Seit 2010 sind KINGDOM OF GIANTS aus Kalifornien fester Bestandteil der modernen Metalcore-Szene. Burning Chrome markiert inzwischen ihre siebte Veröffentlichung und zeigt eine Band, die ihre Cyberpunk-Ästhetik nicht nur als visuelles Konzept, sondern als festes Soundfundament verinnerlicht hat. Schon nach den ersten Tönen ist klar: Hier geht es um mehr als Standard-Metalcore – die Kalifornier inszenieren eine dystopische Welt aus Neon, Industrial-Flächen und brachialen Breakdowns.
„Tune Me Out“ eröffnet hart und treibend, ohne sich schon komplett aus dem Fenster zu lehnen – ein solider Start, der die Tür zur Neonwelt aufstößt. Mit „Collide“ zeigen KINGDOM OF GIANTS direkt ihre ganze Klasse: ein Song, der elektronische Elemente und Gitarrenriffs smart verzahnt, mit eingängigem Refrain und einem Breakdown, der keine Gefangenen macht. Get Some Magazine sprach treffend von einem „high-octane gut-punch“ – und genau das ist es auch: authentisch, packend, atmosphärisch dicht.
Die Mitte der EP vertieft das Konzept. „Lead Me Back“ arbeitet mit industrialartigen Flächen, die durch Cleans und Shouts ins Metalcorige aufgebrochen werden, während „Cold Burn“ bewusst Tempo rausnimmt: verzerrte Vocals und elektronische Texturen verstärken die digitale Entfremdung, bevor ein plötzlicher Breakdown umso wuchtiger reinhaut. Mit „Taste of Poison“ folgt dann der vielleicht härteste Moment der Platte – ein massiver Breakdown, subtil von Elektronik unterfüttert, eingebettet in einen Song, der Härte und Melodik perfekt zusammenführt. Den Schlusspunkt setzt „Digital Hell“, das nicht nur das Finale der EP bildet, sondern ebenfalls als Single samt Video erschienen ist und mindestens genausschnell wie Collide in meiner Playlist: synthwave Noten, treibende Riffs, düstere Shouts, ein Hauch Katharsis im Refrain – ein Abschlussbanger, der das Konzept auf den Punkt bringt.
Was Burning Chrome so stark macht, ist die konsequente Verknüpfung von Sound und Thema. Die Industrial- und Cyber-Elemente sind kein Gimmick, sondern fügen sich organisch in die Metalcore-Basis von KINGDOM OF GIANTS ein. Besonders hervorzuheben ist dabei Jonny Reeves, der mit seinen Cleans einmal mehr exzellente Arbeit abliefert. Umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass er seit Kurzem auch beim Post-Hardcore-Flaggschiff THE AMITY AFFLICTION als Sänger aktiv ist – eine Doppelbelastung, die seiner Performance keinerlei Abbruch tut.
Mit Burning Chrome liefern KINGDOM OF GIANTS eine atmosphärisch geschlossene, druckvolle EP, die zwischen Wut, Verzweiflung und futuristischer Ästhetik oszilliert. Nicht jeder Song ist ein absoluter Ausreißer nach oben, aber als Gesamtwerk funktioniert die Platte hervorragend – und mit „Collide“ haben die Kalifornier einen Song im Gepäck, der sich locker unter die besten Metalcore-Tracks des Jahres reiht.