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My Darkest Hate - Rust And Bones

VÖ: 07. November 2025   •   Label  Massacre Records

Ein Phönix aus rostigen Knochen steigt empor.

Nach einer Dekade des Schweigens kehren die deutschen Death-Metal-Veteranen MY DARKEST HATE mit ihrem sechsten Studioalbum zurück in die Arena des extremen Metals. Die Ludwigsburger Formation, gegründet bereits Ende der 90er Jahre durch Gitarrist Jörg M. Knittel, liefern nun mit „Rust And Bones“ ein Statement ab, das deutlich zeigt, dass die Truppe noch lange nicht bereit ist, ihre rostigen Stahlklingen niederzulegen.

Blickt man auf die Diskografie der Truppe, offenbart sich ein interessantes Muster. Zwischen 2001 und 2006 erschienen die ersten vier Alben in rascher Folge, bevor eine kreative Pause eintrat. 2016 meldeten sich MY DARKEST HATE mit „Anger Temple“ zurück, und nun, weitere neun Jahre später, entfesseln sie „Rust And Bones“ auf eine Metalszene, die sich stark gewandelt hat. Doch anstatt Trends zu folgen, knüpft die Band nahtlos dort an, wo sie einst aufgehört hat.

Die Zusammenarbeit mit Produzent Andy Classen, der bereits für Größen wie Krisiun, Destruction und Legion Of The Damned hinter den Reglern stand, erweist sich als wahrer Glücksgriff. Classen versteht es gekonnt, den charakteristischen Old-School-Sound der Band zu konservieren, während er gleichzeitig modernere Schärfe und Klarheit in die Aufnahmen bringt. Das Ergebnis ist ein Klangbild, das sowohl in der Brutalität der Riffs als auch in der Präzision der Instrumentierung auf ganzer Linie überzeugt.

Das von Remy Cooper (Headsplit Design) geschaffene Artwork verdient besondere Erwähnung. Cooper, bekannt für seine Arbeiten mit Napalm Death und Kreator, hat eine visuelle Interpretation geschaffen, die die apokalyptische Atmosphäre des Albums perfekt einfängt, ohne diesmal auf die üblichen Schockeffekte zurückgreifen zu müssen.

Der Titelsong „Rust“ eröffnet das Album mit einem kraftvollen Statement. Claudio Enzlers markante Ansage „This is Rust!“ fungiert als Startschuss für eine klangliche Attacke, die keine Gefangenen macht. Seine stimmliche Leistung oszilliert dabei zwischen tiefen, gutturalen Growls und bedrohlichen Passagen, die sofort die düstere Grundstimmung wiedergeben.

Dagegen ist „Vengeance My Brother“ mehr als nur ein Song – es ist ein Manifest über Loyalität und Vergeltung. Die Band selbst beschreibt es als Statement: Wer einem von uns schadet, wird es mit uns allen zu tun bekommen. Diese thematische Tiefe durchzieht das gesamte Album und verleiht den zehn Kompositionen eine narrative Substanz, die über bloße Aggression hinausgeht.

Besonders hervorzuheben ist „Sinister Warfare“, ein Track, der die technische Versiertheit der Band eindrucksvoll demonstriert. Hier verschmelzen Thrash-Elemente mit eingängigen Riffstrukturen zu einem energiegeladenen Ganzen. Mario Hennings Schlagzeugarbeit treibt den Song unerbittlich voran, während die Gitarren von Knittel und Jonas Khalil in einem explosiven Solo kulminieren.

Mit dem Kracher „He Who Never Sleeps“ wartet das Album mit einem besonderen Highlight auf: Dave Ingram, die legendäre Stimme von Benediction und Ex-Bolt Thrower, leistet einen Gastbeitrag, der dem Track zusätzliche Authentizität und rohe Kraft verleiht. Für Fans des britischen Death Metal ist dies ein wahrer emotionaler Moment!

“Flammenland” markiert dagegen einen Meilenstein in der Geschichte von MY DARKEST HATE – es ist der erste deutschsprachige Track der Band überhaupt. Mit TZ von Pessimist und Muggeseggel als Gastmusiker wagt die Formation den Schritt in die Muttersprache, ohne dabei ihre musikalische Identität zu verlieren. Diese Entscheidung zeugt von Mut und zeigt, dass die Band bereit ist, neue Wege zu beschreiten, auch nach über zwei Jahrzehnten Bandgeschichte!

Den Abschluss bildet schließlich der Track „Our Legion, Our Pride“, ein über zehnminütiger Koloss, der alle Stärken des Albums in sich vereint. Dieser Song ist eine Zusammenfassung dessen, wofür MY DARKEST HATE weiterhin stehen: technische Präzision, emotionale Tiefe und kompromisslose Härte. Die Band nimmt sich Zeit, verschiedene Tempi zu erkunden und zeigt dabei eine Reife, die nur durch jahrelange Erfahrung erreicht werden kann. Ein würdiger Schlusspunkt, der den Hörer fordert, aber auch begeistert zurücklässt.

„Rust And Bones“ ist zusammengefasst eine solide Rückkehr von MY DARKEST HATE in die oberste Death-Metal-Riege in Deutschland. Das Album bietet genau das, was langjährige Fans erwarten: knackigen Old-School-Death-Metal mit technischer Präzision und thematischer Substanz. Dazu kommen coole Gastbeiträge von Dave Ingram und TZ, die einmal mehr das Ganze bereichern.

Das neue Werk mag sicher nicht perfekt sein, aber es ist ehrlich, brutal und handwerklich auf höchstem Niveau – und das zählt in einer Zeit, in der viele Bands ihren Ursprung vergessen haben.

My Darkest Hate - Rust (Official Video)
 
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