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Frank and Free – Die Iden des März

VÖ: 06. Dezember 2024   •   Label  Eigenproduktion
Wer bislang der Meinung war, dass Chris Boltendahl seine Seele an den Teufel verkauft hätte, weil er für das jüngste GRAVE DIGGER Album ein KI Cover kreiert hat, der hat vermutlich noch nichts von FRANK AND FREE und dessen Debüt „Die Iden des März“ gehört.

Im 1. Brief des Petrus warnt dieser: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge." Mehr noch als den Teufel fürchten die Kulturschaffenden die Konkurrenz der künstlichen Intelligenz. Dessen ungeachtet hat sich Frank Bruns zum letzten Jahreswechsel mit einem mittels KI erstellten Konzeptalbum ins Licht der Öffentlichkeit gewagt.

Die Tatsache, dass ich im Netz kein Review zu dem Album finden konnte, zeugt wohl von den Vorbehalten, die (teilweise sicher zu recht) gegenüber dieser Art von Musik vorherrschen. Frank geht allerdings ganz offen mit der Entstehungsgeschichte des Albums um und hat dazu auch mehrere Videos online gestellt. Mithilfe von Udio und verschiedener Audiosoftware wurde die Musik generiert. Elevenlabs wurde genutzt, um die Sprecherstimmen für die Hörspielsequenzen zu erschaffen.
In etwa 80 Minuten entführt Frank, der sich hier passenderweise selbst eher als Autor und Regisseur denn als Musiker sieht, den Hörer in die Welt des alten Roms, genauer in das Jahr 44 v. Chr., als Caesar nach der Alleinherrschaft im Imperium griff und dafür mit seinem Leben bezahlte. „Die Iden des März“ ist tatsächlich eine gelungene Symbiose aus Hörspiel und Musik geworden, die durchaus Unterhaltungswert hat. Musikalisch bewegen wir uns – den Vorlieben des Regisseurs entsprechend – in der Welt des Mittelalter-Rock à la SALTATIO MORTIS, IN EXTREMO, SCHANDMAUL oder SUBWAY TO SALLY. Frank ist es dabei tatsächlich gelungen, mittels der KI recht nah an seine Vorbilder heranzukommen. So können Songs wie „44 vor unserer Zeit“ oder „Imperator Mundi“ mit eingängigen Melodien aufwarten.
Auch wenn Frank sich neuer Technologien bedient hat, so hört man dem Album doch an, dass hier viel Herzblut hineingeflossen ist, um ein stimmiges Konzeptalbum zusammenzustellen. Dramaturgie und die Verflechtung von Musik und Hörspiel sind absolut gelungen und man hat nicht das Gefühl, dass hier einfach nur beliebig irgendwelche Klangfetzen zusammengewürfelt wurden. Insofern muss man das Album vielleicht weniger unter dem Aspekt des „kreativen Diebstahls“ betrachten, als vielmehr als ein Beispiel dafür, wie man KI als Technologie kreativ einsetzen kann, um eigene Ideen gelungen in Szene zu setzen. Und seien wir doch einmal ehrlich: Auch im Metal Bereich hat die moderne Technologie doch mittlerweile überall Einzug gehalten und mit Pro-Tools und anderen Hilfsmitteln wird nicht nur im Studio, sondern auch auf der Bühne gearbeitet.
Fazit: Gut gebrüllt, Löwe. Nun liegt es an euch, ob ihr es wagt, euch vom Gehörnten verschlingen zu lassen. Ich zumindest wurde noch nicht vom Teufel geholt, obwohl ich das Album nun bereits mehrere Male gehört habe. Zwar bin ich kein großer Fan oder Experte im Genre des Mittelalter Rocks, dennoch finde ich, dass Frank Bruns mit „Die Iden des März“ ein hörenswertes und durchaus überzeugendes Werk abgeliefert hat, welches es durchaus verdient hat, dass man mal ein Ohr riskiert.
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Was ist DIE IDEN DES MÄRZ? - Musik & Geschichte vereint
Metal trifft Hörspiel: Kein gewöhnliches Konzeptalbum!
 
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