Marschrichtung: Progressive Metal.
Tatsächlich bieten To-Mera in den acht Tracks des Albums eine angenehme Vielfalt. Der Gesang der Dame am Mikrofon hat durchaus seine Klasse und erinnert in den vielen ruhigen oder emotionalen Momenten von „Transcendental“ ein wenig an Lacuna Coil: An melodische, weibliche Vocals, die nicht der tirillierenden Opern-Penetranz von Bands wie Nightwish oder Within Temptation verfallen. Außerhalb der bereits angesprochenen eher romantischen Parts bietet das Album durchaus auch Kontraste: Kaum, dass man den Gitarristen Tim MacLean einen kurzen Augenblick unbeaufsichtigt, stimmt er Riffs an, dass man glaubt, man habe aus versehen eine Dream Theater-CD aufgelegt. Die deutlichen Einflüsse des Prog Metal-Urgesteins sind in Teilen des Albums zum greifen nahe, erst recht, wenn klingelnde und ein Stück weit poppige Keyboards in die oftmals polyrhythmischen Kompositionen mit einfallen.
Und hier beginnen leider auch langsam die Schwierigkeiten, die sich immer mehr in den Vordergrund drängen, je länger die Scheibe im Player ihre Runden dreht: Julie Kiss ist nicht Dream Theaters James LaBrie. Wenngleich es sicher Frauen gibt, die diese Rolle stimmlich ausfüllen können, Miss Kiss gehört leider nicht dazu. Die eher sanfte Stimme der Sängerin wirkt neben den schnellen Prog-Sprengseln deplaziert und irritierend. Wenn sich dann vereinzelt auch noch plötzliche, kurze Riff-Attacken einmischen, die musikalisch am ehesten im Death Metal zu verorten sind, wirken die Vocals restlos verloren. Auch die oftmals schnellen Sprünge zischen „langsam und harmonisch“ zu „schnell und spritzig“ verwirren und machen es schwer, eine Grundstimmung in einem der Tracks auszumachen. Am Ende hat man einen durchaus interessanten Mix aus Romantischem, Epischem, Jazz, althergebrachtem Prog und auch ruppigeren Metal-Parts gehört – dauerhaft in Erinnerung bleibt jedoch keine der acht Kompositionen.
Ängste, über den eigenen Schatten zu springen, kann man To-Mera sicher nicht vorwerfen. Leider gilt auch hier: Die Mischung macht’s. „Transcendental“ ist sicher vielschichtig und vielfältig. Aber auch wirr. Es ist, als würde man Senf zu einem Sorbet geben: Beides für sich hat sicher seine Berechtigung. Zusammen jedoch sorgt es für einen sehr eigenartigen Geschmack, an dem sich auch im Falle „Transcendentals“ noch feilen lässt.