Aber wie kam es überhaupt zu dem Wirrwarr an Eindrücken und weswegen habe ich es erst zu diesem Review geschafft, die Platte gänzlich durchzuhören? Die verschiedenen, z. T. verwirrenden Eindrücke vom Musikstil der Skandinavier sind wohl dadurch zustande gekommen, dass mein Player per Zufallsauswahl jedes Mal mit einem anderen Track startete. Während ich den einen Tag durch die brachiale Gewalt der bösartigen Shouts und dem Geknüppel von ‚Dead Hands‘ fast erschlagen wurde, überraschten mich am nächsten Tag Songs wie ‚Legens‘, ‚Roots‘ oder ‚Never‘ mit eingängigen Melodien, gut platzierten Doublebass-Passagen und verspielten Gitarren. Dennoch verbirgt sich für mich ein großes Fragezeichen hinter der musikalischen Ausrichtung von WALKING WITH STRANGERS. Mir fehlt bei „Hardships“ einfach der rote Faden. Abwechslung tut gut, ohne Frage, aber auf „Hardships“ wird offensichtlich alles zusammen gemixt, was auf dem Musikmarkt um den Bereich Post-Hardcore verfügbar ist und das scheint mir eindeutig zu viel. Z. B. finde ich die unerwartet eingespielten Background Shouts bei ‚Heart‘ fehlplatziert und warum muss man einen knüppelharten beginnenden Song wie ‚Dead Hands‘ durch seichte Trancecore Einlagen weichspülen? Warum muss ich beim Electrosound von ‚These Walls Pt.1‘ erst nachschauen, ob es sich bei dem Song um ein Intro handelt bzw. ob ich überhaupt die richtige CD im Laufwerk habe?
Vielleicht sind WALKING WITH STRANGERS noch auf der Suche nach ihrem Stil, vielleicht zeichnet sich ihr Stil aber gerade auch gewollt durch die angesprochene Heterogenität aus. Mir jedenfalls fehlt die Geradlinigkeit, denn letztlich überforderte mich der Wechsel von brachialer Härte auf der einen Seite und den soften Einspielungen auf der anderen Seite.
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