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Ill Niño - Dead New World

VÖ: 14. November 2010   •   Label:  AFM

Die Vorgängerveröffentlichung „Enigma“ spräche für ersteres, wurden jener weitestgehend im besten Falle nur gemischte Kritiken zuteil.
Mit ausgedehnten Metalcoreanleihen und viel Weltschmerz eröffnet „God Is For The Dead“ diese Scheibe in nur knapp drei Minuten, um dann endlich mit viel Bongo und Timbalis drums ordentlich Dampf zu geben. Im nächsten Refrain wird man allerdings schon wieder aller lateinamerikanischen Euphorie zum trotze ausgebremst. Zynisch ließe sich jetzt konstatieren, dass As I lay Dying oder Trivium in geistiger Umnachtung einen ganzes Percussion-geschäft leergekauft hätten, nur um dann ihre B-Seiten damit neu aufzunehmen. Immer wieder finden sich gute Ideen und dufte Riffs, wie anfangs in „Mi Revolucion“ oder „The Art Of War“. Bemerkenswert ist aber mit welcher Konsequenz das Arrangement durch wirklich nervende prototypische Dschungeltrommeln, diese ausbaufähigen Riffs zu Nichte machen. Einige romantisch anmutende spanische Akustikgitarren unterstützen das lateinamerikanische Feeling, das die fünf, wohlgemerkt US-Amerikaner aus New-Jersey, fast schon zwanghaft versuchen heraufzubeschwören. Die ewigen Downbeats und cleanen Gesänge tun ihr übriges, um den Fluss der treibenden Riffs zu zerstören.
Das konzeptionell völlig deplatzierte Cover „Bullet With Butterfly Wings“ , im Original von den Smashing Pumpkins, als vorletzter Track entpuppt sich als fast das beste auf der CD, abgesehen von dem Urwaldgetrommel im Hintergrund. Ohrwurmcharakter beweisen gleich mehrere Songs, doch da diese ziemlich poppig abgemischt sind, cleane chorische Gesänge sehr weit in den Vordergrund gerückt und untermalt von glatten Rockgitarren, lässt sich die vornehmliche Zielgruppe für diese Musik zwischen 12 und 17 verordnen. Vom Nu-Metal scheint man sich endgültig verabschiedet zu haben, denn diese Songs haben noch wenig gemein mit den gefeierten Debuttracks wie „How Can I Live“ oder „What Comes Around“. Der eine oder andere mag froh darüber zu sein, doch einer neuen Metalcoredudelgruppe bedarf es wahrhaftig ebenfals nicht.
Alles in allem kann man getrost feststellen, dass dieses Jahr bei weitem schon schlimmeres auf den Markt geworfen wurde. Ich würde „Dead New World“ eher meiner kleinen Schwester als Einstiegsdroge verabreichen, zu mehr reicht es dann doch nicht! Der Albumtitel ist übrigens eine Anlehnung an Shakepeares The Tempest : „O brave new world, that has such people in't!“ Mit allein negativumgedreht klischeehaften Anspielungen auf Weltliteratur hat noch niemand ein gutes Metalalbum gemacht. Technisch gut ausgeführt, aber den Produzenten sollte man mal wechseln.

Linus-Henry Meyer

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