Project Arcadia – A Time of Changes
Ein Blick auf die beachtliche Anzahl von Reviews aus der Feder des geschätzten Kollegen Lison macht deutlich, dass der Gute zwischen allen musikalischen Stühlen sitzt. Ebenso wie die Erichs Schäfchen in der DDR zwischen realexistierendem Sozialismus, kommunistischem Bruderdienst und Westleckereien aus dem Intershop hin- und hergerissen worden waren, steht der Kollege im Spannungsfeld von brutalem Todesmetal, knackigem Punkrock und truem Hartmetal. Und doch holen ihn die Geister der Vergangenheit immer wieder ein: THE SMASHING PUMPKINS, THE CURE oder ERDMÖBEL. Und in einem Moment der Schwäche scheinen dann HEART IN HAND von seiner Seele Besitz ergriffen zu haben, ähnlich wie Voldemort von Quirinus Quirrell in „Der Stein der Weisen“. Dass er dabei offenbar unter einer Überdosis Twix gestanden hat, mag einige seiner lobenden Worte aus dem Review erklären, aber doch nicht entschuldigen. Daher ist es mehr als notwendig, den hauseigenen Notfallkoffer schleunigst mit einigen hilfreichen Metalscheiben aufzufüllen, um sich im Notfall solch musikalischer Entgleisungen wie der britischen HEART IN HAND erwehren zu können. Eine erste Empfehlung für besagtes Notfallkit könnte der zweite Longplayer von PROJECT ARCADIA sein.
Bereits 2009 konnte die Band aus Bulgarien mit ihrem Debüt „From The Desert Of Desire“ bei mir erste Achtungspunkte sammeln. Allerdings hatte man damals noch einen anderen Sänger am Start. Mittlerweile hat man sich die Reibeisensirene Urban breed aus Schweden in die Band geholt. Der Gute hat ja bereits bei Bands wie BLOODBOUND oder TAD MOROSE an der Flüstertüte gestanden. Und der Gute liefert abermals einen hervorragenden Job ab. Doch was bringt der beste Sänger, wenn die Mucke nicht stimmt. Dieses Problem stellt sich bei PROJECT ARCADIA jedoch nicht. Die Herren aus Sofia haben ein grandioses Power Metal Album mit progressiven Elementen geschrieben und die Parallelen zu Urban breeds ehemaligen Arbeitgebern TAD MOROSE, BLOODBOUND, aber auch zu MORGANA LEFAY oder EXLIBRIS sind nicht von der Hand zu weisen. Wer Hochgeschwindigkeit sucht, wird hier ebenso enttäuscht wie die Fahrgäste der Deutschen Bahn, die dieser Tage vergeblich auf den ICE warten. Tja, die „Rosaroten Zeiten“ der Bahn, als man noch für wenig Geld im gemütlichen D-Zug Tempo durch die Republik gondelte, hatten eben doch auch ihre guten Zeiten. Ebenso wie die damalige Musiklandschaft, in der Bands wie „HEART IN HAND“ noch höchstens schlimme Albträume einiger Schwarzseher waren. PROJECT ARCADIA hingegen greifen rockige Elemente der 80er und 90er Jahre auf und gießen sie über der offenen Flamme in stählerne Form. Dabei kommen Freunde von Pre-Promised Land QUEENSRYCHE ebenso auf ihre Kosten wie Fans härterer Rockbands. Dabei bietet „A Time of Changes“ durchgängig hochwertige Kost. Ob nun „Beggars at the Door“ oder „Shadows of the Night“, Rezept und Zutaten bleiben ähnlich und stets wird auf feinste Handwerkskunst Wert gelegt.
Wem, wie mir, nach dem erzwungenen oder versehentlichen Konsum solcher Bands wie HEART IN HAND das Herz nicht nur in die Hand, sondern gleich mindestens in die Hose rutscht, dem sei dieses metallische Rescue-Set ans Herz gelegt. PROJECT ARCADIA sind Schmerzmittel und Herzschrittmacher in Zeiten musikalischer Körperverletzung und verdienen somit das Prädikat „Lebensrettend“.
So, und jetzt will ich mal eben zum Kollegen Lison rüber, um mit Weihrauch, Kreuz und dem neuen PROJECT ARCADIA Album die bösen Musikgeister aus seiner Behausung zu vertreiben.