Der Dämon ist freigelassen und marschiert mit seiner Armee der Toten gegen den Trend stilisierter, übermäßig fett und kommerzialisiert produzierter Metalscheiben einer angesagten Thrash- und Deathszene.
Die drei Norweger von NEKROMANTHEON haben ihr Debütalbum „Divinity Of Death“ (zu deutsch: Göttlichkeit des Todes), das Ende November raus kommt, im heimischen Keller aufgenommen und selbst produziert, und das hört man! Die Drums klingen dumpf nach unten weg und wenig präzise abgestimmt, Gitarre und Bass haben alle Potis auf Anschlag, der Gesang dümpelt irgendwo ungemischt dazwischen, wodurch man zwangsläufig an Slayers „Reign In Blood“ erinnert wird. Zugegeben, die Jungs von NEKROMANTHEON schalten ihren V8 noch gut drei Gänge höher. Große Abwechslung kommt dabei zwar nicht auf, die meisten Lieder dauern nicht länger als drei Minuten und ballern alle ähnlich heftig los, bemerkenswert sind trotzdem die frischen thrashigen Riffs im alten Gewand.
Wirklich neu ist das ganze allerdings nicht, denn schon Warbringer bewiesen mit „War Without End“, dass man auch ohne riesiges Budget und reduzierter Produktion im neuen Jahrtausend harten, schnellen Thrash im Stile von Größen wie Sacred Reich und Slayer machen kann. Textlich erinnert der Longplayer stark an ein Handbuch für Totenbeschwörung, was sich aber ins Gesamtkonzept super einfügt. In „Alcoholy Terror“ wird dann noch zu „Bang your head !“ aufgerufen, was angesichts der fetten straight forward Riffs keinem echten Metalhead schwer fallen sollte.
Das Songwriting verdient definitiv Anerkennung, vor allem „Devolutionary Storms“ entpuppt sich als echter Ohrwurm. Die Arrangements, vornehmlich in den stiltypisch gefrickelten Soli, zeigen denn auch, dass die Jungs ihr Handwerk beherschen. Auf dieser Scheibe wird nicht um den heißen Brei herum diskutiert. Man reduziert aufs Wesentliche, nämlich: Dreckige, nekrophile Sounds, Geschwindigkeit und thrashende Gitarren. Jene die noch wissen was ein Plattenspieler ist, können schon seit einigen Monaten sich das Geschlachte anhören, da stilecht zunächst nur auf Vinyl veröffentlicht wurde. Als böses oldschool Gethrashe mit Mut zur Lücke lässt sich diese halbstündige Offenbarung aller hartgesottenen Retrothrasher wohl am besten beschreiben. Alles in allem eine echt gelungene Platte, die durch gute Songs und eine fette Attitude überzeugen kann. Leider befindet sich der klischeehafte oldschool Sound schon hart an der Schmerzgrenze.
Linus-Henry Meyer