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In Flames - Siren Charms

VÖ: 04. September 2014   •   Label:  Sony Music Entertainment
29. August 2014

Jetzt kommen die Metalheads der alten (Göteborger) Schule und werden sagen, dass sie natürlich schon lange nicht mehr in diese Kategorie gehören und das der ach so verschrieene Sell Out mit den vorangegangen Alben längste besiegelt war. Allerdings muss man hier ganz klar gegenhalten, denn IN FLAMES waren schon immer gut darin den musikalischen Fortschritt sehr gekonnt voranzutreiben, ohne die eigene Handschrift zu verlieren. Ja, auch auf „Sounds Of A Playground Fading“ konnte man IN FLAMES wunderbar heraushören. Jetzt geht es allerdings um „Siren Charms“ und das zweite Album ohne Jesper Strömblad an der Gitarre. Aufgenommen wurde die Scheibe in den Hansa Studios in Berlin, einem in der Musikgeschichte nicht unbekannten Studio, hat es doch schon Bands wie R.E.M., U2 und DAVID BOWIE beheimatet. Wenn man die Berichterstattung aufmerksam verfolgt, wird einem auch nicht entgangen sein das der Wunsch in dieses Studio auszuweichen auf die Kappe von Frontmann Anders Fridén. Gebracht hat es leider nur den oft erlebten Höhenflug mit vielen Experimenten und einem unzugänglichen Gesamtkonzept. Zwar sind hin und wieder auch mal ein paar knackigere Gitarrenriffs zu vernehmen („In Plain View“, „Everything's Gone“) aber der allgegenwärtige, cleane Gesang von Anders macht es mit seiner sehr melodramatischen Art schwer die richtung des Albums zu bestimmen. Titel wie „Through Oblivion“, „With Eyes Wide Open“ und „Siren Charms“ liegen hier ganz weit vorne, wenn es um Dramatik in der Stimme geht. Und wenn man Gitarrist Björn Gelotte glaubt, ist es der Band nur all zu recht, wenn sie neue Zuhörer in unbekannten Gefilden, abseits des Metals, generieren können. Dies beschreibt er im Interview mit einem bekannten, großen Metal Magazin, während er mit seinem Bandkollegen Niclas Engelin über den Entstehungsprozess des Albums redet. Weiterhin gibt er Preis, dass der Wechsel zu Sony Music Entertainment ebenfalls seinen Teil zum neuen Klang beigetragen hat, da das neue Label sehr experimentierfreudig sei. Trifft sich gut, denn mit „When The World Explodes“ ist der größte Krampf nun endlich gekommen. Der durchaus gekonnte Start mit zwar IN FLAMES untypischen Riffs geht irgendwann über in den Gesang einer Jungen Frau, Emilia Feldt. Emilia ist Opernsängerin, wie man ihrer Homepage entnehmen kann und verleiht dem Song ein völlig unerwartete Richtung. Im Hintergrund läuft dann noch ein weiterer Synthie, wie aus dem Ende eines alten GameBoy Spiels und Anders stimmt mit ruhiger Stimme ein. Was haben sich die Jungs dabei nur gedacht? Ja, es muss kein weiteres Colony geben. Nein, wir brauchen kein zweites „Whoracle“ oder „Clayman“. Es darf ja auch gerne experimentiert werden, dagegen hat niemand etwas einzuwenden, solange es nicht zum eigenen Egoritt durch die Musikwelt wird. Aber was hier entstanden ist, geht leider nicht ins Gehör. Nachdem sich die Verwirrung ob des gerade Gehörten wieder gelegt hat, ertönt die erste Single, „Rusted Nail“. Hier handelt es sich um einen modernen IN FLAMES Song mit frischem Wind und einer trotzdem wiedererkennbaren Handschrift. „Dead Eyes“ und „Monsters In The Ballroom“ schließen sich hier an, werden aber auch immer wieder vom cleanen Gesang Anders übertönt und verlieren daher an Charme und Spritzigkeit. „Filtered Truth“, der letzte Song des Albums, ist dann der Abschluss einer unverständlichen Odyssee und hat auch keine besondere Erwähnung verdient.

Ist Siren Charms jetzt also ein wirklich richtig schlechtes Album? Nein, handwerklich steht es gut da. Ordentlich aufgenommen und gut vertont, hat es schon mal einige Mitbewerber ausgeschaltet. Allerdings sind es die Neuerungen, die schwer im Magen liegen. Viele Synthesizer, depressiver Gesang und ungewohnte Songstrukturen passen nicht zusammen und ergeben ein wirres Gesamtbild. Einzelne Segmente sind durchaus hörbar und könnten Lust auf mehr machen, wäre da nicht im nächsten Moment das Unbekannte. Schuster, bleib bei deinem Leisten!

 

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