Wretch – Warriors
Nun, man möchte annehmen, dass verfeindete Rockerbanden aufeinander losgegangen sind oder doch wenigstens fundamentale Christen, die einer metallischen Satanssekte den bösen Geist mit Mistgabeln austreiben wollte. Und in München wurden doch sicherlich lautstark Metalparties gefeiert, so dass die Nachbarschaft keinen Schlaf finden konnte. So oder so ähnlich dürften die oben erwähnten Szenarien jedenfalls in den 80er erklärt worden sein, als WRETCH ihren Werdegang im Dienste des Power Metal antraten. Musikalisch beeinflusst durch die NWoBHM, widmen sich die Jungs aus Cleveland auch heute noch voll und ganz dem amerikanischen Power Metal der Marke METAL CHURCH & Co. Ähnlich wie ihre Labelkollegen von WARRANT haben sich WRETCH in der Vergangenheit jedoch mit Longplayern zurückgehalten. Das Debüt der Band stammt aus dem Jahr 2006, vorher waren nur einige Demos erschienen. Und auch in den letzten 8 Jahren bleiben die Veröffentlichungen mit einer Compilation und (mehr oder weniger) einem Rerelease des 1989er Demos „Rise to Power“ übersichtlich. Umso erfreulicher, dass das Quartett nun fast 60 Minuten blanken Stahl nachlegt. Freunde von VICIOUS RUMORS, METAL CHURCH, WARRANT oder POWERGOD werden an den Amis ihre Freude habe, wenn diese mit Songs wie „Sacrifice“ oder dem Titeltrack „Warriors“ ordentlich Gas geben. Während einige der Kompositionen etwas in die Beliebigkeit abzurutschen drohen, stellt die geniale Ballade „In Those Eyes“ aber zweifelsohne den Höhepunkt des Albums dar. Mit einer Mischung aus PRETTY MAIDS aus PINK CREAM 69 zeigen die Herren hier ihre stärkste Seite und liefern tatsächlich einen Song mit 100%iger Ohrwurmgarantie ab.
Und möglicherweise hätten solch ruhige Töne auch dazu beigetragen den wütenden Mob in Aachen wieder zur Ruhe zu bringen. Denn wo es früher noch waschechte Rocker brauchte, um eine ordentliche Straßenschlacht zu provozieren, reicht heute ein Laubbläser. Und das aktuelle HEINO Album hat ja bereits gezeigt, dass die Metalgemeinde mittlerweile lammfromm geworden ist. Daher war es auch keine Metalparty, die die Münchener Nachbarschaft entzweite, sondern eine laut quietschende Sex-Schaukel. Das Amtsgericht urteilte, dass sexuelle, sportliche und quietschende Geräusche weder dem normalen Mietgebrauch entsprächen, noch sozialadäquat sein. Glück gehabt, von lauter, ehrlicher Power Metal Mucke war nicht die Rede, so dass wir weiterhin einen Freifahrschein dafür haben, bis in die frühen Morgenstunden zu Songs wie „Rain“ oder „The Ones“ die Haare zu schütteln. Und das Beste daran ist, dass wir bei entsprechender Lautstärke weder den Laubbläser noch ne quietschende Sex-Schaukel hören würden. Heavy Metal sorgt also nachweislich für Weltfrieden und ist mehr als sozialadäquat!