Vier Jahre ist das letzte reguläre Album von Desaster mittlerweile schon wieder her. Zwischenzeitlich gab es die Shape-Single “Sadistic Salvation” sowie die “Here Lies Desaster”-Single, auf der man die eigenen Punk-Wurzeln in unnachahmlicher Desaster-Manier zelebrierte. Im vergangenen Jahr wurde dann noch eine Live-Scheibe zwischengeschoben und Darkness Shall Rise bereiteten die Frühphase der Band noch einmal mit der “As The Deadworld Calls”-CD-Box auf, während Anfang diesen Jahres via Cold Knife die Phase von “Angelwhore” bis “The Oath Of An Iron Ritual” mit einer Tape-Box gewürdigt wurde.
“Kill All Idols” markiert nun das zehnte Album der deutschen Metal-Institution. Dass die zwischenzeitliche Entwicklung eine nochmalige Steigerung realistisch erscheinen lassen sollte, die zuletzt mit “Churches Without Saints” einen weiteren Höhepunkt erreichte, schien zwar ebenso nicht völlig ausgeschlossen wie unwahrscheinlich.
Daher kommt die Kurskorrektur, die sich bei den ersten Durchläufen vor allem im Sound widerspiegelt, nicht unerwartet. Auf “Kill All Idols” regiert nicht die fein geschliffene, atmosphärische Black Metal – Klinge, sondern der unweigerlich grobschlächtige Thrash Metal – Morgenstern gibt die Richtung vor. Denn die Produktion ist roh, ruppig und rotzig, teilweise sehr trocken aber mit einem sehr transparenten Sound, der insbesondere die Bassläufe von Odin sehr schön in Szene setzt.
Mitnichten heißt dies übrigens, dass Desaster ihre Passion zum atmosphärischen Black Metal ignorieren. Aber die Besinnung auf die Punk-Wurzeln bei der “Here Lies Desaster”-Single, auf der man Toxoplasma, Slime, S.O.D und The Exploited coverte, hat scheinbar nicht nur soundmäßig, sondern auch im Songwriting Spuren hinterlassen.
“Kill All Idols” fällt insgesamt an vielen Stellen sehr viel weniger episch als direkt aus. In Sachen Songwriting wirkt das Album entschlackt. Exemplarisch steht dafür ein Song wie “They Are The Law”, der eine perfekte Mischung aus Motörhead, Impaled Nazarene und Straßenpunk ist. “Kill The Idol” schlägt in die gleiche Kerbe wobei dieser deutlich metallischer daher kommt. Der grimmige Schwarzmetall-Sturm des Openers “Great Repulsive Force” mag diesbezüglich etwas in die Irre führen, bevor der treibende Uptempo-Banger “Emanation Of The Profane” Desaster pur zelebriert – Heavy Metal, Thrash Metal, Black Metal inklusive der typischen Melodien und Epik! Das steigert sich mit dem bereits vorab veröffentlichten “Towards Oblivion” noch einmal ins nahezu Unermessliche - vom begnadeten Lead-Gitarren-Intro Infernals angefangen bis zur letzen Note: Desaster zum Niederknien! Hier geht nicht nur der Punk ab, dieser Song wird live nur verbrannte Erde hinterlassen! “Ash Cloud Ritual” ist sowohl bei den Hochgeschwindigkeits-Passagen, wie auch in den schleppend-doomigen Passagen in jeder Hinsicht brutal und grobschlächtig, bevor die epische Seite von Desaster bei “Fathomless Victory” vollends zum Tragen kommt. Darf man das schon Ballade nennen? “Throne Of Extasy” ist dann wieder so ein Song, ein Punk Rock meets Back Metal – Desaster. “Stellar Remnant” fängt unbequem, wuchtig und brachial an, bevor er dann zwar Fahrt aufnimmt, bis das Tempo wieder extremst verschleppt wird. Ja, auch die Sache mit den Spannungsbögen können Desaster noch. “Idols End” ist wiederum eines dieser typischen Desaster-Instrumentals, welches von Infernal Kuschkes unverkennbarem und einzigartig “singendem” Gitarren-Riffing und seinen Leads getragen wird, die diese unnachahmlichen Mittelalter-Vibes versprühen.
Welchen Stellenwert “Kill All Idols” nun in der Desaster-Diskografie einnimmt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fest steht allerdings, dass Desaster auch auf Album Nummer zehn quicklebendig sind, Spaß und Spielfreude versprühen. Das Album wirkt frisch und ist wohl eines der abwechslungsreichsten in der Geschichte der Band. Enttäuschen wird es definitiv niemanden.
Horns Up!!!