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Night In Gales - Sylphlike (Re-Recording 2025)

VÖ: 31. Oktober 2025   •   Label  Apostasy Records

Aus Gründen stehe ich Re-Releases, insbesondere aber bei Neueinspielungen aus dem Backkatalog oder Diskografie-Klassikern grundsätzlich mit einer großen Portion Skepsis gegenüber. Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht. Selbst wenn die Musik im Vergleich zur Urfassung in spielerischer oder rein handwerklicher Hinsicht sowie sound- und produktionstechnisch aus künstlerischer Sicht subjektiv und/oder rein objektiv unbestritten “aufgewertet” wurde oder wird: Letztendlich sind es oftmals eben jene Unvollkommenheiten und eben kleine oder aber auch größere Makel und Unzulänglichkeiten, die manche Veröffentlichungen rund oder gar perfekt gemacht haben und machen. Im Zweifel genügt schon ein Remaster, um die unnachahmliche Atmosphäre eines Albums zu zerstören.

Aus diesem Grund habe ich auch durchaus ein paar Momente mit mir gerungen, ob ich eine Neuaufnahme der 1995 als Eigenproduktion erschienenen “Sylphlike”-EP von Night In Gales wirklich brauche, geschweige denn hören möchte…

Die Band aus Voerde in NRW gehörte Mitte der Neunziger zur Speerspitze der deutschen Underground-Szene, die sich anschickte, der Republik zu zeigen, dass man auch in Deutschland in der Lage war, melodischen Death Metal der Marke At The Gates, Dark Tranquillity oder In Flames zu zelebrieren. Der Fünftracker sorgte aufgrund seiner musikalischen Qualität für ordentlich Wirbel in einer Zeit, in der die Eigenproduktion in Verbindung mit einem CD-Release noch alles andere als alltäglich war. Mit MDD Records schob man ein Jahr später die “Razor”-EP nach und darauf folgte ein Deal mit Nuclear Blast mit dem Debut “Towards The Twilight” 1997. Im gleichen Jahr veröffentlichten die nicht minder talentierten Ferox mit “Prepare For War” ebenfalls ihr Debut, letztere verschwanden aber tragischerweise sehr schnell wieder in der Versenkung.

Night In Gales blieben, entwickelten sich weiter, öffneten sich im neuen Jahrtausend zunehmend stilistisch, um sich von den ursprünglichen Vorbildern aus Skandinavien zu emanzipieren. Die Liebe zum Melodic Death Metal blieb jedoch, bis man 2011 etwas unverhofft und sich etwas unter dem Radar mit “Five Scars” den musikalischen Ursprüngen zuwandte. Spätestens aber mit dem Nachfolger “The Last Sunsets” wurden im Hause Night In Gales der zweite Frühling und der goldene Herbst quasi gleichzeitig eingeläutet. Seither reitet das Quintett, das abgesehen von Drummer Christian Bass (heute Adreano Ricci) und der Phase mit Björn Gooßes am Gesang (1996-2012) heute wieder im Original-Line-Up spielt, auf einer kreativen Welle, während man mit Alben wie “Dawnlight Garden” (2020), “The Black Stream” (2023) vor allem aber mit dem im vergangenen Jahr erschienenen “Shadowreaper” endlich die verdiente Anerkennung für drei Dekaden Death Metal – Underground einfahren darf. Das wissen Night In Gales darüber hinaus heutzutage vor allem auf der Bühne so eindrücklich wie unnachahmlich zu untermauern. Nicht zuletzt waren es die Erlebnisse vor einem Jahr auf dem Jubiläumskonzert von Final Cry in Hannover sowie zuletzt auf dem Party.San 2025, mich mit der Neuaufnahme von “Sylphlike” auseinander zu setzen.

Grundsätzlich waren die sechs Songs “Bleed Afresh”, der Titeltrack, “Avoid Secret Vanity”, “Mindspawn”, das Instrumental “When The Lightning Starts” und “Flowing Spring” für eine so junge Band am Beginn ihres kreativen Schaffens zwar roh und voll von jugendlicher Energie, gleichwohl aber schon beeindruckend ausgereift in Bezug auf die Einflüsse, die der Musik zugrunde lagen. Wie schon erwähnt kracht es auf der ursprünglichen Version bereits an allen Ecken und Enden – rasendes, treibendes Drumming, klirrende, vielfach doppelläufige Gitarren und Melodien und ein Christian Müller, der sich in Anlehnung an Tompa (R.I.P.!!!) und Mikael Stanne die Seele aus den Eingeweiden keifte. Der Sound ist aus heutiger Sicht selbstverständlich nicht perfekt und weit entfernt von “Slaughter Of The Soul” aber eben für die damalige Zeit unter Berücksichtigung, dass es sich um eine Eigenproduktion handelte, aller Ehren wert, so dass sich auch die 1995er-Version trotz vergleichsweise fehlenden Drucks und leicht matschigem Sound immer noch sehr gut hören lassen kann.

Was spricht nun also für eine Neuaufnahme?

Zum einen ist es die Tatsache, dass die EP zuletzt 1999 nachgepresst wurde. Zum anderen ist es die Art und Weise, wie die Band insbesondere “Sylphlike” aber auch “Razor” mittlerweile live zelebriert. Selbstverständlich agieren Night In Gales heutzutage auf einem völlig anderen Level als 1995 und wer die Band in den vergangenen Jahren live erleben durfte, der nimmt der Band definitiv ab, dass man einfach tierischen Bock darauf hatte, die EP noch einmal neu einzuspielen, den Kreis zu schließen und sich nun dreißig Jahre später zum Jubiläum selbst zu beschenken.

Damit habe ich nun einen Teil meiner “Wertung” schon vorweg genommen.

“Sylphlike” 2025 enthält keinen Bonus, keinen Firlefanz, keine “Verschlimmbesserungen” an den Arrangements bzw. den Songs. “Lediglich” alle sechs Songs der ursprünglichen EP in einem kraft- und druckvollen Soundgewand, eingespielt mit der Erfahrung von 30 Jahren und neun Alben im Rücken. Dabei zeigt die nun vorliegende 2025er-Version von “Sylphlike” nicht nur absolut eindrucksvoll, wie zeitlos das Material und wie stark die Songs sind, sondern auch dass Night In Gales sich damit qualitativ rückblickend in keinster Weise hinter den einstigen Vorbildern verstecken müssen.

Für alle, die mit dem Original von “Sylphlike” “groß geworden” sind, ist die Neuaufnahme zwar nicht zwingend essenziell, sie kann aber eine Ergänzung sein, die keinen Fan des Materials enttäuschen wird sowie eine Einladung, die Musik noch einmal neu zu entdecken. Diejenigen, denen es durch die Gnade der frühen Geburt nicht vergönnt war, die EP zu Zeiten Ihrer Erstveröffentlichung oder dem Re-Release zu entdecken und die Night In Gales erst mit den Veröffentlichungen der letzten Jahre kennengelernt haben – ja für Euch ist “Sylphlike” 2025 fast eine Pflichtveranstaltung, mit der sich der musikalische Kreis nach dem bockstarken “Shadowreaper” schließt!

 

- ohne Wertung -

Night In Gales - Sylphlike
 
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