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Elvenking - Reader of the Runes - Luna

VÖ: 11. April 2025   •   Label  Reaper Entertainment
Autor Bild
von Sven Niemeyer
16. April 2025

2019 veröffentlichten Elvenking „Reader of the Runes – Divination“, den ersten Teil ihrer Geschichten um den mysteriösen Runenleser. Vier Jahre später folgte mit Rapture Teil Zwei, der allgemeinhin gut aufgenommen wurde. Zwei Jahre später bringen die Italiener ihre Trilogie zu Ende.

 Trilogien sind ja immer so eine Sache. Es gibt auf der großen Leinwand ja solche und solche. Die Dollar- Trilogie, die Clint Eastwood zum Star gemacht hat, Herr der Ringe, Toy Story oder die originale Star Wars Trilogie waren alles in allem und unbestritten gute Trilogien. Bei Fluch der Karibik, Matrix, Terminator und der Hobbit würden alle wahrscheinlich zusammenzucken. Nicht, weil die Filme per sé schlecht sind, aber gerade der dritte Teil hat das Gesamtwerk doch ziemlich gegen die Wand gefahren. In welche Richtung das Pendel bei „Reader of the Runes – Luna“ am Ende schlägt, überlasse ich am Ende jedem selbst, ich werde mich nur auf diese Scheibe konzentrieren.

 Apropos Konzentrieren, das fällt mir tatsächlich bei diesem Dreher wahnsinnig schwer. Aus diesem Grund verzichte ich heute auch darauf, eine Track- by- Track Betrachtung zu schreiben und mich nur auf die musikalischen Aspekte des Albums zu beziehen. Ich habe extra auf die Veröffentlichung auf einem Streaminganbieter eurer Wahl gewartet, ob unser Muster arg von der Veröffentlichung abweicht oder ich massiv was an den Ohren habe, weil ich doch an einigen Stellen akustisch aus der Bahn geworfen wurde.

Meine Ohren sind es scheinbar aber nicht, die Scheibe klingt so. Lassen wir mal außer Acht, dass Sänger Damna etwas abseitig der Wege unterwegs ist und schlicht an einigen Stellen den Ton nicht trifft, ist „Reader of the Runes – Luna“ als ganzes einfach unglaublich unausgewogen und überladen. Um mal einen Track exemplarisch aufzuzeigen, nehmen wir den Opener „Season of the Owl“. Der Einstieg und der erste Verse ist schnell und sperrig, haut dann aber die Handbremse rein und ändert Tonalität und Rhythmus, ehe er nach dem ersten Refrain ein weiteres mal den Rhythmus ändert. Von rechts kommt eine Violine dazu, Cowbells grätschen von links dazwischen, das ist alles wahnsinnig unharmonisch und wirkt nicht nach einem Guss. „Gone Epoch könnte funktionieren, wenn hier nicht die eingangs erwähnte stimmliche Leistung zum Tragen käme. Gesang und Violine teilen sich die Melodie, sind aber so weit auseinander, dass die deswegen entstehenden Disharmonien nun absolut keinen Genuss auslösen. Es zieht sich leider fast durch die gesamte Laufzeit von 54 Minuten, das ich immer wieder denke „Ach man, das jetzt auch noch“. Es ist einfach alles ein wenig zuviel von allem. Hier rollt ein Drum- Tsunamie über einen hinweg, Gitarrensoli in Hülle und Fülle, gegrowlt wird auch noch. Ich verstehe ja durchaus den Wunsch, so ein Herzensprojekt wie eine Trilogie möglichst krachend zu einem Abschluss zu bringen, aber hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Es ist ein wenig so, als würde man auf dem Markt 3 Bananen kaufen wollen, und der Verkäufer packt noch einen Sack Äpfel, ein Kilo Orangen und eine Melone dazu. Das ist einzeln bestimmt eine tolle Sache, aber was mach ich jetzt damit?

 Und mir geht es auch gar nicht darum, „Reader of the Runes – Luna“ zum Matrix III zu erklären, der die Serie ja nun beerdigt hat, um mal bei meiner Film- Analogie zu bleiben. Es gibt einiges positiv hervorzuheben. Sämtliche Musiker an den Saiten und den Drums machen hier einen hervorragenden Job. Und das mal der ein oder andere Ton daneben geht, geschenkt. Was man dem Sänger nun wirklich nicht unterstellen kann, das er nicht mit Herz bei der Sache wäre Aber an einem Song wie „Stormcarrier“ (feat. Mathias Lillmåns) merkt man dann, was hätte sein können, wenn man sich mehr auf seine Kernkompetenzen konzentriert hätte. Der Track ist einfach geradliniger, mehr „auf die Fresse“ und unterm Strich tatsächlich der einzige, der bei mir im Ohr hängen geblieben ist. Und das nach etlichen Durchläufen. Es ist am Ende ein wenig seltsam, davon zu sprechen, das hier viel Potential liegengelassen wurde, wenn es am Ende doch darum geht, dass das Problem dieses Albums das „Zuviel“ ist. Beim Wunsch, ein möglichst episches Ende einer Trilogie zu entwickeln, haben Elvenking leider maßlos übertrieben und ein überladenes, und deswegen unrundes und unharmonisches Hörerlebnis geschaffen. Fans greifen zu, der Rest hört Probe

Elvenking - Gone Epoch
 
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