli und Chören.
Textlich und musikalisch erfinden die Herren aus dem Schwarzwald zwar das Rad nicht neu, inszenieren ihre Sache jedoch gut. Die Analogie der Namen „Finsterforst“ und „Schwarzwald“ gefällt mir. Die Idee mit Akkordeon und auch den üppigen Blasinstrumenten Sounds mit Metal zu vermischen, die in der dortigen Volksmusik ebenfalls vertreten sind, verschafft der Musik in meinen Augen zusätzlich einen regionalen Bezug. Darüber hinaus ist die gesamte Produktion treffenderweise sehr sphärisch gehalten und regt dadurch das ein oder andere Mal zum gedanklichen Abdriften an.