Gojira - Magma
Aber zum einen gilt hier der gleiche Grundsatz wie zum Beispiel beim Waschmittel, dass es nämlich auf die Konzentration und Wirkungskraft ankommt, zum anderen ist dieses Album auch äußerst düster, was auch der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass während der Aufnahmen die Mutter von Joe und Mario Duplantier gestorben ist und die Verarbeitung dieses Verlustes natürlich auch Eingang in die Songs gefunden hat.
Gleich der Opener 'The Shooting Star' macht deutlich, dass man hier keine Freudeshymnen zu erwarten hat, denn schwermütige, eintönige Riffs peitschen den Sound trotz hintergründiger requiemartiger Elemente vor sich her, 'Silvera' nimmt dann einiges an Tempo auf und brilliert durch seine grimmige Groovigkeit und seine zornige angepisste Attitüde sowie seine hammermäßigen Soli. Ähnliches gilt auch für 'The Cell', auch wenn bei diesem Song größeres Augenmerk auf einen hymnischen Refrain und das Drumming gelegt wird.
Programmatisch kommt zudem die Groove-Hymne 'Stranded' daher, die schon ein merklich wahrnehmbareres Mehr an Optimismus zu verbreiten vermag, aber auch den Hang zum ausgeklügelten Songwriting dokumentiert. Kein Wunder, schließlich machen die Jungs Extreme Metal. Aber damit fangen für mich die Probleme mit diesem Album an. Denn nach der Verschnaufspause durch den nicht minder düsteren, aber um einiges entschleunigteren instrumentalen Song 'Yellow Stone' übernimmt eine zu verkopfte, zu experimentelle, zu sphärisch und zu psychedelische Spielart der Düsternis und des Leidens das Regiment, mit der ich nur begrenzt etwas anfangen kann.
Das beginnt schon mit dem Titeltrack 'Magma' und setzt sich bis 'Low Lands' fort, obwohl Songs wie 'Pray' oder 'Only Pain' aufgrund ihrer phasenweisen riffigen Brutalität und ihrer angepissten Aggressivität auch überaus hörbare Passagen haben. Der Rausschmeißer ist dann akustisches Gitarrengedengel mit Percussionbegleitung, der mit Sicherheit für Anhänger einer schamanischen Naturreligion zu den besten Songs des Albums gehören dürfte.
Fazit: "Magma" ist mit Sicherheit kein schlechtes Album und Fans des düsteren Extreme-Metal können ungehört zugreifen. Zudem wäre es ungerecht zu unterschlagen, dass das Album sehr stark beginnt und mit 'Silvera', 'The Cell' und 'Stranded' auch drei richtige Kracher beinhaltet und unbezweifelbare Stärken im groovien und riffigen Bereich hat, aber vor allem in den extrem-metallischen Passagen ist mir das Album zu verkopft und mir gefällt die chorale, psychedelische und mitunter kakophone Klangfarbe der Düsternis überhaupt nicht.