Kellner - Kinda Wild
Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: als Matthias Kellner im Vorprogramm von Fiddler’s Green die Bühne des hannoverschen Musikzentrum betrat und mehr oder weniger nur mit einer Akustikklampfe und seinem riesigen menschlichen Resonanzkörper die Songs seines Debüts „This Ocean Life“ dargeboten hat, zog es mir förmlich die Schuhe aus. Diese Stimme, diese Emotionen und diese Eingängigkeit waren einfach unglaublich. Nur ein Jahr später erschien mit „Hey Dude“ das Zweitwerk und mit „iSong“ präsentierte man sich deutlich rockiger und wuchtiger, aber dennoch wusste man zu gefallen.
Voller Vorfreude wartete ich dann also auf „The Road Sessions“, welches 2011 in die Läden kam. Kurz gesagt, die Scheibe war so enttäuschend, dass sie es nicht einmal in unsere Reviewabteilung geschafft hat. Ich habe die Scheibe lieber weit hinter dem Debüt in meinem CD Regal verschwinden lassen. Als nun das Erscheinen des vierten Albums angekündigt wurde, schaute ich dem Ganzen mit gemischten Gefühlen entgegen. So richtig glaubte ich nicht daran, dass man sich wieder zur Qualität des Debüts steigern könnte. „Kinda Wild“ ist optisch schlicht gehalten, was ja grundsätzlich erstmal ein gutes Zeichen sein könnte, denn Kellner stand ja eben nie für Hochglanzrock, sondern für stimmigen Singer-Songwriter Sound mit echten Emotionen. Nun läuft das Album seit einigen Wochen bei mir immer wieder im Player, wird wieder zur Seite gelegt, bekommt die nächste Chance, fliegt wieder raus – ihr merkt schon, so richtig werde ich nicht warm. Was soll ich da nun schreiben?
Von der Gänsehaut des ersten Albums ist bei mir nicht mehr viel geblieben. Der kalkuliert klingende, leicht amerikanisch angehauchte Akustikrock kann einfach nicht an die schlichte Emotionalität der Frühphase anknüpfen. Selbst Kellners Stimme lässt die grandiose Ausdruckskraft der ersten Alben vermissen. Stattdessen plätschern die Songs so dahin und dürften vor allem die Generation „Ich hör eigentlich alles“ begeistern. Bei mir stellt sich leider auch nach vielen Hördurchläufen früher oder später immer wieder vor allem ein Gefühl ein: Langeweile. So leid es mir auch tut, aber keiner der Songs bleibt hängen, kein Song kann es mit dem schnelleren „Rich Man“, „iSong“ oder dem emotionalen „Ballad of a Poor Man“ aufnehmen.
Kellner hat unglaubliches Talent und auch eine unglaubliche Begabung, das bleibt unbestritten, aber der Biss und die authentische Traurigkeit der Anfangstage scheinen mit zunehmendem Erfolg auf der Strecke geblieben zu sein. Aber ich will mich auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen…immerhin mochte ich SOUNDGARDEN auch nie.