RPWL - Wanted
..."Klingt irgendwie nach PINK FLOYD". Ein Blick auf die Infos bei Wikipedia bestätigten meinen Eindruck, waren RPWL doch einmal als PINK-FLOYD-Coverband unterwegs. Da kann ich mich dann auch als Besitzer von "Division Bell" outen, auch wenn ich nur drei Lieder mochte. Aber Pink-FLOYD-artige Musik und "Progressive", passt das denn zusammen? Bei mir entsteht da sofort eine kognitive Dissonanz in meinem Kopf, doch dieser Widerspruch ist ohne Dialektik wohl nicht aufzulösen, zumindest nicht für mich.
Bleibt dann noch das Attribut "Art-Rock". Aber was hat Kunst im Rock zu suchen. Sollte Rock nicht eher von allen möglichen Gefühlen geleitet sein, ohne dass der Verstand zu sehr bemüht wird. Gilt denn die Regel "Drei Akkorde und die Wahrheit" von U2 gar nicht mehr? Ein Konzeptalbum, das sich mit der "totalen Befreiung des Geistes" beschäftigt, wofür man sich dann auch noch eine krude und hanebüchene Hintergrundgeschichte ausdenkt:
Die Band RPWL und ihre Freunde wollen mithilfe des homöopathischen Mittels Veritas forte (Veritas, lateinisch für Wahrheit, wie originell) die Menschheit langsam von der Schattenwelt ins Licht führen. Der panische Zorn der Kirchen der Weltreligionen lässt nicht lange auf sich warten. Die Band muss in den Untergrund, von wo aus sie die endgültige Befreiung der Menschheit durch die Illusionsmaschinerie der Religionen und Sekten organisiert. RPWL sind "Wanted".
Ohne Worte. Religion als Opium für das Volk, diese Geschichte hat nicht nur seit Karl Marx einen langen grauen Bart bekommen. Aber warum nicht?
Interpretatio, imitatio, aemulatio. Diese drei Stufen prägten das Verhältnis der antiken römischen zur griechischen Literatur und Kunst. Zunächst wurden die Schriften großer Griechen nur ins Lateinische übersetzt, dann nachgeahmt und schließlich versuchte man, seine Vorbilder zu übertreffen. Letzteres ist RPWL durchaus und in anerkennenswerter Weise gelungen. Die Tracks klingen zwar fast durchweg nach PINK FLOYD, das aber im Gewande dieses neuen Jahrtausends. Also doch "progressive". Und so hat man doch das ein oder andere bewundernswerte musikalische Kunstwerk erschaffen ('A New Dawn'). Manchmal kann man aber auch DURAN DURAN heraushören ('Perfekt Day' klingt zeitweise nach '(Reach Up For The) Sunrise'), manchmal gemahnen die Vocals auch an Dave Gahan von DEPECHE MODE.
Kurz: RPWL zeigen auf ihrem neuen Longplayer "Wanted", dass sie die besseren, moderneren PINK FLOYD sind. Für deren Anhänger, für musisch angehauchte sowie politisch engagierte und sozialkritische Studienräte und für all diejenigen, die in der Kunstszene zu Hause sind, ist dieses Album ein absolutes Muss.