Sherlock Holmes liebt Schnee. Das hat natürlich einen Grund, denn im Schnee lassen sich Spuren ausgezeichnet verfolgen. Und in diesem Fall aus dem Archiv des Doktor Watson führen diese Spuren letztlich auch zur Lösung des Rätsels.
Als eine völlig aufgelöste Mrs. Hudson Sherlock Holmes und Dr. Watson ihr Herz ausschüttet, erntet sie zunächst nur Spott seitens des Meisterdetektivs. Was war passiert? Mrs. Hudsons dezent nervige Cousine Miss Mapleton ist verschwunden. Doch nicht nur sie, sondern auch ihr Arbeitgeber, der Archäologe Professor Marconi. Bei eisiger Kälte machen sich Holmes und Watson auf ins verschneite Bloomsbury Hill, wo sie in einer kleinen Pension unterkommen. Dort treffen sie auf den einzigen anderen Gast, den angeblichen Reporter Jonathan Fulford, der allerdings im Laufe der Ermittlungen Hals über Kopf verschwindet. Nach einer ersten Befragung des Assistenten des Professors, Charles Rossiter, scheint es klar: Der Archäologe wurde ermordet. Und somit scheint auch Miss Mapleton in allergrößter Gefahr. Spuren im Schnee dienen dem Meisterdetektiv und seinem Chronisten als erste Anhaltspunkte. Und als sich schließlich Einbrüche und Überfälle in dem kleinen Dorf mehren, wird klar, dass man es in diesem Fall nicht mit einem Einzeltäter zu tun hat, sondern mit einer ganzen Bande. Doch warum zeigen die Täter ein so großes Interesse an Kaminen? Was suchen sie? Sherlock Holmes scheint schon bald erste Ideen zu haben – anders als Inspector Lestrade, der sich schließlich ebenfalls in Bloomsbury Hill einquartiert und am Ende mit seinen Leuten zur rechten Zeit am rechten Ort ist.
Der anfänglich schroffe Umgang des Meisterdetektivs mit seiner Haushälterin lässt Holmes nicht gerade in einem positiven Licht erscheinen, passt aber natürlich zur Anlage des Charakters durch dessen Schöpfer Arthur Conan Doyle. Das winterliche Setting passt hervorragend in die ausklingende Weihnachtszeit und der knapp 100-minütige Fall bietet eine schöne Gelegenheit, um sich zwischen den Feiertagen mal eine Auszeit zu nehmen. Marc Gruppe ist es wieder einmal gelungen, einen unterhaltsamen Fall nach historischen Vorbildern zu entwerfen. Verschiedentlich ist zu lesen, dass dem Fall der Doyle-Vibe fehle oder die Geschichte zu verworren bzw. zu durchsichtig sei. Keinen dieser Punkte kann ich teilen, da ich finde, dass der Fall eine gelungene Mischung aus actionreichen Szenen (Schießereien, Schlägereien) und der typischen Ermittlungsarbeit des Sherlock Holmes ist. Natürlich trägt neben der gelungenen Dramaturgie auch die gewohnt gekonnte Adaption viktorianischen Sprachduktus‘ und Umgangs zu der unverwechselbaren Atmosphäre der Hörspielreihe bei. Unterm Strich bleibt ein wundervolles Krimi-Hörspiel mit tollen Dialogen, einer abwechslungsreichen Handlung, kauzigen Charakteren und überzeugenden Sprechern. Abgerundet wird das Ganze wieder einmal durch das wirklich gelungene Artwork, so dass „Blutiger Schnee in Bloomsbury Hill“ für mich ein rundherum gelungenes Hörspiel darstellt.