Bereits der erste vorab als Video-Single ausgekoppelte Song “The Truth” ließ erahnen, dass “Veins Of Fire” sich deutlich von allen anderen Alben unterscheiden würde, die Deserted Fear bisher aufgenommen haben.
Das allseits beliebte Trio aus Thüringen hat sich für das aktuelle Album eine Frischzellenkur verpasst. Die Songs sind deutlich entschlackt worden, simpler strukturiert und eingängiger. Das Tempo wurde zugunsten von Rythmik und Groove deutlich gedrosselt und noch nie klangen Deserted Fear so melodisch und catchy. Ansonsten geht´s immer schön treibend und stampfend voran. Natürlich sind In Flames dabei in aller Munde, außerdem lässt sich auch ein deutlicher Nu-Metal-Einschlag (Nu-Metal ist allerdings im Jahr 2025 irgendwie auch schon wieder retro – Anm. d. Verf.) nicht wegdiskutieren.
Dabei fungiert Gitarrist Fabian erstmals fast ausschließlich als reiner Lead-Gitarrist und fröhnt dabei seinem Faible für schwedische Leads und Melody-Lines, wobei wiederum In Flames aber auch Katatonia grüßen lassen. Manuels Gesang klingt auf “Veins Of Fire” so intensiv und eindringlich, so angepisst, so leidenschaftlich und hingebungsvoll wie noch nie zuvor. Und das Drumming von Simon ist so wuchtig, kraftvoll und knochentrocken wie eh´ und je.
“Veins Of Fire” ist ein Album, das wie gemacht scheint, für die ganz großen Festival-, ja vielleicht sogar Stadion-Bühnen abseits der klassischen Metal-Festivals. Bei jeder anderen Band wäre es jetzt ein Leichtes, die “Sellout-Karte” zu ziehen. Aber wer sich nur einmal ansatzweise mit dem Werdegang und der musikalischen Sozialisation der Musiker auseinandergesetzt hat, den dürfte diese Entwicklung kaum überraschen. Überraschend ist vielmehr, dass dieser Prozess zu einem Zeitpunkt vollzogen wurde, an dem Deserted Fear, die seit jeher immer fest mit einem Bein im Underground verwurzelt waren, mit dem Label-Wechsel von Century Media zu Testimony Records nun auch den zweiten Fuß zurück vom Major- ins Indie-Lager stellen. Und das meine ich ausdrücklich nicht despektierlich gegenüber der Arbeit und den Möglichkeiten von Testimony. Aber “Veins Of Fire” ist eigentlich das Album, das in Sachen Promotion und Vermarktung gerade für die großen Label-Fische von Century Media über Nuclear Blast bis Napalm Records ein dankbarer Selbstläufer gewesen wäre.
Deserted Fear machen immer noch Spaß! Sicher hätten Fabian, Manuel und Simon locker “Drowned By Humanity”, “Doomsday” oder “My Empire” Teil ll schreiben und aufnehmen können, gebraucht hätte dies aber niemand. Es dürfte trotzdem kaum verwundern, wenn Anhänger der reinen Death Metal – Lehre mit “Veins Of Fire” fremdeln werden. Auch ich werde vermutlich über den Sommer hinaus eher zu “Dead Shores Rising” und nicht zuletzt zu “My Empire” greifen. Aber wenn beim nächsten Gig der Thüringer zum Finale “Bury Your Dead” angestimmt wird, dann wird mir das alles herzlichst egal sein.
Bis dahin wird mich “Veins Of Fire” durch den Frühling und Sommer begleiten! Prost und Grüße nach Eisenberg!!!