The Bunny The Bear - Food Chain
Und wie auf ihrem Debütalbum wird von dem unvoreingenommenen und aufgeschlossenen Zuhörer einiges abverlangt, vor allem weil die oben geschilderte Mischung auch innerhalb eines Songs zum Tragen kommen kann, so dass man sich nicht zu sicher sein sollte. Denn wie heißt es doch in dem bekannten deutschen Schlager: "Wendungen gibt es immer wieder!"
Der Opener und titelgebende Track weckt wegen seiner gegrowlten und bombastischen, symphonisch metallischen Atmosphäre große Erwartungen, die durch 'The Seed We Sow' durchaus erfüllt werden, wird uns doch eine interessante Mischung aus den gröligen, ruhigeren BRING ME THE HORIZON und aus 80er Jahre Pop im Stile von ALISON MOYET geboten. Ja, da werden Kindheitserinnerungen ganz real.
'Cancer' ist dann eine Mischung aus 'Joe Jackson' auf Droge mit schwarzmetallischen Vocals und affektierten Musical-Pop mit zumindest annehmbarem Refrain. Muss man halt mögen. Mit 'Green Pale Eyes' wird es dann zunächst gruselig groovy rap-mc-mäßig, ehe ein durchaus gelungener, fast schon Gothic-Rock-mäßiger Refrainpart das Regiment übernimmt. Gleiches gilt für 'So Smooth, So Appealing', der düstere, melodische gothic-metallische Part kommt mehr als einnehmend daher, warum in der Mitte des Songs so affektiert nervig geschrien werden muss, erschließt sich mir nicht so ohne Weiteres.
Kindergesänge vor SIGUR-ROS-mäßiger Sphärik finden sich auf dem instrumentalen 'A Mother's Love', bevor es rockig fetzig weitergeht ('First Met You'). Auch hier gilt wieder, eigentlich ein fast schon genialer Song, wenn die dämlichen unklaren Vocals nicht wären. Das erinnert mich doch sehr an den Verfremdungseffekt von Berthold Brecht. Wenn man Optimismus, Freude und Fröhlichkeit nicht ertragen kann, sollte man eben keine Liebeslieder schreiben. Sehr poppig und jaulig trotz einiger schrammeliger Gitarren und einiger Growls und Shouts wird es in dem Track 'Skyscrapers', ehe mit 'Flying Like A Bird' der 80er-Synthie-Pop die Herrschaft übernimmt. Ein Highlight ist dann 'High Tides And Swimming Conditions':
Kurz: Hier wird passend gemacht, was nicht passt. Ein organisches Ineinandergreifen der verschiedenen Stile (Metal, Hardcore, Rock, Pop und Dance ) findet praktisch nicht statt. Man hätte sich einfach entscheiden müssen.
Denn die Songs bekommen nach allerlei experimentellen Spielereien zumeist durchaus noch oder zumindest zeitweise die Kurve. Was hätte das für ein phänomenales Album sein können, wenn man sich auf melodischen metallischen Rock oder Synthie-Pop konzentriert hätte. Schade!