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Northern Crown – In the hands of the betrayer

VÖ: 10. Oktober 2014   •   Label:  Eigenproduktion

Und die Eingeweihten unter uns wissen sicherlich, dass sich im Reisegepäck von Margot Honecker neben einer Familienpackung violetten Haarfärbemittels auch die gesammelten Werke von CANDLEMASS befunden haben sollen. Der Untergang will eben auch  musikalisch angemessen untermalt werden. Wie erfolgreich eine Abspaltung vom englischen Mutterland werden kann haben die Amis ja vorgemacht, so kann es auch nicht verwundern, dass eine Band aus Fort Lauderdale nun denn passenden Soundtrack zu den schottischen Emanzipationsbemühungen zur Verfügung stellt. Doom wird ja momentan wieder ganz große geschrieben – quasi DOOM. Doch selbst in dieser Stilschublade findet sich mehr Variantenreichtum als in der englischen Innenpolitik und die Schwerpunkte reichen von 70s über Sludge und Stoner bis hin zum Todesblei. NORTHERN CROWN orientieren sich da erfreulicherweise an legendäre Kapellen wie CANDLEMASS, SOLITUDE AETURNUS oder MEMORY GARDEN. Das epische „To Thee I Give An Orchid“ erinnert im Mittelteil musikalisch sogar an AMORPHIS‘ legendären Klassiker „Tales From The Thousand Lakes“ – nur den grunzenden Gesang überlassen Serafine und Randall lieber ihren Landsleuten von MASSACRE und CANNIBAL CORPSE. Es verwundert hingegen wenig, dass sich mit „Crystal Ball“ eine Coverversion vom legendäre „Epicus Doomicus Metallicus“ Album auf dem Recording-Einstieg der Amis befindet. Nun mag man bemängeln, dass die EP – zieht man mal die Coverversion und das Instrumental „Approaching, Encroaching Storm“ ab – weniger Titel enthält als besagte niedersächsische Realschullehrer Kurze getrunken haben, dann muss man dagegenhalten, dass die drei verbleibenden Songs doch mindestens so lang sind wie die vernichteten Schnäpse hochprozentig waren. Die drei Songs bringen es auf immerhin gute 20 Minuten und das ist bekanntlich mehr als 3-4 SICK OF IT ALL Scheiben zusammen. Zudem setzen die beiden Köpfe der Band aber auch mehr Instrumente ein, so dass sich neben der klassischen Besetzung auch Streicher und Pianos in den Songs finden. Und wer meint, dass Doom ausschließlich so langsam sein muss wie die Koalitionsverhandlungen in deutschen Parlamenten, der dürfte durch den Titeltrack eines besseren belehrt werden, denn „In the hands of the betrayer“ prischt für Doom Verhältnisse schon fast mit Überschallgeschwindigkeit voran.

Auf ihrer Einstands-EP präsentieren die Amis eine schaurig schöne Li(ai)son aus trauriger Melancholie und eiserner Härte. Aber kein Wunder, schließlich muss man sich als Duo um eine Senfnase weniger in der Band kümmern als bei einem Trio und so konnten Zachary Randal, seines Zeichens der oberste Doomologist, und Frank Serafine, der Chef für den Rest, ihre Wünsche ungestört in die passende musikalische Form gießen. Das Resultat kann sich mehr als hören lassen. „In the hands of the betrayer“ ist eine klassische Doom Scheibe der Güteklasse A.

Kurz: Der Tag des Jüngsten Gerichts rückt unaufhaltsam näher, doch zumindest der Kollege Lison und ich können dem ganzen Szenario entspannt entgegen blicken, denn schließlich haben wir den Abgründen des irdischen Seins bereits mehr als einmal in die Fratze geblickt. Und wenn nächste Woche die ostfriesischen Inseln über ihre Unabhängigkeit abstimmen sollten, unsere Kultusministerin ins vakant gewordene Loch Ness umzieht und die Schotten aus patriotischen Gründen allen englischen Bands den Gebrauch des Wortes Rock verbieten, kümmert uns das herzlich wenig, denn wir können uns ganz locker zurück lehnen und uns immer wieder „In the hands of the betrayer“ von NORTHERN CROWN reinziehen. Könnte doch viel schlimmer sein, so ein Weltuntergang!   

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