Bottled aus Frankfurt Oder gehören zu den letzten Metal-/Rock-Bands der ehemaligen DDR-Szene, die 1989 staatlich eingestuft wurde, Konzerte spielte, bevor der Staat selbst und mit diesem die ganze Szene vorrübergehend implodierte. 1987 von Thomas Romberg, Kay Gesche und Christoph Dobberstein (ja genau – Ars Metalli & Under Black Clouds – Anm. d. Verf.), eiferte man westlichen Vorbildern aus dem Rock ´N´ Roll, Punk und Thrash Metal nach, was im ´89er-Demo “Don´t Sleep Till Tunnelstreet” mündete…
2024 wurde die Band von Bassistin Dobbi und Gitarrist Thomas, erweitert um den neuen Drummer Torsten reaktiviert, und man begann, neue Songs zu schreiben, die musikalisch nahtlos an die “Don´t Sleep...”-Veröffentlichung anknüpft.
Auf “Frankfurt” findet sich nun eine ziemlich kauzige, “Proto”-Mucke, die zwischen klassischen Rock, Rock ´N´ Roll, Punk, Heavy und Thrash Metal pendelt, mit nicht immer ganz ernstzunehmenden deutschen wie englischen Lyrics und viel Augenzwinkern. Davon zeugen Titel wie “The Bottle Rages On”, “Baptized In Beer” oder “Mein erster Tag in der Fleischfrabrik”. Neben den zwölf Songs von Frankfurt enthält das Debut noch die von Patrick W. Engel rekonstruierten 11 Songs des “Don´t Sleep Till Tunnelstreet”-Demos von 1989, die sich ohne große Brüche an das aktuelle Material reihen, wobei mir eben genau dieses alte Zeug wesentlich besser gefällt. Mit “Nuclear Warfare” ist hier ein echter Thrash-Kracher exhumiert worden, der Carnivore alle Ehre macht. “Ice Cream” und “Beer!” sind wiederum Programm, während man bei “S.U.B. (Sumpf und Bier)” wahnwitzigerweise dem “Rime Of The Ancient Mariner” huldigt. Und während man 1989 Wall Of Voodoo (“Mexican Radio”), die Sex Pistols (“God Save The Queen”) oder Nina Hagen (“Wenn ich ein Junge wär”) coverte, sind bei “Frankfurt” Leonard Cohen (“Everybody Knows”) und Fallout (“Rock Hard”) an der Reihe.
Der musikalische Wert von “Frankfurt” und “Dont´t Sleep Till Tunnelstreet” erschließt sich zugegebenermaßen vor allem im Kontext der ehemaligen DDR-Rock- und Metal-Szene der (Vor-)Wendezeit (In diesem Zusammenhang sei auf die zwei Staffeln des “Iron East”-Podcast zum Thema Heavy Metal in der DDR in der ARD-Audiothek hingewiesen – Anm. d. Verfassers), in der man musikalisch alles inspiratorisch aufgesogen hat, an das man nur herankommen konnte. All diese wilden Einflüsse wurden ohne Schranken und Dogmen verarbeitet und mit musikalischem Geschick umgesetzt. Die oft begrenzten technischen Möglichkeiten wurden mit jeder Menge Enthusiasmus kompensiert. Diesen Enthusiasmus, vor allem aber diese gewisse Naivität hört man sowohl “Don´t Sleep…”, welches als Zeitzeugnis gilt, als auch “Frankfurt”, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint, an.
Somit sind Bottled und “Frankfurt” vor allem für Liebhaber, Puristen, Nerds, Nostalgiker sowie Komplettisten interessant, denn alle Vergleiche nach heutigen Szene-Maßstäben, hinken hier fast zwangsläufig.