Klar, die alten Trademarks, wie überragende musikalische Fähigkeiten, ein pathetischer Gesang, der hin und wider an Meat Loaf erinnert sowie abwechslungsreiches, atmosphärisches aber auch bombastisches Songwriting sind omnipräsent. Dennoch empfand ich beim ersten Anhören einige Tracks ganz schön schmalzig. Besonders das erste Stück mit Gesang („Comfort Me“) wirkt als Quasi-Opener (vorher gibt es die rein instrumentale 2-minütige Tour De Force „Manhunt“) zunächst etwas deplaziert. Erst bei konzentriertem Kopfhörergenuss erschließt sich die gewaltige Schönheit dieses Stückes. überhaupt ist diese Scheibe nicht zum flüchtigen Nebenbeihören geeignet. Dafür passiert einfach zu viel in der Musik. Das Album ist übrigens in zwei Teile geteilt: „Act III“ und „Act IV“, wobei aber alle 14 Songs für sich stehen und problemlos auch einzeln angehört werden können. Aber richtig, wir haben es mit einem Konzeptalbum zu tun: „Room V“ schließt inhaltlich an das 98er-Konzeptalbum „Tyranny“ an, auf dem Shadow Gallery die Geschichte zweier Menschen auf der Suche nach einer neuen Identität beschrieben. Die ‚Room V’-Story beginnt acht Stunden nach dem Ende von ‚Tyranny’ und dreht sich um die beiden bereits bekannten Charaktere und deren Leben. Die Zwei planen, mit ihrer Vergangenheit abzuschließen, stellen dabei aber fest, dass alles, was sie hinter sich lassen, gleichzeitig der Beginn von etwas Neuem und nur die Spitze des Eisbergs ist. „Room V“ dokumentiert auf subtile Weise, dass die Geschichte seiner Protagonisten im Grunde genommen gerade erst begonnen hat, und wie sich weitere, bislang ungeahnte Horizonte für sie eröffnen. Konkret: Auf „Act I“ und „Act II“ bei „Tyranny“ folgen mit „Room V“ nun die in zusammen 14 Einzelkapitel unterteilten Acts „III“ und „IV“, in deren Verlauf Shadow Gallery von forsch-treibend über hart-metallisch bis sanft-atmosphärisch die gesamte Bandbreite des Progmetal-Genres ausloten. Ich würde es begrüßen, wenn diese Band hier endlich mal live in Erscheinung tritt, denn bisher hat man den Sprung über den großen Teich, trotz überragender CD-Kritiken in Europa, noch nicht geschafft. Vielleicht geht dieser Wunsch irgendwann ja mal in Erfüllung. Bis dahin sollte sich aber jeder Freund bombastisch-progressiver Metal Kunst „Room V“ einverleiben.
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