Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben. Doch seit dem 2008er Album "4:13 Dream", das zudem auch noch sehr fröhlich ausgefallen ist, wartet die Fangemeine sehnsüchtig auf das gerüchteweise versprochene "Dark Album" der Düsterrocker von THE CURE.
Als mir jetzt die neue Scheibe "Ghost Prayers" von THE BEAUTY OF GEMINA in die Hände fiel und ich mir kursorisch die Songs des Albums angehört habe, hellte sich meine Stimmung für einen kurzen Moment auf. Denn einige der Songs hätten auch THE CURE nicht besser hinbekommen können. Man nehme nur das düstere Darkness', eine einzigartige, über elfeinhalb Minuten lange Hymne an die Traurigkeit. Ein einleitendes melancholisches Klavier, über drei Minuten keine Vocals, typische, monoton niederdrückende Gitarren ('Sinking' lässt grüßen) und die unglaubliche Stimme von Sänger Michael Sele (im Stile von INTERPOL) machen diesen Song zu einer Hymne für alle verlorenen Seelen da draußen.
Aber die Schweizer können auch anders, denn der Opener 'One Million Stars' oder 'Down by the horses' atmen auch einen Hauch von Country, 'All those days' einen Hauch von verhaltenem hoffnungsvollen Optimismus. Das ist nicht weiter verwunderlich, da es THE BEAUTY OF GEMINA verstehen, Alternative, Dark Wave oder andere verwandte Genres zum Verschwimmen zu bringen.
Ein weiter mehr als gelungener Höhepunkt anmutiger Traurigkeit kommt mit 'Hundred lies' daher. Glücklich kann sich derjenige schätzen, der hier nicht schlucken und seine Tränen zurückhalten muss. Herrlich düster und der Melancholie überaus zuträglich ist zudem auch der gut vernehmbare Bass, wie in 'Dance on the frozen lake', ein fast schon fröhlicher Song.
Alternative rockig, hitverdächtig und durch sein Tempo auch tanztauglich kommt dann 'Run, run, run' daher, ehe die Alternative-Country-Ballade auch durch die hintergründigen Streicher zu einem weiteren Gänsehaut-Highlight wird.
Soundmäßig ist es gerade dieses ungewöhnliche, aber phänomenal passende und seine Wirkung entfaltende Zusammenspiel aus Country-Elementen NICK CAVE'scher oder JONNY CASH'er Prägung und aus Alternative-Elementen ('Dragon'), das den Sound so unverwechselbar macht. Nur die Single-Auskoppelung 'Marannah' ist nicht so meins.
Aber trotzdem: ein herausragender Longplayer. Kaufen!