Nachdem Jack Russell in den letzten Jahren bereits durch eine Reihe hochkarätiger Sänger vertreten wurde (u.a. Jani Lane, Paul Shortino), scheint der ehemalige XYZ Shouter Terry Ilous nun festes Bestandteil der Blueshardrocker geworden zu sein. Russell hat kurzerhand seine eigenen GREAT WHITE ins Leben gerufen und mittlerweile streiten sich die Gerichte darüber, wer nun welchen Namen benutzen darf und wer in welcher Band spielen darf. Davon unbeeindruckt liefert Ilous auf diesem Livemitschnitt eine überzeugende Leistung ab. Nun tönt es aus dem elektronischen Blätterwald, dass die Produktion zu dünn, die Fans zu leise, die Playlist nicht traditionell genug sei. Alles Quatsch, finde ich. Na klar, die Produktion ist kein Highend-Tropensturm, aber die raue, ursprüngliche Atmosphäre passt gut zum rauchigen Barrock der Haie – während Bands wie WARRANT, BON JOVI oder SKID ROW seit jeher Stadionbands waren, schwingt doch bei GREAT WHITE stets eine Portion Eckkneipe mit.
Neben Hits wie „Desert Moon“, dem geilen „Lady Red Light“ oder „Rock Me“ gibt es natürlich auch Ausflüge in die Gegenwart (z.B. „Back tot he Rhythm“), die sich aber gut ins Geburtstagspaket einfügen. Vom aktuellen Album „Elation“ hat es an diesem Abend allerdings kein Song auf die Bühne geschafft. Und wenn wir dann nun doch schon bei der Songauswahl sind: Natürlich hätte ich mir mehr als zwei Songs vom genialen „Hooked“ Album gewünscht – zumindest noch „Call it Rock’n’Roll“, zumal „Can’t Shake It“ durch endlose gejamme etwas kaputtgespielt wird.
Unterm Strich finde ich jedoch, dass GREAT WHITE zum 30. Wiegenfeste ein durchaus annehmbares Livepaket geschnürt haben, welches vor allem die Vorbehalte gegen den neuen Mann am Mikro ausräumen sollte.