Corrosion Of Conformity - IX
Was soll man machen, wenn man die Gnade der späten Geburt nicht erfahren durfte, sondern mit LED ZEPPELIN als unangefochtene und unumstößliche Helden der Jugend groß und erwachsen geworden ist, nun aber die alten Platten nicht mehr den ganzen Tag hören kann, weil einem dann die Musik wieder zu den Ohren herauskommt? Da gibt es leider nichts von Ratiopharm, aber ein, nein, gleich mehrere Genres, die heilende Abhilfe schaffen können, und dazu die sehr gute, erfreuliche Nachricht, dass es eine Band gibt, die alle Genres in ihrerm Sound miteinander kombiniert.
Das ist natürlich CORROSION OF CONFORMITY, die auf ihrem neuen Longplayer "IX" (römisches Zahlzeichen für neun") Hardrock, Stoner Rock und Sludge miteinander verbinden. Mitunter kommt sogar noch damals in den frühen Neunzigern moderner Sprechgesang dazu. Ja, da lassen dann sogar FAITH NO MORE grüßen. Vielleicht ist diese Charakterisierung ein wenig unfair, wurde die Band doch schon 1982 gegründet. Da kann es schon sein, dass man Jimmy Page und Robert Plant noch persönlich begegnet ist. Das waren aber auch wilde Zeiten damals.
Programmatisch kann man sich zum Beispiel den Song 'Who You Need To Blame" heraussuchen, der klingt wirklich so sehr nach den wilden Siebzigern, dass es eine wahre Freunde ist. Gleiches gilt auch für 'The Nectar', obwohl die Tempi beider Songs doch unterschiedlich sind. Da stellen CORROSION OF CONFORMITY unter Beweis, dass sie ihre Instrumente virtuos beherrschen und ihre musikalischen Wurzeln durch ihren ausgiebig Sound bewässern. Wenn das kein Modell für gelebte Nachhaltigkeit ist.
Gut wird der Longplayer fast nur, wenn es für Phasen punkig wird ('Denmark Vesey'). Daneben gibt es auch immer wieder Passagen, die Mut machen, allerdings nur so lange, bis den zarten Pflänzchen von der unerbittlichen Sludge-Stoner-Walze der Garaus gemacht wird, wie bei 'Trucker', mit Gitarrenklängen am Anfang, die auch von den votingerprobten METALLICA stammen könnten.
Kurz: CORROSION OF CONFORMITY sind mit ihrem Longplayer "IX" zu Recht in aller Munde. Denn so gekonnt haben bisher wenige Bands die LED-ZEPPELIN-Siebziger auferstehen lassen. Deshalb ist dieses Album ein Fanal an und ein Muss für alle, die diese Art von Musik lieben oder eine authentische musikalische Untermalung für Sponti-Veteranentreffen oder "Ich-erzähle-meinen-Enkeln-von-den-wilden-Siebzigern-Nachmittagen" brauchen.