I AM HERESY wurden im Jahre 2011 als Nebenprojekt von BOY-SETS-FIRE-Frontmann Nathan Grey ins Leben gerufen, um sich seiner Leidenschaft nach krachiger Düsternis tabulos hinzugeben. Schon 2012 erschien der erste selbstbetitelte Longplayer, der einiges Aufsehen erregen konnte. Denn das Besondere des Sounds rührt von den drei Gitarren her, die für eine ungemein dichte und intensive Atmosphäre sorgen können. Die Verarbeitung verschiedenster Genre-Einflüsse sorgt zudem für variable Abwechslung, die allerdings zum Ende des Albums etwas nachlässt. Eine große Gefahr, wenn man aus dem Hardcore-Bereich kommt.
Und so beginnen sich I AM HERESY so langsam von der "Mutterband" zu emanzipieren. Man höre nur 'Year Zero In The Temple Of Fire', das sehr düster melancholisch daherkommt, oder 'Destruction Anthems', das heftig hardcore-hymnisch zu überzeugen weiß. Die sechs Mannen verstehen es, aggressive Riffs mit leadgitarriger Melodik zu kreuzen, wie der zweite titelgebende Track bestens unter Beweis stellen kann. Eine wahre Hymne, die unter die Haut geht und für die vor allem auch punkige Einflüsse verantwortlich sind.
Inhaltlich wird in moderner Form der gute alte Karl Marx aufgewärmt, der schon im 19. Jahrhundert sagte, das Religionen Opium für das Volk seien. Und so handelt auch dieser Longplayer von dem instrumentalisierten Konstrukt von "Gut und Böse", das von den Mächtigen und Herrschenden für ihren Machterhalt und für ihre Herrschaft missbraucht wird. Sehr sozialkritisch. Besonders augenfällig in 'As We Break', Punkrock in Reinform. IGNITE und RISE AGAINST lassen grüßen.
Von dem eigentlichen Ziel der Bandgründung, nämlich der krachigen Härte zu frönen, scheint man insgesamt etwas abgekommen zu sein, auch wenn immer wieder auch überaus harte Partien oder Songs zu bestaunen sind (z.B. 'Seven Wolves And The Daughter Of Apocalypse', 'Devour').
Fazit: I AM HERESY legen mit "Thy Will" ein erfrischend punkiges Hardcore-Album vor, das entgegen dem eigentlichen Vorhaben des Bandgründers nicht so sehr durch seinen düsteren Krach, sondern durch seine punkige Melodik zu bestechen weiß.