„Der Morgen, Der Tag, Der Abend, Die Nacht“ heißen die vier eingespielten Stücke, die den Zyklus bilden und zusammen auf gute 46 Minuten Spielzeit kommen. Und alle vier fangen doch recht anschaulich die Stimmung jedes einzelnen Tagesabschnittes ein – schwarzmetallische Stimmung selbstverständlich, es wird hier keine Feinkost geboten. Mit unverwechselbarem Stil malträtieren die Musiker Instrumente und Stimme und lassen so eine, meiner Meinung nach einzigartige, Atmosphäre entstehen. Kennzeichnend für diesen Stil ist maßgeblich wohl auch das Keyboard, das fast unhörbar, aber doch immer irgendwie da, eine tolle Wirkung hat. Das Tempo schwankt zwischen langsam und wahnsinnig, es gibt kurze akustische Anteile, Gekreische, Growls und auch sonst ganz nette Effekte. Monotonie sucht man hier vergeblich - was ja nichts schlimmes heißen muss. Ganz besonders hervorzuheben ist natürlich auch die Textarbeit der Band. Ich bewerte es ja schon mal positiv, wenn eine Black Metal Band es überhaupt schafft, mal ein Lied zu schreiben, das nicht vom Christentöten und Jungfrauenvergewaltigen handelt, Lunar Aurora gehen hier allerdings weit darüber hinaus: Die Texte ergeben Sinn! Und auch wenn dieser vielleicht nicht sehr tiefgründig ist, so unterstreicht der Gesang doch das Gesamterscheinungsbild jedes Stückes noch mal ganz dick. Das einzige, was mich wirklich stört an der Scheibe ist die erste Hälfte von Track eins, in den viele absolut nervtötende Aussetzer eingebaut wurden. Wenn man mich fragt, so ist dies absolut tödlich für das Album, ich war jedenfalls nach fünf Minuten schon versucht, die Scheibe wieder aus dem Laufwerk zu nehmen und auf den „irgendwann mal anhören-Haufen“ zu verbannen. Dabei lohnt es sich wie gesagt, das ganze Album anzuhören, denn danach gibt es Geprügel + Atmosphäre, das bekommt man nicht oft geboten. Meinen Geschmack trifft’s jedenfalls voll und ganz. Wer schmutzigen Black Metal und etwas sphärische Klänge mag, der kommt an Lunar Aurora jedenfalls nicht vorbei. (Lennart von Schwichow)