Richtig aufmerksam geworden bin ich auf AFI im Jahre 2019, als die Band für die Aufnahme von The Cure in die „Rock & Roll Hall Of Fame“ 'Just Like Heaven' performte. Doch mittlerweile sind die alternativen Düster-Rocker mit ihrem elften Album „Silver Bleeds The Black Sun“ am Start.
Selbiges scheint mir in zwei Teile zu zerfallen: In den ersten fünf Tracks haben die US-Amerikaner ihre experimentelle Ader kompromisslos ausgelebt. Schon der Opener 'The Bird Of Prey' kommt als eine interessante Mischung aus gesanglichen Placebo und instrumentalen David Bowie daher. 'Behind The Clock' besticht durch dichte, intensive, wabernde Gitarrenwolken, wie man sie von den frühen 'Street-Fighting-Years-Simple-Minds' so lieben gelernt hat. 'Holy Visions' ist dann ein mitreißender tanzbarer, irgendwie auch den Odem der 80er Jahre atmender Melancholiefetzen. 'Blasphemy And Excess' ist ein etwas schwer zugänglicher, klassisch aus Strophe und Refrain bestehender Track, der sein Potenzial erst nach und nach bei jedem neuen Hören entfaltet. 'Spear And Truth' schließlich schlägt einen ähnlichen Weg ein und könnte gut den Soundtrack zu einem modernen Western abgeben.
Mit 'Ash Speck In A Green Eye' besinnen sich AFI dann auf ihren typischen, charakteristischen bandeigenen Emo-Sound, der gekonnt düstere Wehmütigkeit mit hymnischer Melancholie verbindet. Weltklasse! 'Voidward, I Bend Back' geht mit seiner sehnsuchtsvollen Emotionalität und Leidenschaft sofort in geschundene Herz und hinterlässt dort ein wohliges Gefühlschaos aus hoffnungsvoller Trostlosigkeit. Für 'Marguerite' gilt Ähnliches, nur dass hier die Dynamik noch etwas stärker ist. Ein Klassiker! In 'A World Unmade' sorgt dann ein etwas entschleunigteres Tempo für ein hohes Maß an wehmütiger Intensität. Der Rausschmeißer 'Nooneunderground' schließlich beschreitet bisweilen mit kakophoner Attitüde den Pfad des experimentellen Punk.
Fazit: AFI machen es einem mit diesem Longplayer nicht leicht, aber man kann die Dichothomie auch als Chance begreifen. Es gibt ja schließlich auch Leute, die kombinieren Schokolade mit Chili. Ich finde die erste, experimentelle Hälfte nicht schlecht, die zweite, traditionellere Hälfte vermochte es dagegen, mich sofort in ihren Bann zu ziehen und mich schön schwermütig und hübsch melancholisch zu euphorisieren. Aber vielleicht muss man sich nur etwas Zeit nehmen...