Die Folge ist, dass die aus Europa stammende harte Musik um einiges melodiöser ist. Für die deutschen Lande, Wiege großartiger klassischer Meisterwerke, wie mir selbsternannte Experten immer wieder weismachen wollen, gilt das natürlich in besonderem Maße.
Und so war es eigentlich verwunderlich, dass der melodische (progressive) Death Metal hier ein Randdasein führte. Das ist für diejenigen, die sich diesem Genre verschrieben haben, eine große Chance, kann man doch hierzulande Pionierarbeit leisten.
Dieser Aufgabe haben sich WORDS OF FAREWELL mit ihrem zweiten Longplayer "The Black Wild Yonder" angenommen. Und das, was die Mannen um Alexander Otto abliefern, kann sich durchaus hören lassen. Denn zum einen düstern die Westdeutschen vor allem durch ein dynamisch forderndes Riffing sowie durch die rauen Vocals in aggressiver Art und Weise ganz schön herum, zum anderen gelingt es ihnen aber auch, dem Genre einen eigenen Stempel aufzudrücken.
In diesem Zusammenhang wären nicht nur die dem klassischen Metal entlehnten Gitarrensoli bzw. Leadgitarrenparts zu nennen, die für einen Hauch von herrlich angenehmer Old-school-Atmosphäre sorgen, sondern auch die besonderen Keyboard- und loungigen Ambient-Passagen, die eine ungemein sphärige, mitunter auch an SUPERTRAMP oder an elektronische Soundelemente der 80er Jahre gemahnende Atmosphäre erschaffen.
Gerade die Keyboardparts müssen einen besonderen schmalen Grad beschreiten, den ruck-zuck ist man von dem überaus harten Stahlseil in die musikalisch-seichte Rosamunde-Pilcher-Schlucht gestürzt. Diese Schwierigkeit meistern WORDS OF FAREWELL jedoch zumeist gekonnt. Denn bevor ein too-much drohen könnte, setzt (größtenteils, nicht so bei 'Antibiosis') sofort aggressive Härte ein. Deshalb sind Songs wie 'Damaged Beyond Repair" oder "The Other Rim" auch so überzeugend.
Kurz: WORDS OF FAREWELL haben auf "The Black Wild Yonder" einen Melodic Death Metal ganz eigener Prägung erschaffen, der für die Freunde dieses Genres eine neuartige Erfahrung und somit eine Offenbarung sein dürfte.