Heino - Schwarz Blüht Der Enzian
Neben H.P. Baxxter von SCOOTER bleibt nur noch einer, der sich dieses Prädikat wirklich verdient hat, und das ist HEINO. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an den Tag der Niedersachsen in der Metropole Wolfenbüttel in den 90er-Jahren, auf dem ich mein erstes Life-Konzert überhaupt mit ihm erleben durfte, dass er in Anlehnung an seine damalige Werbung für einen großen Burgerbrater mit "Das sind ja dicke Dinger hier in Wolfenbüttel" eröffnet hatte.
Nun, einige Jahre später, präsentiert er ein überaus gereiftes Spätwerk, das sein bisheriges Schaffen in ein ganz neues Licht rückt und das der von sich selbst sehr überzeugten, aber dennoch nicht wirklich tiefgründigen "Neuen Deutschen Härte" den Spiegel vorhält. Denn der titelgebende Track "Schwarz blüht der Enzian" hätte so auch von RAMMSTEIN stammen können, so unverkennbar sind die soundtechnischen Übereinstimmungen.
Bei 'Rosamunde' sind die Anspielungen auf 'Seven Nation Army' von den WHITE STRIPES so offensichtlich, dass man den Machern des Albums wirklich ein gelungenes Händchen für Musikkritik und Ironie attestieren muss. Alle Hochachtung. Das hätte die "heute-show" so auch nicht besser hinbekommen. Und eines muss man HEINO auch lassen: Seine von vielen elitären, arroganten und hochnäsigen Qualitätsjournalisten als seicht und oberflächlich titulierten Songs haben wirklich Potenzial, sonst würden sie in ihrem neuen Gewande nicht so erfrischend dynamisch daherkommen ('Wir lagen vor Madagaskar').
Natürlich gibt es auch einige Songs, die in neuer Version weit davon entfernt sind, als wirklicher Rock bezeichnet werden zu können, aber im Vergleich zu den Originalversionen ist dann doch ein gehöriger Bums dazugekommen, so dass hier dann doch ein gelungener Gegenpol zur "Helene-Fischerisierung" des Massengeschmacks geboten wird. Wenn schon Schlager, dann nicht in der erotisierenden, sondern eben in der düsteren, rockigen Version von HEINO. In diesem Zusammenhang äußerst gelungen: 'Schwarzbraun ist die Haselnuss' oder 'Hoch auf dem gelben Wagen'. Und wenn er dann auch noch unter Beweis stellt, dass er genreübergreifend auch im Country zu Hause ist ('Jetzt erst recht'), dann kann man wirklich konstatieren, dass man es hier mit einem Universalgenie zu tun hat.
Kurz: Die Arroganten, Engstirnigen und Intoleranten unter uns werden das Ansinnen von HEINO, seinen alten Songs neues Leben einzuhauchen, die Berechtigung absprechen. Aber das wäre ungerecht. Denn genau wie JOHNNY CASH kann auch HEINO seinen alten Songs ganz neue Seiten abgewinnen, die unter Beweis stellen, welches Potenzial in vielen seiner Lieder steckt. Wer die so genannte "Neue Deutsche Härte" mag oder es leid ist, sein Bier auf jeder Party zu HELENE FISCHER trinken zu müssen, hat jetzt eine Alternative, die genauso für Stimmung sorgt, für die man sich aber durch die rockige Attitüde in keinster Weise zu genieren braucht. Zudem ist dieses Album Nachhaltigkeit pur. Da kommen auch Vegetarier und Veganer nicht herum!