Night Ranger - High Road
Zwar taucht besagte Hitsingle aus dem Jahr 1984 auch im besten Musikfilm aller Zeiten „Rock of Ages“ auf, dennoch tat ich mir mit NIGHT RANGER immer schwer und kein Album der Band hat so richtig bei mir gezündet. Da war mir Jack Blades Interimsband DAMN YANKEES doch deutlich lieber – und die Erinnerungen an das 96er NIGHT RANGER Album „Feeding Off The Mojo“ mit Gary Moon am Bass und Gesang sorgt bei mir noch immer für gruselige Gänsehaut.
Entsprechend niedrig waren die Erwartungen, als ich die Starttaste bediente, um „High Road“ in die Rotation zu befördern. Eigentlich war es tatsächlich nur so eine Verlegenheits-Verzweiflungstat. Doch wie uns die Geschichte gelehrt hat, wird das größte Strahlen von unverhofften Überraschungen hervorgerufen – man denke nur an Tschernobyl. Ähnlich ist es beim elften Studioalbum der US-Amerikaner, denn schon mit dem Opener präsentieren sie einen wirklich gefälligen Softrocker des amerikanischen Classic Rock, der allerdings auch gut und gerne als Outlaw-Country durchgehen könnte – fehlt nur ein sporadisches Banjo oder ne Steel Guitar.
„Knock Knock Never Stop“ geht da schon deutlich kerniger zu Werke und dürfte Fans von KISS & Co zu Freudenstürmen bewegen. „Rollin On“ hingegen erinnert fast an AEROSMITH zu „Pump“ oder „Get the Grip“ Zeiten. Mit „Don’t Live Here Any More“ gelingt Blades & Co eine wirklich gutklassige Ballade, bevor es mit „I’m Coming Home“ wieder rockiger weitergeht – ein gefundenes Fressen für die zahlreichen amerikanischen Classic Rock Stationen. NIGHT RANGER wissen, was ihre Fans von ihnen erwarten – und abermals sind die Unterschiede zu harten Countrysängern wie TRAVIS TRITT gar nicht so groß. „X Generation“ ist einer der härteren Songs der Scheibe mit kernigen Riffs und eingängigen Melodien. Apropos eingängige Melodien: Nach der Ballade „Only For You Only“, gibt es mit „Hang On“ noch einen Ohrwurm. Und „St. Bartholomew“ erinnert abermals an Songs aus der Feder von Tyler & Co. Mit „Brothers“ findet die Scheibe dann einen ruhigen Ausklang, bevor der instrumentale Bonus Track „L.A. No Name“ nochmal die Fingerfertigkeit des Gitarrenduos Gillis und Hoekstra unter Beweis stellt.
„High Road“ ist für mich eine wirklich positive Überraschung und das erste NIGHT RANGER Album, welches mir wirklich gefällt. Die alten Herren reißen zwar den Gain Regler ihrer Amps in der Regel nicht bis zum Anschlag auf, haben aber dennoch ein wirklich hörenswertes Classic Rock Album mit vielen Höhen und nur wenigen Tiefen abgeliefert. Schlager-Rock at ist best!