Raunchy - Vices. Virtues. Visions.
Und da mir ja nichts Eingängiges fremd ist, ich mit DURAN DURAN groß geworden bin und mir auch die elektronischen PARADISE-LOST-Alben gefallen, habe ich mich mit viel Enthusiasmus an die Besprechung dieser CD gemacht, vor allem vor dem Hintergrund, dass Mitglieder der Twilight-Redaktion, die wohl lieber anonym bleiben wollen, die letzten drei Longplayer von RAUNCHY mehr als gut fanden.
"Denn es erwarten einen [...] aggressive Death-Metal-Vocals, gefolgt von cleanen Refrains. Garniert mit extrem groovigen Melodien, die einem sofort in Mark und Knochen [oder Bein?] übergehen. Und das i-Tüpfelchen dieses sehr bekömmlichen Gerichts sind dezent gesetzte industrial Elemente." "Ihr neues Album verkörpert wieder einmal den Melodic Death/Thrash Metal. Mit Melodic ist gemeint: poppige Keyboard Sounds, die etliche Songs untermalen und verfeinern sollen, wie eine würzige Marinade das Fleisch." "Die Band schafft immer wieder den Spagat zwischen Metal und Popmusik und ist hierbei immer sehr kreativ und selbstbewusst."
So viel zu den letzte drei Platten der Band. Im Hinblick auf den Sound kann ich die Beschreibung des unbekannten Autors problemlos übernehmen, die positive Einschätzung aber überhaupt nicht. Unbestreitbar liegen die Stärken der Musik in den aggressiv-dynamischen Thrash-Teilen ('I, Avarice'), die durchaus zu überzeugen wissen. Gleiches gilt mitunter für die Keyboardpartien, die eine düstere Atmosphäre zu erzeugen vermögen wie in 'The Castaway Crown'.
Was mir aber überhaupt nicht zusagt, ist das eingängig Poppige, das eindeutig zu süßlich, zu catchy, zu berechnend daherkommt und sich auch nicht wirklich organisch in das Songganze einzufügen weiß. Es ist eher so, als wird von Hier auf Jetzt ein Schalter umgelegt. Darüber hinaus sind die elektronischen, Industrial-Elemente zu 80er-Revival-lastig ('Luxuria'). Und dann werden auch noch die Freunde des Power-Metal bedient ('Frozen Earth').
Kurz: So wie bei VOLBEAT scheint sich auch bei den Landsmännern von RAUNCHY der einstmals als revolutionär, überaus modern und hipp eingeschätzte Sound mit der Zeit abzunutzen. Doch Gewohnheiten und Regelmäßigkeiten geben Halt im Leben. Und so wird auch dieses Langeisen all denjenigen gefallen, die die Kombination aus thrashiger, metallischer Aggressivität, power-metallischer Energie und eingängigem, elektronischen Pop mögen. Ich hätte eine Besinnung auf das Metallische stimmiger und gewinnbringender gefunden.