Pop-Metal in Lack und Leder!
Wenn sich eine „bekennende Metallerin aus der Kleinstadt“ in die hautenge Lederkluft wirft, um ein „Metal“ Album aufzunehmen, dann klingt das vor allem nach Main Stage in Wacken, reichte in diesem Fall aber offenbar auch aus, um die A&R Abteilung des altehrwürdigen Epitaph Labels zu überzeugen.
Wikipedia führt die in Nashville lebende gebürtige Kanadierin als „Metal/Hard Rock artist“. Ein Blick hinter die Kulissen verrät aber schnell, dass die dralle Blondine vor nicht allzu langer Zeit noch in Jeans und Cowboy Boots auf der Ladefläche eines Pickups saß und Songs wie „If we all drove trucks“, "Bitchin" oder „Workin‘ on my Country“ trällerte, die unüberhörbar im Modern Country angesiedelt sind. Zwischenzeitlich wurde die Garderobe des „Redneck Rockstar“ (übrigens gar nicht übel) offenbar um eine ganze Reihe Leder- und Latexklamotten erweitert und das Songwriting-Team der Sängerin ist über Bands wie AMARANTHE, BEYOND THE BLACK & Co. gestolpert. Das Resultat sind poppige Rocksongs mit fetten Beats und dicken Gitarrenriffs, die unzweifelhaft auf die Hörerschaft der nordamerikanischen Rockradiosender zugeschnitten wurden. So bieten Songs wie „Sacrifice“, „Pandora’s Box“ und „Dragon“ einen Querschnitt von HALESTORM über LINKIN PARK und EVANESCENCE bis hin zu BRITNEY SPEARS. Da passt ein Duett mit Danny Warsnop von ASKING ALEXANDRIA perfekt ins Bild.
„Black Magic“ dürfte für eingefleischte Metaller tatsächlich wie ein böser Zauber wirken, der Kollege Weckmann vom Metal Hammer attestiert hingegen ein „starkes Debütalbum“ und unser Chef wird sich spätestens beim nächsten Wacken mit der Blondine ablichten lassen. Erstaunlich nur, dass der Kollege Lison das Album verschmäht, verbindet die Kanadierin auf ihrem Rock-Debüt doch zahlreiche Attribute der Bands, die üblicherweise auf seiner Playlist stehen.
Ob ROYALE LYNN mit diesem Konzept nachhaltig in der Rockszene Fuß fassen kann, bleibt zweifelhaft – andererseits durfte BÜLENT aber auch jüngst im Vorprogramm der SCORPIONS auftreten. „Ich glaube, dass Musik Leben rettet“, wird ROYALE LYNN hinsichtlich der thematischen Ausrichtung ihres Albums zitiert. Es würde mich aber auch nicht wundern, wenn der eine oder andere Kuttenträger nach dem Konsum des Albums den Freitod wählt. Mir persönlich gefallen die früheren Modern Country Songs der Dame fast besser. „Black Magic“ ist ein am Reißbrett ausgearbeitetes Album mit modernem Pop-Metal, das man sich zwar anhören kann, welches die Welt jetzt aber auch nicht sonderlich bereichert. Vielleicht findet das Album unter den zahllosen Schützenfest-Rockern dieser Welt am ehesten seine Anhänger – unser Chef dürfte es ebenfalls lieben. Und ich gucke gleich mal nach, ob ALLI WALKER auch schon in Richtung Metal-Karriere abgebogen ist…