Auch wenn das Ansinnen, CURE-Klassikern mit zeitgenössischen Club-Disco-Soundelementen neues Leben und vermeintliche Modernität einzuhauchen, irgendwie abstrus zu sein scheint, war der Verriss von „Mixed Up“ in seiner Absolutheit und Totalität nicht wirklich gerechtfertigt, ließen sich doch die Neuinterpretationen von 'The Walk', 'A Forest' oder 'Fascination Street' durchaus hören.
Jetzt, 28 Jahre später, erscheint die Deluxe Edition (3 Disks), die nach acht Jahren die Deluxe-Reihe fortsetzt. Bleibt zu hoffen, dass dann auch noch eine Deluxe-Version von „Wish“ geplant ist. Aber Hoffnungen haben es im Moment ja nicht so leicht.
Die erste Disk enthält den originalen Longplayer, die zweite Remixes aus den Jahren 1982-1990, darunter einige Langversionen (extended versions), die damals in der guten alten Vinyl-Plattenzeit auf den Maxi-Singles zu finden waren. Diese haben durchaus ihren Reiz, zumal den Tracks zumeist keine Gewalt angetan wurde, so zum Beispiel bei 'Just One Kiss', 'Why Can't I Be You' oder 'pictures Of You'. Der „Dizzy-Mix“ von 'Just Like Heaven' oder der „Milk Mix“ von 'Let's Go To Bed' sind da schon um einiges gewöhnungsbedürftiger bis hin zur Unerträglichkeit.
Das Highlight ist aber die dritte Disk, auf der sich Robert Smith persönlich der Neuarrangements seiner Songs angenommen hat. Und das hört man auch, die Veränderungen sind behutsam und organisch und lassen mitunter bisher verborgene Facetten und Stärken hervortreten. Darüber hinaus ist auch die Songauswahl mehr als gelungen: 'The Drowning Man' kommt noch atmosphärischer und halliger daher, 'A Strange Day' ist um einiges stranger und düsterer, 'From The Edge Of The Deep Green Sea' wurde durch Entschleunigung mehr Intensität verliehen, 'Want' bietet ungeahnten Bombast und ungeahnte Martialität. Auch 'Lost' hat in der neuen Version durchaus Gewinnendes. Daneben scheint der THE CURE Mastermind beim Plainsong, bei 'A Night Like This' oder 'Never Enough' kein so glückliches Händchen gehabt zu haben.
Fazit: Die Deluxe Edition von „Mixed Up“ lohnt sich für all diejenigen, die sich auch in Clubs zu Hause fühlen, die THE CURE auch mal von einer anderen Seite kennen lernen möchten oder die einfach wissen wollen, wo Mastermind und Zottelmonster Robert Smith bei seinen Klassiker im Jahre 2018 die Stärken sieht. Denn es ist gerade die dritte Disk, an der zumindest der CURE-Fan nicht vorbeikommt! Aber es bleibt Geschmackssache.